Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

«Mein Bild»: Grosse Werke und der zeitige Abgang

Was auf den ersten Blick wie eine Kreidezeichnung auf einer Wandtafel aussieht, ist in Wirklichkeit ein halb versunkenes Wrack in Griechenland. Den Schriftzug «1UP» hat eine Gruppe aus Berlin auf mehr oder weniger legale Weise angebracht.
Roger Rüegger
Eine Berliner Sprayergruppe hat ein Schiffswrack im Golf von Elefsina bearbeitet. (Bild: Thanassis Stavrakis/Keystone (4. Dezember 2018))

Eine Berliner Sprayergruppe hat ein Schiffswrack im Golf von Elefsina bearbeitet. (Bild: Thanassis Stavrakis/Keystone (4. Dezember 2018))

Das Bild sieht aus wie ein Bild. Es könnte fast eines meines Primarlehrers sein, aber nur fast. Er zeichnete mit farbigen Kreiden über Jahre hinweg alle paar Wochen grosse Werke an die Wandtafel. Wobei sich «gross» nur auf die Dimension bezieht. Als Künstler war er talentfrei. Die Themen waren dafür vielfältig.

Mit einer Ritterburg stieg er ein. Es folgten Hermelin, Schleiereule, Maikäfer – alle riesig. Die Schmierereien richteten sich immer nach den Themen, die wir im Unterricht behandelten. Das Schiff hier ist jedoch nicht gemalt. Fotograf Thanassis Stavrakis hat es im Golf von Elefsina, westlich von Athen, aufgenommen. Dort liegen Dutzende Wracks, viele auf dem Grund, einige aber ragen aus dem Wasser.

52 Kähne verrotten in dieser Region. Sie sind eine Gefahr für Umwelt und Schifffahrt. Ungeklärte Besitzverhältnisse verhinderten lange Zeit eine Bergung. Das ist tragisch.

Die Sprayer aus Berlin sind bekannt und berüchtigt

Man kann der Situation aber auch eine positive Seite abgewinnen. Dies taten einige Sprayer aus Berlin, die als «1UP» bekannt und berüchtigt sind, indem sie eines der Wracks verschönerten. Die Gruppe ist seit 2003 aktiv und sorgt vielerorts für Ärger, weil sie blitzschnell Hauswände, Sportplätze oder Züge besprayen oder verschmieren, je nach Ansicht.

Meistens tauchen sie maskiert und gut organisiert auf. Fakt ist, dass die meisten Arbeiten illegal sind, da sie von den Eigentümern der Flächen nicht genehmigt wurden. In dieser Hinsicht mussten sie sich hier keine Sorgen machen, da das mit den Besitzverhältnissen der Wracks ja so eine Sache ist.

Zuletzt haben «1UP» Athen überfallen. Dabei ist zu sagen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Ihre Taten halten sie auf Video fest. Auf einem ist zu sehen, dass sie in der griechischen Hauptstadt an acht Schauplätzen gleichzeitig aktiv waren. Da sie illegal agieren, wird versucht, gegen sie zu ermitteln. Über 300 Strafanzeigen sind eingegangen, gefasst wurde niemand, da sie kaum Spuren hinterlassen, die zu ihrer Ergreifung führen könnten.

Man weiss nur wenig über ihre Mitglieder. Etwa dass sie es verstehen, grosse Werke in Szene zu setzen und - fast noch wichtiger - wann es Zeit ist, einen Abgang zu machen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.