GROSSAUFTRAG: «Knutwiler» verliert einen Grosskunden

Das Luzerner Kantonsspital setzt bei 1-Liter-Wasserflaschen künftig auf Henniez statt Knutwiler. Der regionale Mineralwasser­produzent reagiert verärgert.

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Abfüllanlage bei der Mineralquelle Bad Knuwiler AG. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Abfüllanlage bei der Mineralquelle Bad Knuwiler AG. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Roseline Troxler

700 000 1-Liter-­Mineralwasserflaschen – so viel bezieht das Luzerner Kantonsspital an den verschiedenen Standorten pro Jahr. Für den Mineralwasserproduzenten, der das Kantonsspital als Kunden hat, ist das ein lukrativer Auftrag.

Künftig Wasser aus Kanton Waadt

Bislang lieferte die Mineralquelle Bad Knutwil AG das Wasser. Doch nun setzt das Luzerner Kantonsspital (Luks) künftig nicht mehr auf das Knutwiler, sondern auf das Wasser der waadtländischen Henniez-Quelle, wie das Spital auf Anfrage bestätigt. Henniez gehört seit 2007 dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Stefan Suter, Geschäftsleiter der Mineralquelle Bad Knutwil AG, sagt zum Entscheid des Luks: «Es ärgert uns schon sehr, dass wir das Luzerner Kantonsspital im Patientenbereich nicht mehr beliefern können.» Suter führt aus: «Als regionales KMU haben wir einen unserer grössten Mineralwasser-Kunden verloren.» Der Entscheid des Luks gegenüber einer im Kanton Luzern ansässigen Unternehmung, welche hier Mitarbeiter beschäftigt, steuerpflichtig ist und regionale Wertschöpfung generiert, sei nicht nachvollziehbar, so Suter. Er betont: «Getroffen hat uns vor allem, dass wir trotz kürzester Transportwege, hoher Qualität und gutem Kundenservice nicht mehr berücksichtigt wurden.» In den Anforderungen sei die Nachhaltigkeit neben dem Preis ein gleichwertiges Kriterium gewesen. «Umso erstaunlicher ist es für uns, dass wir den Zuschlag trotzdem nicht erhalten haben.»

Absatzmenge: 11 Millionen Liter

Seit genau 70 Jahren wird bei der Mineralquelle in Bad Knutwil Mineralwasser abgefüllt. Im letzten Jahr hat Knutwiler Mineralwasser rund 11 Millionen Liter Mineralwasser abgesetzt. Der Auftrag vom Kantonsspital machte also rund 6,4 Prozent der Absatzmenge aus.

«Wirtschaftlichstes Angebot»

Angela Lötscher, Mediensprecherin beim Luzerner Kantonsspital, begründet den Entscheid auf Anfrage: «Das Luzerner Kantonsspital unterliegt dem öffentlichen Beschaffungsrecht und schreibt gemäss gesetzlichen Vorgaben regelmässig aus. Es gilt bei sämtlichen Ausschreibungen, jeweils das wirtschaftlichste Angebot auszuwählen.» Andere Kriterien wie etwa Nachhaltigkeit, Qualität oder Regionalität würden ebenfalls in die Beurteilung mit einfliessen. Zu den Einsparungen macht Angela Lötscher keine Angaben: «Generell nennt das Luks zu einzelnen Geschäften keine Kosten.» Dies sei im Interesse der Mitbewerber im Beschaffungsverfahren.

0,5-Liter-Flaschen weiter geliefert

Laut Angela Lötscher werden in den Restaurants des Luks weiterhin die 0,5-Liter-Flaschen Knutwiler verkauft. Dies bestätigt Stefan Suter. Für das aktuelle Jahr rechnet er, dass Knutwiler knapp 50 000 Halbliter-Flaschen ans Luks liefern kann. Und er ergänzt: «Wir stehen mit dem Luzerner Kantonsspital weiterhin in Kontakt. Unser Ziel ist es, als einziges Mineralwasser der Zentralschweiz das Kantonsspital bei der nächsten Möglichkeit wieder zurückzugewinnen und als Grosskunden zu bedienen.»