GROSSWANGEN: Wallfahrt: Bauern trotzen der Eiseskälte

Der heilige Antonius lockt die Pilger traditionell zur Wallfahrt nach Stettenbach. Ein paar hundert Bauern ehren ihren Schutzpatron – und trotzen der Eiseskälte.

Stephan Santschi
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Die Bauern erwiesen gestern ihrem Schutzpatron in winterlicher Landschaft die Ehre. (Bild: Boris Bürgisser (Grosswangen, 17. Januar 2017))

Die Bauern erwiesen gestern ihrem Schutzpatron in winterlicher Landschaft die Ehre. (Bild: Boris Bürgisser (Grosswangen, 17. Januar 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Es ist kalt, bitterkalt, die Bise zieht, der Schnee fällt sanft in dünnen Flocken. Der eine bleibt nach der Ankunft noch etwas im Auto sitzen, dem anderen windet es, eben ausgestiegen, den Hut vom Kopf. «Kommst du also auch raus in die Kälte?», fragt einer den Kollegen, dem er gerade die Hand geschüttelt hat.

Letztlich sind es rund 300 Menschen, die sich vor der Antonius-Kapelle gut eingepackt bei Minustemperaturen einfinden. Es ist wieder der 17. Januar, Festtag des heiligen Antonius, der als Schutzpatron der Bauern und Kranken gilt. Seit 84 Jahren nutzen die Gläubigen den Tag zur traditionellen Wallfahrt und versammeln sich im Grosswanger Ortsteil Stettenbach zum Feldgottesdienst. «Eigentlich sollte ich euch nicht als liebe Mitchristen ansprechen. Passender wäre: Liebe Biswindmitleidende», sagt Bischofsvikar Ruedi Heim. Hinter ihm, im Inneren der Kapelle, sitzen mehrere Dutzend Personen, um sich die Messe vor dem Wetter geschützt anzuhören.

Was macht den typischen Christen aus?

Die humorvolle Art von Ruedi Heim sorgt für Lacher, die garstigen Bedingungen rücken in den Hintergrund. Im Zentrum seiner Predigt steht die Frage, was einen typischen Christen ausmacht. Seine Antwort: «Lebt mit Rücksicht, zeigt Solidarität, setzt euch für Gerechtigkeit ein und bewahrt den Frieden.» Dazu brauche man sich nicht wie ein Frömmler zu benehmen, vielmehr genüge es, sich «die Rüstung Gottes anzuziehen», wie es im Epheserbrief heisse.

Worte, die Wirkung zeigen: «Sehr eindrücklich», findet Pia Baumeler, «er spricht von den Helden des Alltags». Die 50-jährige Grosswangerin ist erstmals am Festtag zugegen, um Trost nach einem persönlichen Verlust zu finden, «mein zweiter Elternteil ist im letzten Sommer gestorben». Das Gros der Pilger ist zum x-ten Mal hier und hofft auf die heilige Fürsprache für Hof und Heim. So, wie Toni Müller und Bruno Krummenacher, Landwirte aus Ebersecken. «Mehr Respekt für die Arbeit der Bauern und bessere Preise», wünschen sie sich, mit dem Fokus auf die Ökologisierung gehe die Landwirtschaft in die falsche Richtung. Sie nutzen das Treffen mit Gleichgesinnten, um Kraft und Mut für den Alltag zu schöpfen.

Die Feldmusik kämpft mit der Kälte

«Gehet hin in Frieden», heisst es dann nach nur 40 Minuten über den Lautsprecher, das Schlussbouquet der Feldmusik Grosswangen entfällt, weil die Instrumente der Kälte Tribut zollen. Als ob ein Startschuss ertönt wäre, drehen sich die Ersten um und steuern zu den Tischen mit heissem Tee und Kaffee. «Zu Beginn des Jahres ist auf dem Hof nicht so viel los, die Bauern schalten ­einen Gang runter. Es ist ein wunderbarer Anlass, die Menschen sind sehr dankbar und halten Sorge zu einer Tradition», erzählt Ruedi Heim, als er sich unters Volk gemischt hat.