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GRÜNDER: «Ich setze zum Landeanflug an»

Alfred N. Becker, Luga-Gründer und Baumeister der Luzerner Messe, tritt ab. Er erzählt, wie es 1980 zur ersten Luga kam und wie er die Zukunft der Messe sieht.
Interview Olivia Steiner
Alfred N. Becker (75) im Bürogebäude der Messe Luzern AG. An der Wand hinter ihm hängen frühere Luga-Plakate. (Bild Roger Grütter)

Alfred N. Becker (75) im Bürogebäude der Messe Luzern AG. An der Wand hinter ihm hängen frühere Luga-Plakate. (Bild Roger Grütter)

Alfred N. Becker, ich gehöre zur Generation, die mit der Luga gross geworden ist. Sie ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Das war sie nicht immer. Wie hat alles angefangen?

Alfred N. Becker: Ursprünglich entstanden ist die Luga aus der Überlegung, etwas für die Wirtschaftsförderung zu tun. Ich war damals Mitglied der Kommission für Wirtschaftsförderung und habe ganz spontan vorgeschlagen, man könne doch in Luzern eine Messe durchführen, anstatt sich immer nur an das damals geltende Credo zu halten, die Wirtschaft mit Firmenansiedlungen zu fördern.

Das war 1977. Wie kam es zur ersten Luga 1980?

Becker: Ich habe ein Gutachten erstellt und dann vorgeschlagen, eine Genossenschaft zu gründen. So erhielt ich den Auftrag, deren Geschäftsführung zu übernehmen und eine Messe aufzubauen. Ich habe sehr viel Zeit investiert, um für die Messe zu missionieren. Mit kleinen Genossenschaftsbeiträgen holte ich Firmen, Verbände und Institutionen aus allen möglichen Branchen ins Boot. So konnte 1980 die erste Luga durchgeführt werden.

Sie gelten als guter Redner. Ist es Ihnen deshalb gelungen, die Leute zu überzeugen?

Becker: Das kann schon sein. Ich war schon als Bub so (lacht). Wenn der Lehrer kurz aus dem Zimmer ging, musste ich eine Geschichte erzählen, um die Klasse ruhig zu halten. Ich habe dann etwa Indianergeschichten erfunden, und alle waren still.

Obwohl Sie am ersten Luga-Tag kaum Besucher hatten, war die Luga 1980 ein Erfolg.

Becker: Am ersten Wochenende kamen die Besucher dann doch noch in Scharen. Entscheidend war damals, trotz bescheidenen Mitteln erfolgreiche Werbung zu machen. Das ist uns gelungen. Ursprünglich war vorgesehen, die Luga nur alle zwei Jahre durchzuführen, aber die Aussteller waren so begeistert, dass wir von Anfang an jedes Jahr eine Luga machen mussten.

Was waren weitere Erfolgsfaktoren?

Becker: Ein wichtiger Faktor war das grosse Netzwerk, auf das ich als ehemaliger Journalist und Grossrat zurückgreifen konnte.

Sie haben das Mandat des Verwaltungsratspräsidenten an Urs Hunkeler abgegeben und sind «nur» noch Ehrenpräsident der Messe Luzern AG. Ist es komisch, plötzlich als Gast an der Luga zu sein?

Becker: Nein, überhaupt nicht. So etwas wie die Luga und in der Folge den ganzen Messeplatz aufzuziehen, geht nur mit einem starken Team. Man braucht tüchtige Leute, die man auch machen lassen muss. Ich hatte Glück mit guten Mitarbeitern und einer grossen personellen Stabilität, sodass ich laufend Kompetenzen abgeben konnte. Die jetzige Übergabe ist nur noch eine Sache auf Papier.

Ihre Wegbegleiter bezeichnen Sie als kreativ, beharrlich, aussergewöhnlich und auch als Chrampfer. Können Sie überhaupt kürzertreten?

Becker: Ich setze jetzt quasi zum Landeanflug an. Natürlich arbeite ich noch ein wenig weiter in meinem Büro, begleite gewisse Projekte oder vermittle Kontakte. Ich bin auch noch Präsident des World Tourism Forum. Aber ich kann jetzt auch zu Hause vermehrt das pflegen, was ich vernachlässigt habe. Ich kann wieder mehr Sport machen, lesen oder meiner lieben Frau auf die Nerven gehen (lacht).

Wie sehen Sie die Zukunft der Luga?

Becker: Die Herausforderung ist, weiterhin attraktiv zu sein und die Besucherzahlen zu halten. Viele Publikumsmessen verzeichnen sinkende Besucherzahlen. Bedarfsgüter, die früher nur an Messen erhältlich waren, werden heute das ganze Jahr über in Einkaufszentren angeboten. Das ist eine grosse Konkurrenz. Deshalb muss eine Verlagerung von der kommerziellen auf die gesellschaftliche Ebene stattfinden. So sind heute auch Organisationen wie die Pro Senectute, Wohnbaugenossenschaften oder die EWL an der Luga.

Oder die Landwirtschaft?

Becker: Richtig. In der Anfangszeit sagten die Bauern, es kommt doch kein Städter, um eine Kuh zu sehen. Aber ich habe damals gesagt: Es kommt eine Zeit, in der die Kinder nicht mehr wissen, woher die Milch stammt. So ist es heute tatsächlich.

Sie haben mit einem Genossenschaftskapital von 60 000 Franken angefangen. Nun wurde die Infrastruktur für 61 Millionen Franken ausgebaut.

Becker: Und das in Rekordzeit und unter Budget. Nun kommt eine Phase der Konsolidierung, der qualitativen Verfeinerung. Das ist nun die Herausforderung meiner Nachfolger. Ich bin mir sicher, sie werden reüssieren.

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