Grosser Fachkräftemangel in der Logopädie: Berufsverband fordert bessere Arbeitsbedingungen

Im Kanton Luzern sind mindestens 950 Logopädie-Stellenprozente vakant. Zum Europäischen Tag der Logopädie fordert der Berufsverband bessere Arbeitsbedingungen im Kanton.

Pascal Linder
Drucken
Teilen
Logopädinnen unterstützen Kinder beim Reden und therapieren Sprachstörungen.

Logopädinnen unterstützen Kinder beim Reden und therapieren Sprachstörungen.

Bild: Getty

Logopädinnen haben einen vielseitigen Beruf. Sie unterstützen Menschen mit Problemen beim Sprechen, Schreiben, Lesen, Schlucken und der Stimme. Kinder, die Hilfe benötigen, werden in den Schulen von Fachkräften therapiert. Im Kanton Luzern gibt es allerdings zu wenige Logopäden. Die Folge: Bedürftige Kinder werden auf lange Wartelisten gesetzt – oder gar nicht erst zur Therapie angemeldet. Heidi Zutter, Vorsteherin des Berufsverbandes Logopädie Luzern, sagt:

«Im Kanton Luzern müssen auf den Sommer noch mindestens 950 Stellenprozente besetzt werden.»

Im Vergleich zu den Vorjahren sei dies ein extrem hoher Wert. «Die momentane Situation im Kanton zeichnet sich aber nicht nur durch akuten Logopädinnen-Mangel aus, sondern auch dadurch, dass Stellen eine Zeit lang nicht besetzt waren. Dies hat in manchen Diensten zu langen Wartelisten geführt, die nur noch schwer aufgearbeitet werden können», ergänzt Zutter. Kinder, die nur leicht oder mittelschwer betroffen sind, hätten oftmals lange auf Therapieplätze warten müssen oder erhielten nur eine Beratung.

Mehr Ausbildungsplätze sind nötig

Die Anzahl neu ausgebildeter Logopädinnen ist in den letzten Jahren stagniert, während die Bevölkerung stetig wächst. Zudem werden vermehrt Kinder mit starken Entwicklungsstörungen in Regelklassen betreut, was wiederum die Anforderungen an Logopädinnen steigert. Früher wurden diese Kinder in Sonderschulen von spezialisierten Logopädinnen betreut. Im Kanton Luzern wird die Therapie von Kindern bis zum Eintritt in den Kindergarten seit einigen Jahren auch durch den Schuldienst abgedeckt.

In der Deutschschweiz kann die Ausbildung zur Logopädin in Basel, Zürich, Rorschach und Freiburg absolviert werden. Eine Ausbildungsmöglichkeit in der Zentralschweiz fehlt zurzeit gänzlich. Es stellt sich die Frage, ob man mit Ausbildungsplätzen in Luzern dem hiesigen Fachkräftemangel entgegenwirken könnte: «Ich bin nicht der Meinung, dass es unbedingt eine Ausbildungsstätte in der Zentralschweiz braucht, vielmehr müssten die bewährten Ausbildungsstätten mehr Studienplätze anbieten», meint Zutter. Der Deutschschweizer Logopädenverband fordert, dass in Basel die Ausbildung zur Logopädin alljährlich startet, statt wie bislang nur alle zwei Jahre.

Schlechtere Löhne als in anderen Kantonen

Lohntechnisch stehen Logopäden in Luzern schlechter da als ihre Berufskollegen in anderen Kantonen. Jene in Zug beispielsweise verdienen mehr. Zutter sagt:

«Vom Verband Logopädie Luzern setzen wir uns dafür ein, dass es im Bereich der Entlöhnung Verbesserungen gibt, um die Arbeit im Kanton Luzern attraktiver zu machen.»

Für die grosse Spannbreite der logopädischen Arbeit vom Kleinkind bis zum Erwachsenen braucht es nach dem Studium Weiterbildungen und Spezialisierungen. Diese hätten aber bis heute keinen Einfluss auf den Lohn. «Im Vergleich zu angrenzenden Kantonen haben Logopädinnen in Luzern schlechtere Arbeitsbedingungen. Einerseits sind die Löhne allgemein tiefer, andererseits sind Logopäden in den Kantonen Schwyz, Zug und Nidwalden gleich eingereiht wie IF-Lehrpersonen und Heilpädagoginnen, in Luzern jedoch eine Lohnklasse tiefer», ergänzt Heidi Zutter.

Am Freitag führt die Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern mit Vertretern von Logopädie Luzern eine Sitzung durch, in der unter anderem über Löhne diskutiert wird. Mit einer Anpassung in der Lohnklasse könnte der hiesige Arbeitsmarkt für Logopäden wieder interessanter werden.