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GROSSER STADTRAT: Scheitert das neue Theater jetzt schon im Parlament?

Ein Vorstoss gefährdet die 80 Engelhorn-Millionen. Eine brisante Debatte steht bevor.
Hugo Bischof
Skizze der geplanten räumlichen Dimension der Salle Modulable auf dem Inseli. Rechts das KKL. (Bild: Visualisierung Arup)

Skizze der geplanten räumlichen Dimension der Salle Modulable auf dem Inseli. Rechts das KKL. (Bild: Visualisierung Arup)

Ein als dringlich eingereichtes Postulat der Grünen, das die SP/Juso mit unterschrieben hat, dürfte morgen im Luzerner Stadtparlament für hitzige Diskussionen sorgen. Es geht um die Salle Modulable, das geplante flexible Theatergebäude. Als deren Standort solle der Stadtrat der Bevölkerung bei der Abstimmung am 27. November neben dem Inseli als Standortvariante auch den Schotterplatz Alpenquai vorlegen – so lautet die Hauptforderung der Grünen und der SP/Juso.

Stiftung: Kein anderer Standort

Dieses Vorgehen birgt Risiken. Darauf weist die Stiftung Salle Modulable mit einem Brief an alle im Grossen Stadtrat vertretenen politischen Parteien nun mit aller Deutlichkeit hin. Die Schenkung des Butterfield Trust – konkret die von der Donation Engelhorn verbliebenen 80 Millionen Franken – sei an die Voraussetzung geknüpft, dass das neue Theater auf dem empfohlenen Standort Inseli realisiert werde, heisst es in dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben: «Eine Unterstützung des Projekts an einem anderen Standort ist ausgeschlossen.»

Mit der im Postulat geforderten Evaluation eines zweiten Standorts könnten auch die zwischen Stiftung und Trust vereinbarten Termine nicht mehr eingehalten werden, heisst es im Brief weiter: «Damit würde die Schenkung – unabhängig vom Standort – hinfällig. Wir würden das zutiefst bedauern.» Unterschrieben haben Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable, und Ernst F. Schmid, Stiftungsrat und Vertreter des Trusts.

Grüne: Rückzug kein Thema

Würde eine Überweisung des Vorstosses den «Todesstoss» für das Projekt Salle Modulable bedeuten, wie die Online-Zeitung «Zentralplus» spekuliert? Werden Grüne und SP/Juso ihren Vorstoss aufgrund der jetzt vorliegenden Warnung von Stiftung und Trust gar zurückziehen? Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der Grünen, signalisiert «grundsätzlich Unterstützung für das Projekt Salle Modulable und Neue Theaterinfrastruktur». Ein Rückzug des Postulats sei aber kein Thema. «Wenn der Trust mit dem Kopf durch die Wand gehen will, um die Salle Modulable beim Inseli zu realisieren, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das Projekt scheitert», so Bärtsch. Der Trust müsse die politischen Realitäten anerkennen: «Auf dem Inseli hat das neue Theatergebäude, wie es jetzt aufgegleist ist, kaum eine Chance.»

Deshalb brauche es einen Alternativstandort: «Die Bevölkerung soll letztlich darüber entscheiden können.» Den Grünen in diesem Zusammenhang eine «Totengräber-Mentalität» zu unterstellen, sei absurd. Bärtsch: «Wir haben mehrfach bewiesen, dass wir in der Kulturdiskussion ein verlässlicher Partner sind. Uns liegt die Zukunft des Luzerner Theaters am Herzen – ob das nun mit einer Sanierung oder einem Neubau sein wird.»

Was aber, wenn der Trust darauf beharrt, dass ein anderer Standort als das Inseli-Süd nicht in Frage kommt? «Ich hoffe sehr, dass der Trust ein Einsehen haben wird und hier einlenken wird», sagt Bärtsch. «Schade wäre, wenn man jetzt einseitig auf ein Projekt setzt und am Schluss dann gar nichts herausschaut.»

SP: Kritik am Trust

Ähnlich argumentiert die SP/Juso-Fraktion. «Wir werden das Postulat nicht zurückziehen, und eine Überweisung ist nicht gleichbedeutend mit dem Todesstoss für das Projekt», erklärt SP-Grossstadtrat Simon Roth. «Wenn der Trust – auf Grund einer ziemlich fragwürdigen Argumentation – das Geld zurückzieht, so hat dieser und nicht wir dem Projekt den Todesstoss versetzt.» Simon Roth betont zudem: «Mit der jetzt erfolgten Drohung seitens der Stiftung wird die Umsetzung sicher nicht realistischer und stellt den bevorstehenden, demokratisch legitimierten Prozess grundsätzlich in Frage.» Es sei für die SP/Juso zudem nicht zwingend, «dass für den Schotterplatz Alpenquai im Herbst bereits ein fertiger Baurechtsvertrag vorliegt».

FDP: Standort Inseli problematisch

Noch offen ist die Ausgangslage bei der FDP. Deren Fraktionschefin Sonja Döbeli Stirnemann sagt: «Auch wir erachten den Standort Inseli als problematisch; die jetzige Grünzone ist bei der Bevölkerung äusserst beliebt.» Die FDP-Fraktion werde sich am Donnerstagvormittag vor der Debatte im Stadtparlament nochmals intern absprechen. Klar ist für Sonja Döbeli aber: «Es wäre schade, das Projekt Salle Modulable schon in der politischen Diskussion zu beerdigen. Die Bevölkerung soll auf jeden Fall an einer Abstimmung dazu Stellung nehmen können.»

CVP: «Nicht vorwegnehmen»

«Wir wollen die Ratsdebatte nicht vorwegnehmen», sagt CVP-Fraktionschefin Franziska Bitzi-Staub. Die CVP-Fraktion führte gestern Abend eine vertiefte Diskussion zum Thema Salle Modulable durch. Deren Ergebnis ist noch nicht bekannt. Tendenziell dürfte die Mitte-Partei morgen Donnerstag aber eher gegen den Grüne/SP-Vorstoss stimmen. In diese Richtung deuten frühere Aussagen von CVP-Grossstadträten.

SVP: Strategie überdenken

Dass das Projekt Salle Modulable an den Standort Inseli gebunden sei und ein Alternativstandort den Rückzug der Engelhorn-Schenkung bedeuten würde, habe man «so deutlich noch nie gehört», sagt SVP-Fraktionschef Marcel Lingg. Seine Partei sei bisher einem Alternativstandort gegenüber offen gewesen, werde ihre Strategie jetzt aber nochmals überdenken. Lingg geht davon aus, dass die SVP mehrheitlich gegen den Vorstoss von Grünen und SP stimmen werde – «es ist aber nicht ausgeschlossen, dass einzelne SVPler dafür sein werden».

Lingg gibt noch eine rechtliche Komponente zu bedenken: «Es ist keine Motion, sondern ein Postulat. Eine Motion hätte viel weitreichendere, verpflichtendere Folgen.»

GLP: «Offen für Gespräche»

Keine Unterstützung findet der Vorschlag der Grünen und SP/Juso bei der GLP. Deren Fraktionschef András Özvegyi betont: «Wir haben noch zu wenig Informationen. Nun geht es darum, Meinungen zu bilden.» Die Grünliberalen sind laut Özvegyi «weiterhin offen für Gespräche – wir wollen nicht schon jetzt einen Grundsatzentscheid fällen für oder gegen das Projekt Salle Modulable, wie es derzeit aufgegleist ist».

Hugo Bischof

Hinweis

Die Sitzung des Grossen Stadtrats findet am Donnerstag, 19. Mai, von 13 bis 17 Uhr im Rathaus am Kornmarkt statt. Das Dringliche Postulat zur Salle Modulable wird voraussichtlich nach der Pause um 15.45 Uhr behandelt. Die Sitzung ist öffentlich.

Bonus: Der Brief der Stiftung Salle Modulable an die Politiker auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

Mögliche Innenansicht der grossen Bühne im neuen Theater Luzern: Klassische Opernanordnung mit Orchestergraben. (Bild: Visualisierung PD)
Mögliche Innenansicht der grossen Bühne im neuen Theater Luzern: Alternative Inszenierung mit Akteuren in Fensteröffnungen in der Wand.
Mögliche Innenansicht der grossen Bühne im neuen Theater Luzern: Klassische Theateranordnung. (Bild: Visualisierung PD)
Mögliche Innenansicht der grossen Bühne im neuen Theater Luzern: Offene Flachbodenanordnung mit mehreren Bühnen. (Bild: Visualisierung PD)
Mögliche Innenansicht der kleinen Bühne im neuen Theater Luzern. (Bild: Visualisierung PD)
Mögliche Innenansicht Studio im neuen Theater Luzern (Bild: Visualisierung PD)
Volumenstudie am Standort Inseli (Bild: Visualisierung PD)
Salle Modulable am Standort Inseli (Bild: Fotomontage PD)
Die Salle Modulable soll aufs Inseli kommen. (Bild: Visualisierung PD)
Salle Modulable am Standort Inseli bei Nacht mit Aussenprojektion (Bild: Visualisierung PD)
Modell grosse Bühne: offene Flachbodenanordnung. (Bild: Visualisierung PD)
Modell grosse Bühne: Flachbodenanordnung mit kreativer Nutzung von Balkonen und Wandfenstern. (Bild: Visualisierung PD)
Modell grosse Bühne: Bühnenperspektive. (Bild: Visualisierung PD)
Modell grosse Bühne: Publikumsperspektive. (Bild: Visualisierung PD)
Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable, Reto Wyss, Regierungspräsident und Kulturdirektor des Kantons Luzern, Ursula Stämmer-Horst, Kulturdirektorin der Stadt Luzern und Regula Huber, Kommunikationsbeauftragte Kulturdepartement des Kanton Luzern (von links) informierten am 5. April über das Projekt Salle Modulable. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
15 Bilder

Visualisierungen der Salle Modulable

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