GROSSALARM: Feuer hinterlässt grosses Loch

Die Mitarbeiter des Vereins Jobdach stehen unter Schock. Ihre «Wärchstatt» im Bruchquartier wäre um ein Haar abgebrannt.

Lena Berger
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Jobdach-Präsidentin Annemarie Käch in der «Wärchstatt», wo es in der Nacht auf Freitag gebrannt hat. (Bild Pius Amrein)

Jobdach-Präsidentin Annemarie Käch in der «Wärchstatt», wo es in der Nacht auf Freitag gebrannt hat. (Bild Pius Amrein)

«Als ich um die Ecke in die Bruchstrasse eingebogen bin, habe ich den Rauch bereits gerochen.» Annemarie Käch, Präsidentin des Vereins Jobdach, eilte noch in der Nacht auf gestern zur «Wärchstatt», wo gegen 22 Uhr Feuer ausgebrochen war. «Auf der Fahrt dorthin habe ich einfach nur inständig gehofft, dass niemandem etwas passiert ist», erzählt sie. Die Feuerwehr war mit einem Grossaufgebot von 80 Leuten im Einsatz. Ein Anwohner hatte sie alarmiert. «Das war unser Glück. Für diese rasche Reaktion bin ich unglaublich dankbar», so Käch.

Der Brand drohte sich grossflächig im Gebäude auszuweiten und auch auf das Nachbargebäude überzugreifen. Zumindest das konnte verhindert werden. Die Feuerwehr habe sehr schnell und professionell gehandelt und die Betroffenen intensiv betreut. «Die Einsatzkräfte haben uns in dieser Notlage Sicherheit gegeben. Das machen sonst wir – jetzt haben wir selber erlebt, wie wichtig das sein kann», sagt Käch, deren Verein in der «Wärchstatt» Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, Arbeit und eine Alltagsstruktur bietet.

Brandursache noch unbekannt

Noch ist unklar, wie gross der Schaden ist und wie viel die Reparatur kosten wird. Weil das Feuer auf die Decke übergegangen ist, musste diese auf einer Länge von etwa fünf Metern aufgebrochen werden. Ein möglicherweise stützender Balken wurde beschädigt. «Es tut weh, den Raum so zu sehen – kein Licht, kein Strom und keine Heizung. Das hat mir bewusst gemacht, wie schnell sich im Leben alles ändern kann», erzählt Käch. Sie wurde für ihr Engagement letztes Jahr mit der Ehrennadel der Stadt Luzern ausgezeichnet.

Was den Brand ausgelöst hat, wird derzeit noch untersucht. Offenbar wurden am Vortag keine aussergewöhnlichen Arbeiten ausgeführt. Die Werkstatt wurde primär für Malerarbeiten genutzt.

Wie geht es jetzt weiter für die Mitarbeiter der Jobdach-Werkstatt? Gestern Mittag wurden sie erst mal nach Hause geschickt. «Ich habe erst erfahren, was passiert ist, als ich zur Arbeit gekommen bin», erzählt eine Betroffene. Es sei ein ziemlicher Schock gewesen. Sie brauche diese Arbeit, sie müsse einfach arbeiten. Jeder hier bringe sein Talent in die Arbeit mit ein. «Wir würden die Werkstatt eigenhändig auch wieder aufbauen.»

Blick nach vorne

Bereits am Montag soll – soweit möglich – wieder der Alltag einkehren. «Wir werden auf die zweite Werkstatt ausweichen, wo kleinere Arbeiten wie Holzspielsachen und Dekorationsbilder gemacht werden», erklärt Annemarie Käch. Zudem würde in nächster Zeit vermehrt auf externe Aufträge wie Umzüge oder Schneeräumungen gesetzt. Allenfalls müsse man auch einen Raum anmieten. «Natürlich hoffe ich von ganzem Herzen, dass die Werkstatt bald wieder genutzt werden kann. Aber wir sollten uns nichts vormachen – in den nächsten Wochen werden wir kaum zurückkönnen.»

Für die Menschen, die in der «Wärchstatt» arbeiten, sei es aber wichtig, den Betrieb aufrechtzuerhalten. «Leute, die zum Beispiel Suchtprobleme haben, brauchen Kontinuität», erklärt Käch. Deshalb bittet sie auch die Luzerner Bevölkerung, weiter Aufträge an die «Wärchstatt» zu geben. Da die Telefonleitung derzeit nicht funktioniert, könne man notfalls auf die Telefonnummer vom «Wohnhuus» ausweichen, das ebenfalls von Jobdach betrieben wird.