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GRENZHOF-SCHULHAUS: Boykott-Aufruf ist für Architekten nicht bindend

Architekten, die entgegen der Weisung ihrer Verbände an einem Wettbewerb teilnehmen, droht kein Ausschluss. Ein Druckmittel gibt es aber doch.
Die Stadt Luzern will das Schulhaus Grenzhof (früher Gemeinde Littau) abreissen. (Bild: Dominik Wunderli)

Die Stadt Luzern will das Schulhaus Grenzhof (früher Gemeinde Littau) abreissen. (Bild: Dominik Wunderli)

Was haben das Grenzhof-Schulhaus und das Gewerbegebäude Tribschenstrasse 51 gemeinsam? Bei beiden wehren sich Architektenverbände gegen den geplanten Abriss. Beim Grenzhof-Schulhaus hat das nun erste Auswirkungen: Das Stadtparlament verfügte einen vorläufigen Projektstopp ( wir berichteten ).

Die Stadt will das Grenzhof-Schulhaus abreissen und dafür das sich in der Nähe befindende Schulhaus Rönnimoos erweitern. Der Bund Schweizer Architekten (BSA) droht mit einem Boykott des dafür notwendigen Architekturwettbewerbs (Ausgabe vom 6. März). Auch beim Gewerbegebäude Tribschenstrasse ist bildlich gesehen Feuer unter dem Dach. Hier rät der Vorstand des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA), Sektion Zentralschweiz, seinen Mitgliedern, einen allfälligen Wettbewerb für einen Neubau zu boykottieren.

Welche Folgen haben solche Boykott-Drohungen? Wie bindend sind sie für die Mitglieder der Architektenverbände und -vereine? «Ein Boykott-Aufruf des SIA-Vorstands ist nicht bindend für die Mitglieder», betont der Luzerner Architekt Marc Syfrig, langjähriges SIA-Mitglied und ein profunder Kenner der Architekturszene. «Natürlich sind alle Mitglieder des SIA gemäss Statuten zur Erhaltung wertvoller Bausubstanz aufgerufen; das ist auch richtig so.» Es gebe aber «keinen Passus, gemäss dem ein Mitglied, das sich entgegen den Weisungen des Vorstands an einem Wettbewerb beteiligt, aus dem SIA ausgeschlossen werden könnte».

«Künftig weniger zu Wettbewerben eingeladen»

«Direkte Sanktionen gäbe es keine», sagt Syfrig. Aber: «Es könnte sein, dass auf Mitglieder, die den Boykott-Aufruf nicht befolgen, mit dem Finger gezeigt würde.» Die Folge könnte sein, dass SIA-Mitglieder, welche den Boykott ignorieren, «eventuell künftig weniger zu Wettbewerben eingeladen würden». Ein gewisses indirektes Druckmittel hat der SIA-Vorstand demnach doch.

Was ist Syfrigs persönliche Haltung? «Ich finde beide Gebäude absolut erhaltenswert», antwortet Syfrig. «Das von Carl Mossdorf realisierte Gewerbe­gebäude an der Tribschenstrasse ist ein wunderbares Haus; leider wurde die Fassade in den vergangenen Jahren verunstaltet. Der Originalzustand von 1933 könnte problemlos wiederhergestellt werden.» Im Fall des Grenzhof-Schulhauses spricht Syfrig von «grosser Architektur».

Würde sich Syfrig selber an einem allfälligen Architekturwettbewerb beteiligen? «Solange der Boykott steht, sicher nicht. Er könnte sich aber vorstellen, zum Beispiel für einen Umbau «in der Wettbewerbsjury Einsitz zu nehmen», falls das Programm vom SIA genehmigt würde.

Zur Erhaltung des Gewerbegebäudes wurde eine Petition lanciert. Neben den Architektenverbänden SIA und BSA hat diese auch der Schweizer Werkbund unterschrieben. Der Innerschweizer Heimatschutz (IHS) hat angekündigt, dass er gegen das von der CSS-Versicherung eingereichte Rückbaugesuch Einsprache erheben wird. Die CSS will auf dem Grundstück einen Neubau zur Erweiterung ihres Hauptsitzes realisieren.

«Ein Boykott ist ein letzter Aufruf»

Bei einem Neubau könne es auch sehr gute Lösungen mit einer Integration des Gewerbegebäudes geben. So lautet ein Vorschlag der Architektenverbände und des Heimatschutzes. Eine mögliche Variante beim Grenzhof-Schulhaus wäre aus Sicht der Abrissgegner eine Umnutzung. «Wir versuchen im Vorfeld im Gespräch mit allen Beteiligten Lösungen zu finden», sagt Patrik Bisang, Präsident der SIA-Sektion Zentralschweiz. «Ein Boykott ist ein letzter Aufruf.» Die Möglichkeit des SIA liege darin, «seinen Mitgliedern die Problematik der Aufgabenstellung bewusst zu machen und gegebenenfalls einen entsprechenden Aufruf zum Teilnahmeverzicht auszusprechen».

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Der heute 65-jährige Marc Syfrig hat zusammen mit seinem früheren Büropartner Andy Scheitlin zahlreiche Bauten realisiert. Beispiele: Roche Forum Buonas, Eisstadion und Hochhaus Zug, Museum für Schweizer Geschichte Schwyz. Er gewann 2003 den Innerschweizer Kulturpreis.

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