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GROSSWANGEN: Sturz eines Heiligen – und eine Plage

Farben- frohe Fenster und imposante Glocken: Die Kirche St. Konrad hat einiges zu bieten. Auch einen Heiligen, der ein Herz für Spinnen hat.
Susanne Balli
Die farbigen Fenster des Glasmalers August Wanner sind eine Besonderheit der Kirche St. Konrad in Grosswangen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die farbigen Fenster des Glasmalers August Wanner sind eine Besonderheit der Kirche St. Konrad in Grosswangen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Susanne Balli

Wer sich für die Pfarrkirche St. Konrad von Grosswangen interessiert, stösst bei erster Recherche nicht gerade auf üppiges Material. Selbst auf der Homepage der Pfarrei Grosswangen werden dem neugotischen Gotteshaus, das 1863 bis 1867 vom Architekten Wilhelm Keller aus Luzern gebaut wurde, gerade mal fünf Sätze gewidmet. Ins Auge sticht der Satz: «Sie gilt als eines der schönsten Gotteshäuser dieser Art im Kanton Luzern.» Immerhin widmete der «Anzeiger vom Rottal» der Kirche im September 1981 nach deren Renovation zweieinhalb Seiten. Gemäss einem Beitrag des damaligen Denkmalpflegers André Meyer gehört sie für den Kanton Luzern «zu den repräsentativsten und auch qualitätvollsten neugotischen Kirchenbauten». Höchste Zeit, sich das Gotteshaus vor Ort anzuschauen.

Schulter und Bischofsstab gebrochen

«Besonders schön ist ein Besuch der Kirche in den Morgenstunden, wenn die Sonne durch die farbigen Fenster scheint», sagt Bernhard Kaufmann. Der 63-Jährige ist hier seit 18 Jahren Sigrist und kennt viele spannende Anekdoten. So zum Beispiel über die Holzstatue des heiligen Konrad, die vor einigen Jahren noch auf einem hölzernen Fensterbrett in der Sakristei stand. «Eines Morgens machte ich die Türe auf, und der heilige Konrad lag auf dem Pult, Schulter und Bischofsstab gebrochen. Zum Glück war ich nicht hier, als das Fensterbrett nachgab und die zirka 40 Kilogramm schwere Figur runterfiel», sagt Kaufmann. Als Erinnerung an den Fenstersturz des Heiligen bleibt eine kaputte Stelle im Tisch, wo die Faust der Figur einschlug.

Der heilige Konrad ist heute sicher in einem Wandschrank untergebracht – mit einem leicht säuerlichen Gesichtsausdruck. Das aber aus einem anderen Grund. Der Legende zufolge feierte Konrad, der 934 nach Christus zum Bischof von Konstanz geweiht wurde, die Eucharistie. Nach der Wandlung von Brot und Wein fiel eine Spinne in den Weinkelch, doch der Bischof liess sich nichts anmerken und trank den Wein aus Ehrfurcht vor dem heiligen Sakrament aus, ohne sich von der Spinne stören zu lassen. Nach der Kommunionverteilung krabbelte die Spinne wieder unversehrt aus seinem Mund.

Kleiner Altar – grosser Taufstein

Zurück zur Kirche. Die farbigen Fenster des Glasmalers August Wanner im dreischiffigen Innenraum sind eine Augenweide. Die Fenster an den Seiten – hier ist der Jugendstil erkennbar – stammen aus dem Jahr 1925. Zum Spätwerk Wanners zählen die drei Fenster im Chor aus dem Jahr 1950. Das Mittelfenster zeigt die Auferstehung Christi, links ist der Weihnachtszyklus dargestellt und rechts der Leidenszyklus. Um die eindrücklichen Chorfenster nicht zu verdecken, fiel im Zuge der Innenrenovation von 1978 bis 1981 der neugotische Altar ziemlich klein aus.

Im Gegensatz zum zierlichen Altar wirkt der hohe Taufstein aus Melchtaler Marmor ziemlich wuchtig. «Der ehemalige Pfarrer, der sehr gross war, muss sich über die Ausmasse des Taufsteins gefreut haben», schmunzelt Kaufmann. Heute brauche man bei Taufen manchmal einen Schemel.

Zu erwähnen ist auch die mechanische Kirchenuhr von 1925 im Kirchturm, die der Sigrist je nach Aussentemperatur alle paar Wochen nach der Atomuhr in Braunschweig richten muss. Im Turm hängen auch fünf Glocken, die insgesamt ein Gewicht von 12,53 Tonnen auf­weisen. Die grösste Glocke wiegt rund 6 Tonnen und wurde wie auch die zweitgrösste Glocke 1929 mittels Flaschenzug in den Kirchtrum gehoben. «Die Kraft dafür brachten ein Ochsengespann und die Schulkinder von damals auf», sagt Kaufmann. Vom denkwürdigen Anlass der Glockenweihe zeugen Fotos aus dem Kirchenarchiv. Auf einem Bild posieren zahlreiche Schulmädchen – als Engel verkleidet mit langen offenen Haaren – vor einer Glocke. Die älteste Glocke im Turm ist die Bürgerglocke von 1461. «Der Name deshalb, weil sie auch für weltliche Anlässe gebraucht wurde, zum Beispiel Ende Jahr, wenn das Einzahlen der Steuern fällig war», erklärt der Sigrist.

Wie früher sind auch heute noch viele Grosswanger mit ihrer Kirche verbunden. «Wir haben eine lebendige Pfarrei und eine relativ gut besuchte Kirche», sagt Kaufmann. Mitunter ein Grund dafür sei, dass Diakon und Gemeindeleiter Benedikt Hänggi als guter Seelsorger den Menschen nahe sei und sie in freudigen und schweren Situa­tionen begleite. «An so manchen Feiertagen ist die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt.»

Fliegen fallen tot von der Decke

In der Kirche Grosswangen hat man hingegen ein ganz anderes Problem: «Mitte September kommen jeweils Tausende von Fliegen durch Ritzen, Fenster und Türen, um in der Kirche zu überwintern», erzählt Kaufmann. Die Fliegen sitzen in Gruppen an der Kirchendecke. «Nach und nach fallen sie runter und müssen vor den Gottesdiensten zusammengekehrt werden. Zurück bleiben dunkle Flecken an der Kirchendecke. Zwar versuche man, mittels elektrischer Fallen der Fliegen­plage Herr zu werden, leider mit wenig Erfolg. Kaufmann: «Es hat schon mal ein Kirchenbesucher gemeldet, dass die Kirche brenne, weil es roch. Aber es war lediglich der ‹Fliegengrill›.»

Hinweis

Quelle: «Anzeiger vom Rottal», 11. September 1981. Beitrag von André Meyer: «Die Pfarrkirche Grosswangen in neuem Glanze», 1992.

Serie: Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

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