Kolumne

Grossmütige Nachbarn sind unbezahlbar – vor allem, wenn sie unfreiwillig mithören

Während der Kurzarbeitszeit wird die Toleranz unter Nachbarn auf die Probe gestellt. Und es zeigt sich, was man in einem hellhörigen Haus unwillkürlich übereinander weiss.

Sandra Peter
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Sandra Peter

Sandra Peter

Bild: Dominik Wunderli

Prustendes Lachen, besorgniserregendes Husten, verschiedene Stimmen und quietschendes Möbelrücken – die Geräusche in einem hellhörigen Haus sind vielfältig. Was ich offenbar im normalen Alltag und im Homeoffice-Modus bisher weitgehend ausgeblendet habe, wurde mir während der Kurzarbeitszeit letzte Woche so richtig klar. Ich kriege von meinen Nachbarn Einiges mit.

Ich kann durchaus mit den rhythmischen Stampfgeräuschen, wohl verursacht durch das Springen zu Fitnesszwecken in der Wohnung über uns, leben. Und auch laut spielende oder die Grenzen ihrer Eltern austestende Kinder stören mich nicht. Im Umkehrschluss frage ich mich jedoch, was meine Nachbarn alles mithören. Nicht nur bei geöffneten Fenstern.

Können die anderen Bewohner des Hauses meine Telefongespräche mitverfolgen, die privaten, die beruflichen? Und was genau haben mein Freund und ich besprochen in letzter Zeit? Lauschen die Nachbarn gezwungenermassen unseren Hörbüchern, den Radio-Sendungen und Netflix-Serien?

Hinzu kommt das Ohrenbetäubende. Die Jukebox und der Plattenspieler kommen zwar nicht oft, aber schallend zum Einsatz. Der eine Lautsprecher der Musikbox ist kaputt, der andere scherbelt. Die Qualität des Musikgenusses lässt also zu wünschen übrig – ganz abgesehen davon, dass Geschmäcker verschieden sind.

Gut, dass untereinander eine tolerante und verständnisvolle Atmosphäre herrscht. Dennoch werde ich in Zukunft noch häufiger Kopfhörer aufsetzen. Und ich nehme mir vor, endlich die Lautsprecher der Jukebox auszutauschen. 

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