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GROSSWANGEN: «Säulitoni» spendet Bauern Kraft

Wallfahrt bei Minusgraden und Schneefall: Gestern pilgerten mehrere hundert Landwirte zu Ehren ihres Schutz­patrons nach Stettenbach.
Stephan Santschi
Messe vor der 80-jährigen Antonius-Kapelle in Stettenbach bei Grosswangen. (Bild: Pius Amrein)

Messe vor der 80-jährigen Antonius-Kapelle in Stettenbach bei Grosswangen. (Bild: Pius Amrein)

«Ihr seid Aussteiger.» Mit diesen Worten wandte sich gestern der Bischofsvikar Ruedi Heim an die Zuhörer, die sich zu mehreren hundert vor der Antoniuskapelle im Grosswangener Ortsteil Stettenbach zum Festgottesdienst versammelt hatten. Jedes Jahr am 17. Januar pilgern vorwiegend Landwirte aus dem ganzen Kanton mit ihren Freuden und Sorgen hierher, um dem heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Bauern, Schweinehirten und von deren Nutztieren sowie der Metzger und Kranken zu danken und auf seine Fürsprache zu vertrauen. Der heilige Antonius von Ägypten, im Volksmund «Säulitoni», ist dabei nicht zu verwechseln mit «Schlampertoni», dem Antonius von Padua, der unter anderem bei der Suche nach verlorenen Dingen angerufen wird.

Die Legende vom heiligen Antonius

Die währschaften Frauen und Männer in Stettenbach sahen irgendwie aber nicht wie Aussteiger aus. Zumindest nicht wie solche, die dem Klischee entsprechen. Schnell hat der Bischofsvikar daher eine Erklärung zur Hand: «Ihr seid keine Linken mit langen, verfilzten Haaren. Ihr seid Aussteiger aus einer Welt der Übersättigung und der Selbstherrlichkeit. Aus einer Welt, die vorgaukelt, dass man alles selber erreichen kann, wenn man sich nur genug anstrengt.» Schon der heilige Antonius habe zu seiner Zeit, um 250 nach Christus, erkannt, dass es mehr gebe als Reichtum, Party, Frauen, Ansehen und Erfolg. «Dass es mehr gibt, als alles zu haben. Mehr als das, was man selber zu leisten im Stande ist. Deshalb zog er sich aus der pulsierenden Stadt in die Wüste zurück.» Die Anwesenden pries Ruedi Heim deshalb als «die Aussteiger von heute. Ihr erahnt, dass es Dinge gibt, die unsere Möglichkeiten übersteigen. Es braucht Dankbarkeit und Bitten gegenüber anderen. Es gibt andere, die grösser sind als wir.» Dies sei allerdings kein Freipass, um nun für den Rest des Jahres die Hände in den Schoss zu legen.

Eine Wallfahrt mit grosser Tradition

Das dürften die Pilger nach der Rückkehr in ihre Höfe auch nicht vorhaben. Bei leichtem Schneetreiben und Minustemperaturen hofften sie auf «Kraft und Mut für den Alltag», wie Franz Bachmann, ein Landwirt aus Schachen, erklärte. Seit über 30 Jahren komme er nach Grosswangen. Ebenso lange wie ein Bauernkollege aus Ebersecken, der stellvertretend für seine Branche sagt: «Wegen der vielen Importe von landwirtschaftlichen Produkten ist es für uns schwieriger geworden.» Sogar seit über 60 Jahren geht ein mittlerweile pensionierter Bauer aus Grosswangen zur Wallfahrt. «Früher hatte es mehr Leute. 30 bis 40 Cars fuhren vor, andere kamen mit Pferden und Schlitten», erzählt er. Der 17. Januar sei damals zu einem regelrechten Familientreffen gediehen. «Wir hatten das Haus voller Verwandte.»

Viele kommen aus traditionellen Gründen zur kleinen Kapelle in Stettenbach, die vor exakt 80 Jahren mit dem ersten Antoniustag eingeweiht worden war. «Man trifft Leute, die man sonst nicht sieht», bemerkt Josef Staffelbach aus Knutwil. «Es ist eine Ablenkung vom Alltag», sagt Walter Näf aus Neuenkirch. Doch kommt vom «Säulitoni» tatsächlich Hilfe, wenn man ihn darum bittet? «Manchmal nützt es, manchmal nicht», sagt Walter Näf.

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