GROSSDIETWIL: Sie vertritt neu die Landfrauen

Yvonne Koller Renggli ist neue Geschäftsführerin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands. Zur Landwirtschaft kam sie auf Umwegen.

Mirjam Weiss
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Yvonne Koller Renggli entfernt in ihrem Garten in Grossdietwil verwelkte Blütenblätter. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Yvonne Koller Renggli entfernt in ihrem Garten in Grossdietwil verwelkte Blütenblätter. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Einen Verband mit 28 Kantonalverbänden und knapp 65 000 Mitgliedern wird sie bald vertreten: Yvonne Koller Renggli (39) aus Grossdietwil ist von der Präsidentinnenkonferenz des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) zur neuen Geschäftsführerin gewählt worden, wie die «Bauernzeitung» berichtete. Am 1. November wird sie ihre neue Stelle im aargauischen Brugg in einem 60-Prozent-Pensum antreten. Sie übernimmt die Geschäftsführung von Regula Siegrist, die Anfang Jahr unerwartet verstarb.

Französisch ist ihr Handicap

«Ich erfülle viele der Anforderungen an die Stelle als Geschäftsführerin», stellt Yvonne Koller selbstbewusst fest und fügt schmunzelnd hinzu: «Mein grosses Handicap bis jetzt ist das Französisch.» Seit sieben Jahren ist sie im SBLV bereits als Prüfungsleiterin in der Bäuerinnenbildung aktiv. Ausserdem verfügt sie über eine kaufmännische Ausbildung und Erfahrungen in der Landwirtschaft. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Renggli und einem Lehrling bewirtschaftet die 39-Jährige den elterlichen Betrieb in Grossdietwil, zu dem 25 Hektare Land und eine Hektare Wald gehören. Vor einem Jahr haben Yvonne Koller und ihr Mann von Milchproduktion auf Mutterkuhhaltung mit aktuell 40 Tieren umgestellt. Daneben werden auf dem Hof 8000 bis 12 000 Poulets gemästet.

«Es wird eine Gratwanderung, an drei Tagen pro Woche auswärts zu arbeiten und mich nebenbei um den Haushalt und den Garten zu kümmern und auf dem Hof mitzuhelfen», ist sie sich bewusst. «Aber mein Mann hat mich ermutigt, mich für die Stelle zu bewerben.» Ausserdem werden sie ihre Eltern, die ebenfalls im Dorf wohnen, verstärkt unterstützen. Als Geschäftsführerin des SBLV werde ihr voraussichtlich eine Assistentin zur Seite gestellt.

Bäuerinnenbildung ein Anliegen

«Die Herausforderung, allen Schweizer Bäuerinnen und Landfrauen mit ihren ganz eigenen Kulturen gerecht zu werden, reizt mich», sagt Yvonne Koller. «Nicht nur die Bäuerinnen, sondern die Frauen vom Land ganz generell sollen sich wahrgenommen fühlen.» Ein besonderes Anliegen ist der ehemaligen Leiterin der Bäuerinnenschule Kanton Luzern die Bäuerinnenbildung. «Diese könnte noch besser verkauft werden», ist sie überzeugt. Die breit gefächerte Ausbildung, die in einzelne Module wie Hauswirtschaft, Ernährung oder Gartenbau gegliedert ist, spreche nicht nur angehende Bäuerinnen an. Sie könnte sich vorstellen, die Module der Bäuerinnenbildung künftig verstärkt für alle Interessierten zu öffnen, «ähnlich wie eine Migros-Clubschule». Das Selbstverständnis der Bäuerinnen habe sich stark gewandelt, weiss Yvonne Koller. «Die heutigen Bäuerinnen sind sehr gut ausgebildet, kommen häufig aus einem anderen Beruf und wollen diesen oft nebenbei noch weiter ausüben.»

Lehrerseminar in Baldegg absolviert

Sie selber hätte als Teenager gern die landwirtschaftliche Ausbildung machen und den elterlichen Hof übernehmen wollen. «Meine Eltern meinten damals aber, das sei nichts für eine Frau.» Deshalb habe sie stattdessen das Lehrerseminar in Baldegg besucht. «Für meine persönliche Entwicklung war es das Beste, was mir passieren konnte», sagt sie rückblickend. Obwohl sie mit den Klosterfrauen nicht immer einer Meinung gewesen sei und sich gegen deren religiöse Ansichten aufgelehnt habe. Nach einigen Unterrichtsjahren als Hauswirtschafts- und Turnlehrerin und einem Zwischenjahr in Australien musste Yvonne Koller jedoch feststellen, dass die Lehrtätigkeit an der Volksschule nichts für sie war. So machte sie stattdessen eine zweijährige kaufmännische Ausbildung auf dem Sekretariat der Bäuerinnenschule Sursee.

Vor zehn Jahren habe sie ihren Mann Peter kennen gelernt, der als Landwirt den elterlichen Betrieb in Finsterwald bewirtschaftete. Sie hätten gern Kinder gehabt, aber dieser Wunsch habe sich nicht erfüllt, sagt Yvonne Koller. Weil ihre beiden Brüder einen anderen beruflichen Weg einschlugen, übernahmen sie und ihr Mann schliesslich doch noch den Hof in Grossdietwil, der Bruder ihres Mannes jenen in Finsterwald. «Obwohl ich mir das zu dem Zeitpunkt wegen schwerer Bandscheibenprobleme nicht vorstellen konnte», erinnert sie sich. Aber sie habe sich gesundheitlich sehr gut erholt. In ihrer Freizeit macht Yvonne Koller heute gern lange Spaziergänge gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Berner Sennenhund, liest oder kocht – möglichst nur mit einheimischen Produkten. «Da bin ich traditionell.»