Grossüberbauung: Volk entscheidet im September

Die Stadt Luzern will an der Industriestrasse Land für eine Grossüberbauung verkaufen. Dagegen gibt es Widerstand. Das letzte Wort haben die Stimmbürger.

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Der Gebäudekomplex ist hofartig angelegt. (Bild: Rüssli Architekten, Luzern)

Der Gebäudekomplex ist hofartig angelegt. (Bild: Rüssli Architekten, Luzern)

Der Luzerner Stadtrat will die 8700 Quadratmeter grossen Grundstücke an der Industriestrasse für 17,2 Millionen Franken verkaufen. Damit könne eine «städtebaulich und architektonisch hochwertige Überbauung» realisiert werden. Bereits seit Herbst 2011 ist bekannt, dass die Zürcher Investorin Allreal Generalunternehmung AG, zusammen mit den Luzerner Rüssli Architekten und dem Luzerner Landschaftsarchitekten Robert Gissinger den Zuschlag erhalten haben. Geplant ist eine Überbauung mit 100 Wohnungen und Raum für Gewerbe.

Luftaufnahme des geplanten Quartiers. (Bild: Rüssli Architekten, Luzern)

Luftaufnahme des geplanten Quartiers. (Bild: Rüssli Architekten, Luzern)

Laut Mitteilung der Stadt Luzern überzeugt das Projekt mit dem Titel «Urban Industries», weil es keine kurzfristige Gewinnmaximierung vorsieht und mit dem Konzept «Steghof» übereinstimmt. Der Stadtrat sieht das Projekt als Startschuss für den Bau eines neuen Stadtteils Steghof. Es fördere mit den grösseren zusammenhängenden und kleineren Flächen die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Luzern. Die einfache, städtebauliche Grunddisposition sowie eine unkonventionelle, aber überzeugende Verteilung von Bürohaus, Kleingewerbe und Wohnungen knüpften an die heutige Stimmung im Quartier an.

Widerstand gegen Überbauung

Der Verein IG Industriestrasse will mit einer Initiative gegen die geplante Grossüberbauung an der Industriestrasse die Überbauung verhindern. Die Initianten fordern, das Areal gemeinnützigen Wohnbauträgern im Baurecht abzugeben. Dasselbe fordert die SP / Juso-Fraktion des Grossen Stadtrates in zwei Motionen.

Bereits sind über 1800 Unterschriften zusammen, nötig wären 800. Weil der Verkaufswert über 15 Millionen Franken liegt, unterliegt der Landverkauf dem obligatorischen Referendum.

Der Gebäudekomplex ist hofartig angelegt. (Bild: Rüssli Architekten, Luzern)

Der Gebäudekomplex ist hofartig angelegt. (Bild: Rüssli Architekten, Luzern)

Der Grosse Stadtrat entscheidet über den Verkauf im Juni, die Volksabstimmung findet voraussichtlich am 23. September statt.

Stadtrat will gemeinnützigen Wohnraum fördern

Der Stadtrat will laut Medienmitteilung den eingeschlagenen Weg weitergehen und will auch den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern. Er verweist auf seinen Gegenvorschlag zur Volksinitiative «für zahlbaren Wohnraum», über die am 17. Juni abgestimmt wird. Der Stadtrat will innerhalb von 15 Jahren 720 Wohnungen zusätzlich zur Verfügung stellen.

pd/rem

SP fordert gemeinsame Abstimmung

Die SP der Stadt Luzern fordert, dass über den Landverkauf und die Initiative gemeinsam abgestimmt wird. Laut Mitteilung verschweigt der Stadtrat ein demokratiepolitisches Problem bewusst, nämlich dass mit dem nun beantragten Verkauf die Initiative «für eine lebendige Industriestrasse» ungültig, da nicht mehr erfüllbar würde.

pd/rem