Grosse Auktion in Sursee: 27 Fohlen lassen die Fanfaren klingen

Bereits zum 28. Mal hat in Sursee die Sportfohlenauktion stattgefunden. 27 Fohlen sind
am Samstag unter den Hammer gekommen – und haben für bis zu 16'000 Franken neue Besitzer gefunden.

Natalie Ehrenzweig
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Sienna von Feldmatt, das Fohlen von den Züchterinnen Käthi und Claudia Bucher aus Malters, wird bei der Sportfohlenauktion in der Stadthalle Sursee präsentiert. (Bild: Boris Bürgisser, 22. September 2018)

Sienna von Feldmatt, das Fohlen von den Züchterinnen Käthi und Claudia Bucher aus Malters, wird bei der Sportfohlenauktion in der Stadthalle Sursee präsentiert. (Bild: Boris Bürgisser, 22. September 2018)

In der Stadthalle Sursee, wo sonst Turnerabende stattfinden oder Beatrice Egli singt, ist am Samstag Pferdegewieher zu hören. Schon am Nachmittag können potenzielle Käufer die Sportfohlen, die abends versteigert werden, besichtigen. 32 Fohlen, diesen Frühling geboren, suchen einen neuen Besitzer. «Die einen wollen in den Pferdesport investieren, andere in die Zucht. Es gibt aber auch Käufer, die zum Beispiel ein Familienpferd erwerben möchten, das Sportpotenzial hat und mit der Tochter vielleicht auch mal ein Turnier bestreiten wird», sagt die Presseverantwortliche Pia Riedweg. Rund 1100 Interessierte zieht der Anlass an.

Nach dem Dinner beginnt die Präsentation von Pferden, die in letzten Jahren an der Auktion versteigert wurden und inzwischen erfolgreich waren. Dann geht es los. Auktionator Volker Raulf nimmt den Hammer in die Hand und präsentiert bereits das erste Fohlen: Naketano, ein Hengst von Züchter Werner Lüthi aus Lützelflüh. Die Auktion beginnt jeweils bei 3000 Franken. «Vor der Auktion gibt der Züchter eine Schatzung ab. Wenn diese bei der Versteigerung nicht erreicht wird, bleibt das Pferd im Besitz des Züchters», sagt Pia Riedweg. Das blüht Naketano nicht. Nachdem abwechslungsweise mehrere Helfer mit der Mutter im Viereck rumrennen, jeweils dicht gefolgt vom Fohlen, wird er speditiv für 6500 Franken verkauft – an die Hellbühler SVP-Kantonsrätin Barbara Lang.

Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter

Die Sportfohlenauktion in der Stadthalle Sursee lockte viel Volk an. (Bild: Boris Bürgisser, 22. September 2018)

Die Sportfohlenauktion in der Stadthalle Sursee lockte viel Volk an. (Bild: Boris Bürgisser, 22. September 2018)

Wer denkt, so eine Pferdeauktion sei nur etwas für Experten, wird schnell eines Besseren belehrt. Auch der Laie entdeckt rasch die unterschiedlichen Charaktere der Tiere – vorwitzig, selbstbewusst, scheu, ängstlich. Im Begleitheft werden auch die Vorfahren drei Generationen zurück beschrieben. Und der Auktionator Volker Raulf trägt mit seiner humorvollen, manchmal etwas sarkastischen, aber auch flirtenden Art viel dazu bei, dass bei der Pferdeauktion zuweilen herzlich gelacht wird. Und wenn er im letzten Moment den Hammer noch nicht auf den Tisch sausen lässt, sondern erneut in die Runde schaut, wird es richtig spannend: Wer schnappt sich das Tier?

«Ich habe das Fohlen in Vertretung für eine Käufergemeinschaft gekauft, die genau dieses Fohlen wollten.»

Marjaana Heinonen, Gestüt Hasenacher in Herrliberg

So ging es auch Marjaana Heinonen. Sie hat Celeste ersteigert, das erste Fohlen, das die Fanfaren erklingen liess, also die 10'000-Franken-Marke überschritt und schliesslich für 12'000 Franken verkauft wurde. Nach dem Ausfüllen des Kaufvertrags bekommt sie ein Cüpli. Doch so richtig feiern kann sie nicht: «Ich habe das Fohlen in Vertretung für eine Käufergemeinschaft gekauft, die genau dieses Fohlen wollten. Ich bin nicht einmal sicher, wohin das Fohlen kommen wird.» Die Käufer haben nicht irgendwen geschickt: Marjaana Heinonen arbeitet für das Gestüt Hasenacher in Herrliberg. Die Käufer haben ihr ein Limit gegeben. Weshalb sie dessen Höhe für sich behält, wird später klar: Heinonen ersteigert mit Aarhofs Cazano nochmals ein Fohlen für 11'000 Franken. Nur noch zwei weitere Pferde erzielen mehr als 10'000 Franken: Drake of de Niro schafft 12'000 Franken, So What sogar 16'000 Franken.

«Züchten macht sehr viel Spass»

Wer ein Fohlen ersteigert, kann das Tier nicht gleich nach Hause nehmen. «Das Fohlen bleibt noch bis Ende Oktober bei uns, dann darf es zum neuen Besitzer», sagt Esther Haas aus Kriens. Sie verkauft erst das zweite Fohlen als Züchterin, darf aber mit dem Preis von 8000 Franken sehr zufrieden sein. «Die neuen Besitzer sind sehr nett», freut sie sich. Denn das ist ein Risiko, das die Züchter bei einer Auktion eingehen: Auf den Käufer haben sie praktisch keinen Einfluss.

«Züchten macht sehr viel Spass.»

Esther Haas, Züchterin aus Kriens

Die Krienserin Esther Haas ist in die Pferdezucht hineingerutscht, weil sie damit ihrer Stute helfen wollte. «Aber züchten macht sehr viel Spass. Als Kleinzüchterin rentiert das nicht wirklich, das muss man aus Freude machen», betont sie strahlend.

Freude hat auch die neue Besitzerin von Finnja Flores: «Ich möchte mit dem Pferd Dressurreiten, das ist mein Hobby. Wir haben schon zwei Pferde, da investiere ich vier Stunden täglich und 1500 Franken im Monat», sagt Andrea Elmiger aus Winterthur.

Züchterin Esther Haas aus Kriens mit ihrem Fohlen Finnja Flores. (Bild: Boris Bürgisser, 22. September 2018)

Züchterin Esther Haas aus Kriens mit ihrem Fohlen Finnja Flores. (Bild: Boris Bürgisser, 22. September 2018)

Käthi Bucher aus Malters wiederum plante, Sienna von Feldmatt zu verkaufen, doch das Fohlen wollte das Viereck zu früh verlassen, was zu einem Missverständnis beim Auktionator führte. «Wir hätten das Fohlen später nochmals schicken können, haben uns aber dagegen entschieden. Doch wir haben einige Interessenten, wir werden einen guten Platz für unsere Stute finden», ist Bucher überzeugt.