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Grosswangen: Auf diesem Hof erhalten besondere Menschen ein Zuhause

Sieben Bauernbetriebe öffnen am Sonntag offiziell ihre Türen und zeigen sich von ihrer innovativen Seite. Etwa Josef und Kathrin Scheuber, die auch einen ungewöhnlichen Betriebszweig bewirtschaften.
Ernesto Piazza
Mit dem Slogan «vo Buur zu Buur» werben sieben Höfe in Grosswangen am Sonntag für innovative Landwirtschaft. Mit dabei sind auch Josef und Kathrin Scheuber. Sie bieten unter anderem auch Plätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen an. Bild: Boris Bürgisser (13. September 2018)

Mit dem Slogan «vo Buur zu Buur» werben sieben Höfe in Grosswangen am Sonntag für innovative Landwirtschaft. Mit dabei sind auch Josef und Kathrin Scheuber. Sie bieten unter anderem auch Plätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen an. Bild: Boris Bürgisser (13. September 2018)

Sieben Betriebe – zehn Kilometer – eine Route: Mit dem Slogan «Vo Buur zo Buur» werben sieben Höfe in Grosswangen für innovative Landwirtschaft. Die Idee für den Event stammt aus der Ideenküche des im letzten Jahr gegründeten Bäuerinnen- und Bauernverbandes Rottal. Am Sonntag haben Interessierte die Möglichkeit, diese Betriebe zu besuchen. Sie sind mit einer Velo- und Wanderroute verbunden. Der Slogan ist also zugleich Programm.

Ebenfalls mit dabei sind Josef (55) und Kathrin Scheuber (48). Die beiden bewirtschaften seit sechs Jahren im Pachtverhältnis den etwas ausserhalb von Grosswangen gelegenen Hof Huben 4. Dazu gehören rund 30 Hektaren Land – davon entfallen zirka neun auf Ackerbau. Dazu kommen drei Hektaren Wald. Zurzeit haben Scheubers ungefähr 30 Milchkühe. Ein Teil des Jungviehs befindet sich mit Aufzuchtsvertrag im Berggebiet. Ein zusätzlicher Betriebszweig sind die 1400 Junghennenplätze. Die Küken kommen eintägig auf den Hof und werden nach rund 18 Wochen legereif verkauft. Weiter haben sie eine Pouletmast, und zwar in Form einer externen Tierhaltergemeinschaft.

Strukturen für Menschen mit Einschränkungen

Doch das ist längst nicht alles: Scheubers bieten Menschen mit Einschränkungen auch betreutes Wohnen auf dem Hof an. Seit 3½ Jahren ist Agnes Reber, eine 64-jährigen Frau mit einer psychischen Erkrankung, dort Zuhause. Sie müsse nicht arbeiten, sagt Josef Scheuber. Der Hof bietet ihr aber eine Tagesstruktur. Dazu gehören kleine «Aemtli» wie das Füttern der Katzen oder ein alltäglicher Spaziergang. Das müsse sein, erklärt Kathrin Scheuber. «Doch grundsätzlich ist sie unser Gast.» Über die Vermittlungsplattform der OGG (Ökonomische Gemeinnützige Gesellschaft Bern) kam sie zu ihnen. Dorthin haben Scheubers schon längere Zeit Kontakt. Er bestand schon, als sie noch im Oberaargau einen Pachtbetrieb führten. Die Familie – dazu gehören auch drei erwachsene Kinder im Alter von 21 bis 25 Jahren – bekommen vom Kanton Luzern drei Pflegeplätze für Beeinträchtigte bewilligt.

Die Betreuung von Menschen mit Einschränkungen ist aufwendig, raubt zuweilen viel Energie. Auch wenn es oft auf den ersten Blick nicht so scheinen mag. Man müsse immer präsent sein, sagt die gebürtige Nottwilerin. Und ihr Ehemann – ursprünglich aus dem Kanton Nidwalden stammend – fügt an: «Bei unseren täglichen Arbeiten spüren wir hier natürlich eine gewisse zusätzliche Belastung.» Doch Scheubers haben seinerzeit überzeugt Ja dazu gesagt. Und es bisher nicht bereut. Und da immer eine Schnupperwoche vereinbart wird, kann man gegenseitig spüren, ob es passen könnte. Für die Betreuung werden sie entlohnt. Reich könne man jedoch nicht werden, erklärt Josef Scheuber. «Es ist aber ein sich lohnender Betriebszweig, der rund ein Drittel unseres Einkommens ausmacht.»

Neben der 64-Jährigen betreuen Scheubers noch einen jungen Mann. Er ist über die Organisation Landwirtschaft und Behinderte (LUB) zu ihnen gestossen und macht eine Ausbildung zum Hofmitarbeiter. Zudem haben sie ab und zu Feriengäste und betreuen tageweise Kinder der Sonderschule Mariazell Sursee. Weiter wird auf dem Hof Huben 4 ein landwirtschaftlicher Lehrling mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis ausgebildet. «Generell ist die Nachfrage, bei uns einen Platz zu bekommen, gross», so Landwirt Scheuber.

Alle Arbeiten unter einem Dach verrichten

Seine Frau arbeitet seit jeher gerne mit Menschen. «Auch mit solchen, die nicht ganz der ‹Norm› entsprechen.» Deshalb hat sie die Ausbildung zur Familienhelferin gemacht und war während zehn Jahren bei der Spitex angestellt. Da kam ihr der Gedanke, diese Tätigkeit daheim auszuüben. Und so entschied sie sich für die Weiterbildung «betreutes Wohnen im ländlichen Raum». Damit kann sie alle Arbeiten unter einem Dach verrichten. Das bedeute ebenfalls eine gewisse Lebensqualität. Wobei viel von der jeweiligen Tagesform der zu Betreuenden abhänge. Geduld und eine gehörige Brise Humor sind bei der Betreuung kaum wegzudenken.

Die Familie ist für die beiden zugleich Kraftquelle. Und nebenbei dirigiert Sepp Scheuber noch den Jodlerklub Edelweiss Ettiswil. Seine Frau Kathrin geht gerne in die Natur und taucht mit Büchern in fremde Länder und Kulturen ein. Und Scheubers lieben spannende, vielseitige Tischgemeinschaften. Dazu gehören auch Besuche der Grosskinder. Beim Event «vo Buur zo Buur» öffnen sie ihre Türen offiziell für Besucher. Doch Josef Scheuber betont: «Das handhaben wir auch an andern Tagen so.»

Hinweis: Unter www.schulerhof.ch gibt es weitere Infos zum Anlass.

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