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Bruno Schwegler brennt für den raren Beruf des Schnapsbrenners

Bruno Schwegler ist einer der letzten mobilen Schnapsbrenner im Kanton Luzern. Dass das Interesse an seinem Handwerk rückläufig ist, hat einen bestimmten Grund.
Natalie Ehrenzweig
Bruno Schwegler brennt auf seinem Anhänger Birnenschnaps. (Bild: Nadia Schärli (Grosswangen, 7. August 2017))

Bruno Schwegler brennt auf seinem Anhänger Birnenschnaps. (Bild: Nadia Schärli (Grosswangen, 7. August 2017))

Wie ein alchemistischer Apparat sieht die Destillieranlage von Bruno Schwegler aus: grosse kupferfarbene Behälter, in die er die Maische – die vergärten Früchte – gibt. Ganz links der Dampfkessel, den der Schnapsbrenner mit Holz einheizt, damit die Maische mit Dampf erhitzt werden kann. Rohre verbinden die Gefässe, der Alkohol ist flüchtig und trennt sich als Gas vom Wasser, dann wird es abgekühlt und wieder verflüssigt. Mittels eines Ventils kann der Grosswanger regulieren, wie schnell der Alkohol mit welchem Volumenprozent am Ende des Prozesses aus der Maschine fliesst. Auf der einen Seite kommt der Rauch aus dem Schornstein – das Ganze steht auf Rädern.

Schwegler kam vor 14 Jahren zum Schnapsbrennen. «Ein Freund von mir wollte die Anlage verkaufen. Dann habe ich einen dreitägigen Schnapskurs gemacht. Das Schnapsbrennen hat mich aber schon vorher interessiert», erzählt Schwegler, während er immer wieder die Alkoholmenge kontrolliert, welche aus der Anlage herausfliesst. In der Luft liegt ein leichter Duft von Birnenschnaps.

Immer weniger Bauernhöfe

Bruno Schwegler brennt nur im Sommer. Jahrelang fuhr er mit seiner mobilen Anlage in der Region herum: «Ich war vor allem in Willisau, Menznau, Hofstatt, Hergiswil und Luthern Bad. Ich hatte meistens einen Stützpunkt, dann kamen die Bauern zu mir.» Doch die Nachfrage nach seiner Arbeit sinke, weil es immer weniger Bauernhöfe gibt. Denn die Bauern können etwa 20 Liter Schnaps pro Jahr – je nach Grösse des Hofs – steuerfrei für ihren Eigenbedarf brennen lassen. Verkauft werden darf dieser Schnaps aber nicht. «Wer als Privater Schnaps brennen lassen will oder verkaufen möchte, muss pro Liter reinen Alkohol 29 Franken Steuern zahlen», erklärt Schwegler.

Mindestens 30 Liter Maische – aus Kernobst, Steinobst oder Beeren – braucht Bruno Schwegler, damit er seine Anlage starten kann. «Am liebsten brenne ich Zwetschgen. Damit erziele ich die beste Ausbeute», sagt er. Denn der Schnapsbrenner wird pro Liter Schnaps bezahlt, den er am Ende abliefert. «Mehr als 60 Liter pro Tag schaffe ich nicht.» Deshalb mache es für ihn auch keinen Sinn, mit der Anlage unterwegs zu sein, wenn er nicht mehrere Tage an einem Ort brennen könne. Denn das Verschieben und Aufbauen der Anlage dauert jeweils einen halben Tag.

Alle Früchte eignen sich zum Brennen

Wenn Bruno Schwegler nicht Schnaps brennt, verkauft er Weihnachtsbäume. Früher war er Lastwagenchauffeur, aber das sei ihm mittlerweile zu stressig, so der 61-Jährige. Je nach Ernte weiss er, wie viel er im nächsten Jahr zu tun hat, denn die Früchte müssen erst rund zwölf Wochen gären. «In meinem Rekordjahr brannte ich 8000 Liter. In einem schlechten Jahr sind es nur 3000 bis 4000 Liter. Nächstes Jahr wird wohl auch ein schlechtes Jahr, nach den Ernteeinbussen», befürchtet Schwegler (siehe Kasten).

Beim Schnapsbrennen gibt’s nicht spezielle Rezepte. Auch wenn Bruno Schwegler für sich und seinen kleinen Laden «Chrüter» brennt, benützt er eine Kräutermischung mit Wacholderbeeren und Anis, die er kauft. «Wichtig beim Brennen ist vielmehr, dass die Maische gut ist, also die Früchte reif und sauber sind. Wenn die Maische von schlechter Qualität ist, dann sehe und rieche ich das sofort», sagt der Fachmann. Zu 80 Prozent brennt Bruno Schwegler Äpfel und Birnen. «Eigentlich kann man alle Früchte brennen. Das Exotischste, das ich gebrannt habe, waren Heidelbeeren», erinnert er sich. Dabei hat er ausgerechnet, dass man eigentlich «für einen Liter Heidelbeerschnaps 150 Franken verlangen müsste, da es dazu 10 Kilo Heidelbeeren bräuchte», sagt der passionierte Hobby-Rock- und Bluesgitarrist lachend. Dass sein altes Handwerk langsam verschwindet, findet er hingegen nicht zum Lachen, sondern macht ihn wehmütig. Dass es immer weniger mobile Schnapsbrenner im Kanton Luzern gibt, bestätigt auch die Eidgenössische Alkoholverwaltung. Konkrete Zahlen gibt es allerdings nicht. Bruno Schwegler: «Mein Sohn will das Schnapsbrennen nicht übernehmen. Vielleicht finde ich jemanden, der nach mir übernimmt, denn bald werde ich pensioniert.»

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