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Ozon: Grenzwert in diesem Jahr bereits 140 Mal überschritten

Die heissen Sommertemperaturen lassen die Ozonwerte wieder steigen. Deshalb sollte man sein Verhalten entsprechend anpassen. Allerdings gab es schon weit schlimmere «Ozon-Jahre» als 2018.
Chiara Zgraggen
Vorsicht bei körperlicher Anstrengung bei grosser Hitze: Das Ozon macht dem Körper zu schaffen. (Bild Alessandro Della Bella/Keystone)

Vorsicht bei körperlicher Anstrengung bei grosser Hitze: Das Ozon macht dem Körper zu schaffen. (Bild Alessandro Della Bella/Keystone)

«Sport sollte man im Allgemeinen in den Morgenstunden oder nach Sonnenuntergang treiben. Das noch am besten im Wald». Man könnte meinen, dieses Zitat stamme von einem Sportmediziner. Es sind aber die Worte von Patrick Weibel, Mitarbeiter beim Amt für Umweltschutz der Stadt Luzern. Sein Sport-Tipp bezieht sich auf die niedrigere Ozonbelastung ausserhalb der Sonnenstunden. Denn: Allein im vergangenen Juni mass die Station Ebikon-Sedel 29 Überschreitungen des Ozon-Grenzwerts von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Zurückzuführen ist das auf das heisse Sommerwetter; die Schweiz durchschwitzte den zweitheissesten Juni seit Messbeginn 1864. Noch heisser war nur der Juni 2016. Da Ozon durch die Reaktion aus Sonnenstrahlung und Stickstoffdioxid entsteht, ist die Konzentration des Ozons in den Sommermonaten höher. Das Treibhausgas Stickstoffdioxid entsteht vor allem durch Autoabgase. Die Ozon-Werte in den Städten sind dadurch aber nicht etwa höher, sondern eher tiefer. «Verbrennungsmotoren stossen nicht nur Stickstoffdioxid aus, sondern auch Stickstoffmonoxid. Dieses baut Ozon wiederum ab», so Patrick Weibel. Die Ozonkonzentrationen sind in ländlicheren Gebieten und in höheren Lagen jedoch eher hoch. Zurückzuführen ist das auf den Wind, der Ozon aus den Städten in andere Gebiete treibt.

Ozon ist schlecht für die Ernte

Während des Hitzesommers 2003 stiegen die Ozonwerte ins Exorbitante. In Ebikon etwa wurden Werte von 225 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Das ist fast doppelt soviel wie der Grenzwert von 120 Mikrogramm. Dieser Wert dürfte höchstens während einer Stunde pro Jahr überschritten werden. Laut «Arias», einem unabhängigen Forschungsunternehmen im Bereich Umwelt, wurde im Rekordjahr 2003 in Ebikon die Grenze von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter während 722  Stunden überschritten (siehe Grafik). Besonders ozonbelastet war auch das Jahr 2015 mit 338 Stunden. 2017 lag der Wert noch bei 186 Stunden, und das aktuelle Jahr schlägt bisher mit 140 Stunden zu Buche. Der vorläufige Höchstwert dieses Jahres wurde von der Messstation Ebikon am 2. Juli gemessen, mit 162 Mikrogramm. Unter den erhöhten Ozonwerten leiden auch die Bauern. So kommt es wegen dem Schadstoff zu einem geringeren Wachstum der Pflanzen und somit zu Ernteeinbussen. «Zudem schwächt Ozon die Bäume, was sich negativ auf die Stabilität der Schutzwälder auswirken kann», so Patrick Weibel. Ozon ist auch schlecht für die Gesundheit. So kann es zu Symptomen wie Atembeschwerden führen (siehe Kasten unten).

Abgasskandal: Hersteller müssen handeln

Extremwerte von über 200 Mikrogramm Ozon wurden in den letzten Jahren kaum mehr gemessen. Das hat auch damit zu tun, dass die Verbrennungsmotoren immer sauberer werden. So ist die Belastung durch Stickstoffdioxid seit Jahren rückläufig. Nach den Abgasskandalen von VW, Mercedes und BMW musste zudem die EU über die Bücher. Sie entwarf Richtlinien, die auch die Schweiz einhält. So muss der Hersteller bei jedem Auto, das ab dem 1. September 2017 verkauft wird, ein Abgasmessgerät einbauen. Die Überprüfung der Messgeräte ist Sache von unabhängigen Laboratorien. Dies ist ein erster Schritt zur Verbesserung der Abgaswerte, beispielsweise auch von Stickstoffdioxid.

Getestet wurden auch schon Sofortmassnahmen bei besonders hoher Ozonbelastung, beispielsweise eine Tempolimite auf Autobahnen von 80 km/h. Die Wirkung blieb jedoch gering. Dennoch wird dieses System im Tessin nach wie vor praktiziert. Nicht nur Autoabgase haben Einfluss auf die Bildung von Ozon. Auch flüchtige organische Verbindungen (VOC) sind dafür verantwortlich. Sie kommen vor allem in Farben oder Lacken als Lösungsmittel zum Einsatz. Damit kein Anreiz besteht, solche Lösungsmittel zu verwenden, wird eine Lenkungsabgabe erhoben.

Ozon: Oben gut, unten schlecht

Ozon ist ein Treibhausgas. Es befindet sich in der Troposphäre und der Stratosphäre. Die Troposphäre ist die unterste Atmosphären-Schicht am Boden, in der wir leben. In 8 bis 50 Kilometer Höhe liegt die Stratosphäre. Das «gute» Ozon ist dort beheimatet. Es schützt uns vor den krebserregenden UV-B Strahlen der Sonne. Das Ozon in der Troposphäre hingegen ist schädlich für die Gesundheit: Es kann das Lungengewebe schädigen, was entzündliche Prozesse fördert. Lungen- oder Allergiepatienten leiden meist an Atemproblemen. Zudem können die erhöhten Ozonkonzentrationen zu Kopfschmerzen, verminderter Leistungsfähigkeit und tränenden Augen führen. Viele Betroffene berichten auch über ein kratzendes Gefühl im Halsbereich. Ozon wird natürlicherweise bei längeren schattigen Phasen, in der Nacht und durch die Einwirkung von Stickstoffmonoxid reduziert. Das Gas Ozon kann man übrigens auch riechen: Es ist der beissende Geruch, der oftmals aus älteren Autos oder Töfflis ausgepufft wird.

Aktuelle Ozon-Messwerte für die Zentralschweiz auf www.in-luft.ch

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