GROSSEVENT: Biel stiehlt Luzern die grosse Show

Auf der Luzerner Allmend hätte nächsten Juni die britische Rockband Muse spielen sollen. Jetzt wird in Biel gerockt – auch weil es dort keine Billettsteuer gibt.

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"Muse" wird nicht in Luzern auftreten - sondern in Biel. (Bild: Keystone/EPA)

"Muse" wird nicht in Luzern auftreten - sondern in Biel. (Bild: Keystone/EPA)

60 000 Zuschauer, eine britische Rockband, eine eigens eingerichtete Freiluftbühne auf dem Kiesplatz der Allmend in Luzern – das grösste Konzert der Zentralschweiz findet – nicht statt. Stattdessen hat Biel den Vorzug erhalten. In einer Medienmitteilung haben gestern Biel und die Nachbarstadt Nidau gejubelt: «Die Städte Nidau und Biel sind hocherfreut und stolz, dass die international erfolgreiche Rockband Muse ihr einziges Konzert in der Schweiz am Samstag, 6. Juni 2015, im Expo-Park in Nidau-Biel geben wird.» Muse füllt weltweit ganze Stadien, hat 2011 den Grammy für das beste Rock-Album gewonnen.

In Luzern herrscht derweil getrübte Stimmung. «Wir hätten den Anlass sehr gerne bei uns gehabt», sagt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern. Seit Anfang Jahr sind mit der «Verordnung über die Nutzung der Allmend» und dem Nutzungskonzept Allmend Regelungen in Kraft, wonach pro Jahr ein ausserordentlicher Anlass mit nationaler oder gar internationaler Ausstrahlung möglich ist. «Das Muse-Konzert wäre die Feuerprobe für das Konzept gewesen», sagt Lütolf. Sogar von einem «Leuchtturm-Projekt» für den Veranstaltungsort Luzern war die Rede.

Billettsteuer «ein Mitgrund»

Warum Biel? Die Fäden gezogen hat der Schweizer Konzertveranstalter Good News. Mediensprecherin Annina Tzaud erklärt schriftlich, dass mehrere Optionen geprüft worden seien. «Schlussendlich hat Nidau-Biel das Rennen gemacht.» Allerdings ist es kein Geheimnis, dass die Stadt Luzern – im Gegensatz zu Biel und Nidau – eine Billettsteuer erhebt. Die Billettsteuer ist eine zweckgebundene Abgabe, die 10 Prozent des Eintrittsgeldes beträgt und vollumfänglich der Kultur- und Sportförderung zugute kommt. Bei einem angenommenen Durchschnitts-Preis von 120 Franken pro Billett und 60 000 Zuschauern hätte die Stadt Luzern allein 720 000 Franken an Billettsteuern eingenommen. Viel Geld für eine Stadt mit knapper Kasse. Noch viel mehr aber für einen Veranstalter, der den Betrag abliefern, oder aber die Tickets entsprechend verteuern muss. Good-News-Sprecherin Tzaud bestätigt denn auch: «Ja das ist ein Mitgrund für den Entscheid. Luzern ist uns grosszügig entgegengekommen, dies kompensiert jedoch die Billettsteuer nicht.»

Trotz schon lange währender Kritik der Veranstalter will die Stadt aber an der Billettsteuer festhalten. Das letzte Wort lag sowieso beim Management der Rockband, sagt Tzaud. Da Muse vor allem in der Westschweiz eine grosse Fan-Gemeinde hat, lag Biel offensichtlich näher.

Neuer Anlauf nicht ausgeschlossen

Die Stadt will nun nach vorne schauen. «Wichtig ist, dass sich Luzern einen Namen als Veranstaltungsort macht. Wertvolle Kontakte sind geknüpft», sagt Lütolf. Das Ziel sei auch nicht, dauernd grosse Veranstaltungen anzuziehen. Auch bei Good News ist man für weitere Gespräche offen. «Wir hatten eine sehr grosse Unterstützung von der Dienststelle Stadtraum und Veranstaltungen und eine hervorragende Zusammenarbeit in der Vorbereitung», so Annina Tzaud. Tatsächlich war die Planung schon weit fortgeschritten, wie Lütolf erklärt. Das Konzertgelände hätte rund 350 auf 150 Meter umfasst, neben der Bühne hätte es auch Platz für einen VIP-Bereich gegeben. Auch das Verkehrskonzept bestand. Diese Pläne landen nun in der Schublade, aber nicht im Abfallkübel, versichert Lütolf.

Alexander von Däniken