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GROSSDIETWIL: Grosse Geduldsprobe bis zur neuen Kirche

1880 wurde die heutige Pfarrkirche St. Johann von Grossdietwil eingeweiht. Bis es jedoch so weit war, musste sich die Pfarrei rund 80 Jahre gedulden. Grund war ein Streit um die Baukosten.
Susanne Balli
Die Pfarrkirche St. Johann in Grossdietwil mit ihren Turm, dessen unterer Teil wohl kurz vor 1315 gebaut wurde. (Bild: Pius Amrein (13. Dezember 2017))

Die Pfarrkirche St. Johann in Grossdietwil mit ihren Turm, dessen unterer Teil wohl kurz vor 1315 gebaut wurde. (Bild: Pius Amrein (13. Dezember 2017))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Die Pfarrei Grossdietwil ist eine sogenannte Urpfarrei. «Sie war flächenmässig sehr gross und gehört zu den ältesten Pfarreien des Kantons Luzern», sagt Josef Bucher. Der 92-jährige Lokalhistoriker und ehemalige Sekundarlehrer hat sich viele Jahre mit der Geschichte von Grossdietwil befasst und weiss Spannendes über die Pfarrei und die Entstehung der heutigen Kirche St. Johann zu berichten. Das Einzugsgebiet des Pfarreisprengels umfasste Grossdietwil, Altbüron, Fischbach, Teile von Ebersecken, Melchnau, Gondiswil, Reisiswil und wahrscheinlich auch Busswil. Es gab denn wohl auch schon sehr früh eine Kirche in Grossdietwil. Daraufhin weist unter anderem eine Grabplatte eines Patronatsherren, die ins 10./11. Jahrhundert zurückgeht. Sie wurde beim Abbruch der Vorgängerkirche um 1880 gefunden. «Diese Grabplatte wird heute im Historischen Museum Luzern aufbewahrt und gilt als die älteste beschriftete Grabplatte im Kanton Luzern», sagt Bucher.

Kirche und benachbarte Häuser brannten nieder

Der heutigen Kirche in neuromanischem Stil gingen mehrere Vorgängerkirchen voraus. Der Turm der Pfarrkirche St. Johann wurde wohl kurz vor 1315 erstellt, die genaue Jahreszahl ist aber nicht bekannt. Ursprünglich war der Turm kleiner, die Glockenstube und der Spitzhelm wurden um 1650 aufgesetzt.

Zwischen den Anfängen der Pfarrei und dem Bau der heutigen Kirche liegt eine turbulente Geschichte. Ein schlimmes Ereignis trug sich am Neujahrstag 1334 zu, als in Grossdietwil ein Dorfbrand wütete. Die Kirche mit den Glocken und elf benachbarte Häuser brannten nieder. Einzig der Kirchturm blieb bestehen. Eine Frau und ihr kleines Kind kamen beim Unglück ums Leben. Die Kirche wurde wieder aufgebaut, und es folgten über die Jahrhunderte weg mehrere Kirchenum- und -neubauten.

Ein erwähnenswertes Ereignis aus der Pfarreigeschichte ist auch der Glockenraub von 1712. Beim Villmergerkrieg von 1712, den die Katholiken verloren, kam es durch bernische Truppen auf dem Rückweg zu Plünderungen im Dorf. «Am 28. Juli 1712 stiegen die Truppen in den Kirchturm von Grossdietwil, um die Glocken abzusägen und mitzunehmen», erzählt Bucher. Aufgrund eines Falschalarms ergriffen die Berner die Flucht. Sie konnten lediglich die kleinste Glocke mitnehmen und ins bernische Melch­nau bringen, wo sie die Glocke nach Madiswil versteigerten. «Madiswil hat sie in den Kirchturm gehängt, wo sie bis zur Erneuerung der Glocken auch blieb», sagt Bucher.

Der Bau der heutigen Kirche wurde in Grossdietwil nötig, weil die Platzverhältnisse in der Vorgängerkirche im 19. Jahrhundert zu eng wurden. Bereits kurz nach 1800 war daher die Rede von einer neuen Kirche. «In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fehlte aber schlicht das Geld dafür», sagt Bucher. Trotz akutem Platzmangel mussten sich die Gläubigen noch rund 80 Jahre lang gedulden, bis eine neue, grössere Kirche gebaut werden konnte. Grund war ein Streit um die Zuständigkeit der Bauherrschaft. Das Stift Münster (heute Beromünster) hatte seit 1478 das Einsetzungsrecht des Pfarrers inne, darum ging die Kirchgemeinde davon aus, dass Münster bauen soll. Weil langwierige Verhandlungen zu keiner Einigkeit führten, musste schliesslich das Obergericht Luzern darüber befinden. Es verfügte 1877, dass das Stift Münster den Chor zu erstellen habe und die Kirchgemeinde für den Bau des Längsschiffes zuständig sei.

Leute blieben dem Gottesdienst fern

Kurz vor dem Neubau befand der damalige Pfarrer Johann Rüttimann, es sei ein Leidwesen mit dem Platz, und er beschwerte sich, dass die Leute im Winter gar zu Hause bleiben, anstatt den Gottesdienst zu besuchen. Dieser Zustand hatte dann doch ein Ende. Nach vielen Jahrzehnten Wartezeit ging es mit dem Neubau 1879 los. Beim Bau der Kirche mussten die Grossdietwiler strenge Fronarbeit leisten. «Es gab Tage, da waren gegen 100 Arbeiter am Kirchenbau beteiligt», sagt Bucher.

Im Dezember 1879 sollte es dann endlich so weit sein. Die neue Kirche sollte eingeweiht werden. Bucher: «Der harte, kalte Winter machte diesen Plänen aber einen Strich durch die Rechnung. Die Einweihung wurde auf den 1. Mai 1880 verschoben.»

Ebenfalls erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Grossdietwiler ihr altes Kirchenschiff erst abtrugen, als die neue Kirche bereits stand. Möglich war dies, weil die heutige Kirche nicht an derselben Stelle an den Turm gebaut wurde wie die Vorgängerkirche. Somit war es möglich, dass der Gottesdienst trotz Bauarbeiten stattfinden konnte.

Im Kircheninnern hat sich bei der letzten Renovation von 1981/82 einiges verändert. Aus der umgebauten Pfarrkirche Weggis wurden die beiden Seitenaltäre erworben, von Langnau bei Reiden wurde der Hochaltar übernommen. Das Altarbild stammt aus der ehemaligen Kirche Grossdietwil aus dem 17. Jahrhundert und stellt Johannes den Täufer und den heiligen Dionysos dar.

Hinweis

Quellen: Josef Bucher-Häfliger: Pfarrkirche St. Johann Grossdietwil. Geschichtliches zur Kirche und Pfarrei. 2005; Josef Bucher-Häfliger: Grossdietwil. Vom Gestern zum Heute. Einwohnergemeinde Grossdietwil, 1999.

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