Grossprojekt neben der «Mall»: FDP Dierikon attackiert Rontalzentrum

Lukas Waldispühl, Präsident der FDP Dierikon, hinterfragt das geplante Rontalzentrum neben der Mall of Switzerland. Das Projekt sei zu gross für Dierikon. Gemeindepräsident Max Hess (CVP) kontert.

Simon Mathis
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Das Rontalzentrum direkt neben der Mall of Switzerland soll mit rund 350 Wohnungen gut 600 Bewohner anziehen. Die Entscheidung über das Projekt ist bis auf weiteres vertagt: Der Dieriker Gemeinderat will die vier Einsprachen von Privatpersonen zuerst abhandeln, bevor er mit der nötigen Anpassung des Bau- und Zonenreglements vor die Stimmbürger tritt (wir berichteten). Mit offiziellen Meinungen hielten sich die Ortsparteien bislang zurück. Nun aber äussert sich der Präsident der FDP Dierikon: Lukas Waldispühl steht dem Rontalzentrum ablehnend gegenüber – gerade, weil es sich um ein Grossprojekt handelt. «Es ist nicht einzusehen, weshalb eine so kleine Gemeinde wie Dierikon meint, solche Megaprojekte ganz alleine durchziehen zu müssen», sagt Lukas Waldispühl. Er würde sich wünschen, dass Dierikon mit den anderen Rontalgemeinden «raumplanerisch zusammenspannt und gemeinsam nachhaltige Projekte plant».

«Kleinliches Konkurrenzdenken»

«Das Konkurrenzdenken gegen Root und Ebikon erscheint mir kleinlich», sagt Waldispühl. Nach dem Nein zum MParc-Projekt betonte der Dieriker Gemeindepräsident Max Hess (CVP) gegenüber unserer Zeitung, dass das Rontalzentrum nicht vergleichbar sei. «Weshalb nicht?», fragt Waldispühl. «Nur weil es auf Dieriker Boden liegt?», so Waldispühl, der sich seit längerem gegen Alleingänge stellt. Vor drei Jahren weibelte er für Fusionsvorabklärungen mit Root und Ebikon, die bei den Stimmbürgern chancenlos blieben. Waldispühl weiss, weshalb der Gemeinderat das Rontalzentrum seit zwei Jahren propagiert: «Dieser will das strukturelle Kostenproblem in Dierikon in den Griff bekommen, erhofft sich mehr Steuerzahler.» Waidispühl zweifelt aber daran, dass das funktioniert:

«Das Rontalzentrum wird als Befreiungsschlag präsentiert, aber eine Kleinstgemeinde wie Dierikon kann das Problem mit solchen überzogenen Mitteln sicher nicht lösen.»

Namentlich hinterfragt Waldispühl, ob das Rontalzentrum genügend gute Steuerzahler anzuziehen vermag. Max Hess kann die Kritik Waldispühls nicht nachvollziehen. Dass das Rontalzentrum ein Alleingang sei, bestreitet Hess. Koordination und Absprachen hätten im Rahmen des Raumentwicklungskonzepts von LuzernPlus sehr wohl stattgefunden. «Nicht zuletzt die Ebiker, Buerer und Rooter kennen unser Projekt sehr gut», betont Hess. «Ausserdem haben wir – anders als beim MParc – unsere Bevölkerung von Anfang an umfassend informiert.» Auch habe der Gemeinderat bereits jetzt Lösungen zur Erschliessung des Gebietes auf Kosten der Entwickler geplant und gesichert. Mit dem Projekt verfolge der Gemeinderat nicht zuletzt das Begehren der FDP von 2017, die Pro-Kopf-Kosten der Gemeinde zu reduzieren, ergänzt Hess. Er ist guter Dinge, dass das Rontalzentrum die «richtigen» Mieter anziehen wird:

«Die Gebäudestruktur richtet sich primär an alleinstehende Paare, Jung und Alt – und eher weniger an Familien.»

Nachfrage nach Wohnungen soll steigen

Die Bevölkerung wachse in allen Gemeinden des Rontals. Deshalb kann Hess die Skepsis Waldispühls nicht teilen. Die Nachfrage nach Wohnungen werde klar steigen, ist Hess überzeugt. Zahlen von Lustat Statistik zeigen, dass die ständige Wohnbevölkerung Dierikons in den letzten Jahren zugenommen hat: 2007 waren es 1268 Bewohner, 2017 dann 1503. Die vertagte Abstimmung wird voraussichtlich an der Gemeindeversammlung am 10. Dezember stattfinden.

Erster Gegenwind für die vier Wohntürme in Dierikon

Das Einspracheverfahren zum Dierikoner Rontalzentrum ist eröffnet. Ein Info-Abend am Mittwoch zeigte: Die Bevölkerung hegt gewisse Bedenken, vor allem was den Verkehr und die Mehrkosten betrifft. Die Abstimmung über das Projekt verspricht spannend zu werden.
Simon Mathis