GREPPEN: Einheimische Truten begehrter denn je

Die Familie Muheim mästet seit 35 Jahren Truten. Die Nachfrage nach dem Fleisch ist gross. Bisher investieren aber nur wenige in die Haltung dieser Tiere.

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Christian Muheim mit seinen Truthähnen auf dem Hof in Greppen. (Bild Boris Bürgisser)

Christian Muheim mit seinen Truthähnen auf dem Hof in Greppen. (Bild Boris Bürgisser)

Trutenfleisch ist bei den Konsumenten immer beliebter. Und das nicht nur über die Festtage (Ausgabe vom 22. Dezember). «Seit letztem Jahr ist die Nachfrage nach Schweizer Trutenfleisch stark gestiegen, besonders nach ganzen Truthähnen. Man kann von einem Run sprechen», sagt Landwirt Christian Muheim (40). Er lebt mit seiner Frau Luzia (37) und seinen drei Söhnen auf dem Bühlhof in Greppen, den er seit 1999 in dritter Generation führt. «Letztes Jahr haben wir insgesamt fast 400 Truten gemästet und auf dem Hof geschlachtet. Ein Jahr zuvor waren es zirka 250 Tiere.»

Dass die Nachfrage plötzlich derart stark gestiegen ist, führt Muheim auf mehrere Faktoren zurück: «Immer mehr Konsumenten legen Wert auf einheimische Produkte. Aber auch die Medien haben dazu beigetragen, dass Schweizer Trutenfleisch immer beliebter ist», sagt er. So hat die Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens im letzten Sommer ausländische Truten-Mastbetriebe zum Thema gemacht und die Tierhaltung scharf kritisiert.

Die Mutter begann vor 35 Jahren

Die Familie Muheim führt einen der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe im Kanton Luzern, die auf Truten setzen (siehe Kasten). Auf dem Bühlhof kann man die Trutenhaltung schon fast als Tradition bezeichnen. «Meine Mutter hat vor 35 Jahren die Schweine zur Selbstversorgung durch Truten ersetzt, weil das Fleisch gesünder ist. Ich habe die Tiere dann übernommen», erzählt Christian Muheim. Zu Beginn sei er nicht so begeistert gewesen. «Aber dann ist die Nachfrage stetig gestiegen, und die Truten wurden zu einem Betriebszweig.»

Die Familie Muheim betreibt neben den Truten Milchwirtschaft mit zwölf Kühen. Der Hauptbetriebszweig sind im Sommer bisher Muheims Beerenkulturen, unter anderem Himbeeren, Brombeeren und Stachelbeeren. «Im letzten Sommer hat uns die Kirschessigfliege aber grosse Sorgen gemacht. Wir müssen nun überlegen, wie wir weitermachen wollen.» Muheims könnten sich durchaus vorstellen, noch stärker auf die Trutenmast zu setzen. Allerdings sind sie durch die Betriebsgrösse – der Bühlhof ist ein kleiner Betrieb – aufgrund der Nährstoffbilanz eingeschränkt. «Die Grenze von 400 bis 600 Truten haben wir nun schon fast erreicht», sagt der Landwirt.

Übernachten in Iglus

Die Truthähne und -hennen kommen im Alter von rund sechs Wochen auf den Bühlhof. Tagsüber sind sie auf der Weide, bei schlechtem Wetter in einem gedeckten Aussenbereich und nachts in Polyester-Iglus, die eigentlich für die Kälberhaltung gedacht sind. Vier solche Iglus stehen auf der Wiese vor dem Wohnhaus. Sie sind von der Küche aus gut zu sehen. In den Iglus sind die Truten nachts gut geschützt vor der Witterung, aber auch vor dem Fuchs. Früher, als die Truten noch in einem anderen Stall untergebracht waren, mussten Muheims mehrmals Verluste durch den Fuchs hinnehmen.

Bis zu 16 Kilogramm schwer

Geschlachtet und zu Braten, Plätzli, Voressen oder Geschnetzeltem verarbeitet werden die Tiere direkt auf dem Hof. Muheims haben beim Umbau ihres Wohnhauses einen Schlacht- und Kühlraum realisiert. Sie vermarkten das Trutenfleisch direkt, vor allem an Privatkunden und an einige Gastrobetriebe. «Ein wichtiger Abnehmer ist die Firma Tavolago, welche auf regionale Produkte setzt und gleich die ganzen Tiere nimmt», so Muheim. Häufig sei nur das weisse Brustfleisch gefragt. «Dabei ist das restliche dunklere Fleisch noch aromatischer.» Bei den Kunden seien aber mittlerweile immer mehr ganze Vögel gefragt, die als gefüllte Truthähne auf den Tisch kommen. Das Schlachtgewicht beträgt bei Hennen bis zu zirka 8 Kilogramm, bei Hähnen das Doppelte. Dies erreichen die Tiere nach viereinhalb bis fünfeinhalb Monaten. «In Schweizer Backöfen passen sie nur mit einem Gewicht von zirka 8 Kilogramm», sagt Christian Muheim. Die weiblichen Tiere werden meist geschlachtet, bevor sie Eier legen.

«Gwundrig» und mitteilsam

Die weissen Truten mit ihren hellblau-roten Köpfen wirken ganz eigen und sind im Gegensatz zu Hühnern gar nicht scheu. «Sie sind sehr ‹gwundrig› und im Sommer auch sehr mitteilsam», schmunzelt Luzia Muheim. «Dann beobachten die Vögel genau, was vor sich geht, und kommentieren alles.»

Susanne Balli