Grosse Luzerner Agglo-Gemeinden kämpfen mit hoher Personal-Fluktuation

Besonders in den Verwaltungen von Emmen und Kriens kommt es häufig zu Abgängen. Beide Kommunen ergreifen nun Massnahmen – wenn auch teils nicht so umfangreich, wie erhofft.

Stefan Dähler
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Wenn qualifiziertes Personal abwandert, geht Wissen verloren und es steigt der Aufwand für die Verbliebenen. Darum versuchen Gemeindeverwaltungen, die Fluktuation tief zu halten. Das gelingt jedoch nicht allen.

In Emmen betrug die Fluktuation im 2018 7,6 Prozent, der Zielwert liegt bei 6 Prozent. Im vergangenen Jahr war sie noch etwas höher, und zwar 8,4 Prozent, wie Finanzdirektor Patrick Schnellmann (CVP) sagt. Der Gemeinderat beantragte als Massnahme daher eine Lohnerhöhung um 2 Prozent, der Einwohnerrat kürzte diese jedoch auf 1 Prozent (wir berichteten). Das macht es für die Gemeinde nicht einfacher, die hohe Fluktuation zu bekämpfen.

Das Verwaltungsgebäude der Gemeinde Emmen.

Das Verwaltungsgebäude der Gemeinde Emmen. 

Bild: Boris Bürgisser (27. Februar 2019)

«Die vergangenen Jahre haben klar aufgezeigt, dass es für die öffentliche Verwaltung schwieriger wird, gut qualifiziertes Personal finden und halten zu können, wenn ihre Anstellungsbedingungen jenen der Privatwirtschaft hinterherhinken», sagt Schnellmann. Aufgrund der eher tiefen Lohnmassnahmen in den letzten Jahren bestehe besonders bei jungen Mitarbeitern die Gefahr, dass diese die Stelle wechseln, um eine «adäquate Lohnentwicklung zu erreichen». Hinzu komme, dass die Gemeinde Emmen über keinerlei Lohnnebenleistungen in Form von unentgeltlichen oder verbilligten Produkten und Dienstleistungen verfüge. Solche seien in vielen Betrieben üblich.

Kosten für Neubesetzung seien höher als Lohnerhöhung

Der Lohn sei «selbstverständlich nicht die einzige Komponente, ob Mitarbeitende der Gemeinde Emmen die Treue halten», so Schnellmann. Aber er sei ein wichtiger Faktor. Eine nachhaltige Lohnerhöhung wäre daher «eine wichtige und dringende Massnahme gewesen» für die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Schnellmann weist darauf hin, dass die Kosten für die Wiederbesetzung einer Stelle oftmals höher seien als eine allfällige Lohnerhöhung für eine bewährte Arbeitskraft.

Die oft gehörte Aussage «Mitarbeitende sind das wichtigste Kapital einer Unternehmung» soll aber dennoch kein blosses Lippenbekenntnis sein, so Schnellmann. «Deshalb haben wir uns entschlossen, mit einer Mitarbeiterbefragung weitere Massnahmen gezielt anzugehen, um die vielfältigen Herausforderungen meistern zu können.» Eine erste Standortbestimmung sei bereits durchgeführt worden. Der Gemeinderat werte diese derzeit aus, um in der Folge Massnahmen zu definieren.

Wie Emmen lohnmässig im Vergleich mit anderen Gemeinden dasteht, sei schwer zu sagen. «Es ist nicht immer ganz einfach, die Funktionen beziehungsweise die Stellenbeschriebe und somit die Stellenbewertung miteinander zu vergleichen, da Aufgaben und Verantwortungen oftmals sehr unterschiedlich sind», so Schnellmann. «Die Konkurrenz mit anderen Gemeinden dürfte bei der Fluktuation aber weniger eine Rolle spielen, wir bewegen uns hier etwa im Mittelfeld», sagt Schnellmann.

Kriens weist noch höhere Fluktuation aus

In Kriens betrug die Fluktuation im 2018 gar 9,1 Prozent, der Zielwert liegt bei 5 Prozent. Wie hoch sie im vergangenen Jahr war, ist noch nicht bekannt, sagt Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne), der Wert dürfte aber nach wie vor in diesem Bereich liegen.

Das Krienser Stadthaus.

Das Krienser Stadthaus.

Bild: Manuela Jans-Koch (3. Oktober 2019)

Daher ist Wiget froh, dass der Krienser Einwohnerrat trotz angespannter Finanzlage für 2020 eine Erhöhung der Lohnsumme um 1,5 Prozent bewilligt hat. «Dadurch, dass sich andere Gemeinden beim Lohn ähnlich oder sogar weniger bewegen, können wir wieder besser mithalten Es habe zudem Nachholbedarf für Kriens bestanden. «Wir haben nun die fünfte Ferienwoche eingeführt, die andere Gemeinden, die Stadt und der Kanton Luzern schon lange kennen.» 

Die hohe Fluktuation bewertet Wiget indes nicht nur negativ. «Klar gab es Abgänge, die schmerzten. Doch Wechsel sind nicht immer schlecht. Durch sie haben wir auch mehrere neue motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten.» Wenn jemand nicht mehr zufrieden ist oder sich persönlich weiterentwickeln will, sei dies in Ordnung. Wiget:

«Es ist heute nun mal so, dass die
Leute nicht mehr bis zur Pension
die Stelle behalten.»

Probleme, Stellen neu zu besetzen, kenne auch die Stadt Kriens. Der Fachkräftemangel beschränke sich aber nicht nur auf die öffentliche Hand, er sei auch in der Privatwirtschaft spürbar.

Tiefe Fluktuation in Horw und Luzern

Zu reden gegeben haben die Löhne der Verwaltung auch in Horw und Luzern. Der Horwer Einwohnerrat bewilligte knapp eine Erhöhung von 1,5 Prozent, der Grosse Stadtrat Luzern dagegen kürzte diese von 1,5 auf 1 Prozent. In diesen beiden Kommunen ist das Problem grundsätzlich weniger dringend; die Fluktuationsrate betrug 2018 in Horw 4,7, in der Stadt Luzern 5,3 Prozent. 

Das Luzerner Stadthaus.

Das Luzerner Stadthaus.

Bild: Boris Bürgisser (14. Oktober 2014)

Dass die Stadt Luzern nun die Löhne weniger stark erhöht als Horw, Kriens oder auch der Kanton Luzern, will der städtische Personalchef Christian Bünter nicht überbewerten. Viel wichtiger sei es, auch in Zukunft eine stabile und marktgerechte Lohnentwicklung anzubieten. Bedeutend für eine tiefe Fluktuation seien zudem auch familienfreundliche Arbeitsbedingungen wie Teilzeit, Jobsharing, mobiles Arbeiten und so weiter. Zwar spüre auch die Stadt in gewissen Fachbereichen wie Informatik, Soziales und Ingenieurwesen den Fachkräftemangel, so Bünter. Für frei werdende Stellen gingen in der Regel aber genügend qualifizierte Bewerbungen ein. 

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