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Luzerner Grossbauer droht die Teilenteignung

Ein Hinterländer Grossbauer, der früher als Kieshändler aktiv war, muss wohl einen Teil des Familiensilbers abgeben. So will es das Kriminalgericht. Zudem droht ihm eine weitere unbedingte Freiheitsstrafe.
Thomas Heer
Eingangsbereich beim Kriminalgericht Luzern am Alpenquai.

Eingangsbereich beim Kriminalgericht Luzern am Alpenquai.

Für das Kriminalgericht ist der Fall klar: Gemäss einem kürzlich veröffentlichten begründeten Urteil hat sich der Hinterländer Grossbauer im Vorfeld eines sich abzeichnenden Konkurses der mehrfachen Gläubigerschädigung schuldig gemacht. Neben einer Freiheitsstrafe von drei Monaten sieht das Gericht auch vor, dass Teile der Liegenschaften aus dem Familienbesitz des Landwirtes eingezogen werden und der Erlös dem Staat zu überweisen ist.

Über den Mann, den dieses Urteil betrifft, berichtete die «Zentralschweiz am Sonntag» schon etliche Male. Sein Anwalt bestätigt schriftlich, dass der Grossbauer das Urteil ans Kantonsgericht weitergezogen hat. Die Kommunikation läuft via Rechtsvertreter, weil der Ex-Kieshändler schon lange nicht mehr mit unserer Zeitung spricht. Das letzte persönliche Treffen fand zu Beginn der 2010er-Jahre in einem Restaurant bei Neuenkirch statt. Dass der erstinstanzlich Verurteilte das Verdikt des Kriminalgerichtes nicht akzeptiert, überrascht vor diesem Hintergrund nicht: Der bereits mehrfach rechtskräftig Verurteilte steigerte sich schon damals in einen eigentlichen Redeschwall und stellte sich als Opfer dar, ganz nach dem Motto: «Schuld sind immer die anderen.»

Doch zum aktuellen Fall: Beim Grossbauern handelt es sich nicht nur um eine Person, welche die Justiz seit Jahren in hohem Mass strapaziert, sondern auch um ein immer wieder gegen Schulden kämpfendes Individuum.

Die Taten beging er «zur Absicherung der Familie»

Über Verschuldeten schwebt oft das Damoklesschwert des Konkurses. Und was tun da vermeintlich schlaue Pleitiers? Sie verschieben kurz vor dem drohenden «Chlapf» die verbliebenen Vermögenswerte an eine Drittperson. Beliebt dabei: Ehefrauen.

Genau so ging auch der Grossbauer vor, als er bereits schon bis zur Nase im Schuldensumpf steckte. In dieser Zeit verhökerte er mit sogenannten gemischten Schenkungen Liegenschaftsteile an seine Gattin. Bei der behördlichen Einvernahme versuchte der Hinterländer diese Deals und die damit verbundene Gläubigerschädigung folgendermassen schönzureden: Die Übertragung der Grundstücke sei nicht im Hinblick auf ein Zwangsvollstreckungsverfahren und zum Schaden seiner Gläubiger, sondern zur Absicherung der Familie erfolgt.

Seine Frau hätte dann das Eigentum gehabt, erklärte der fürsorgliche Grossbauer weiter: Keine Vormundschaftsbehörde von «dort hinten» und kein mafiöser Beistand hätte sich wegen der unmündigen Kinder in die erbrechtlichen Auseinandersetzung einmischen müssen. Mit von «dort hinten» meint er seine Hinterländer Heimat, wo er fast sein ganzes Leben zubrachte.

Das vorliegende Urteil des Kriminalgerichtes vermittelt nicht nur Einblicke in die Gedankenwelt dieses Mannes, sondern skizziert auch sein Leben. Aufgewachsen in einer Bauernfamilie in einem kleinen Hinterländer Dorf, absolvierte er nach der Sekundarschule die Verwaltungslehre auf einer Gemeindekanzlei. Auch innerfamiliäre Zwiste werden thematisiert. Sowohl von seinem Vater als auch von dem Bruder wurde der Mann bereits betrieben. Von Letzterem fühlte er sich sogar seines Lebens bedroht. Der Bruder, so behauptet der Grossbauer, habe einst versucht, ihn mit dem Auto zu überfahren.

Auf den Mann kommen noch mehrere Verfahren zu

Auch künftig wird der Grossbauer die Justiz beschäftigen. Nicht nur wird er sich Ende Monat wegen mehrfacher Veruntreuung vor dem Bezirksgericht verantworten müssen. Wie die Luzerner Staatsanwaltschaft bestätigt, laufen gegen den Grossbauern derzeit Ermittlungen wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Zudem sind Verfahren wegen Trinkwasserverunreinigung sowie Verstössen gegen das Umweltgesetz hängig.

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