Grüne sind verärgert über China-Granit für Krienser Stadion-Parkplätze

Bei der Sanierung der Parkplätze vor dem Krienser Kleinfeld-Stadion hat die Gemeinde neben Granit aus dem Tessin auch günstige Steine aus China verwendet – zum Ärger der Grünen. Der Gemeinderat erklärt sich und schiebt die Verantwortung ab.

Roman Hodel
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf das Kleinfeld-Stadion, rechts an der Strasse sind die Parkplätze zu sehen. (Bild: Pius Amrein (Kriens, 26. September 2018))

Blick auf das Kleinfeld-Stadion, rechts an der Strasse sind die Parkplätze zu sehen. (Bild: Pius Amrein (Kriens, 26. September 2018))

Stein des Anstosses im wahrsten Sinne des Wortes ist der Granit. Zum Einsatz kam dieser bei der kürzlich durchgeführten Sanierung der Parkplätze vor dem Kleinfeld-Stadion. Die Grünen stören sich daran, dass die Gemeinde dabei auch Granit aus China verwendet hat. Grüne-Fraktionschef Bruno Bienz reichte deshalb eine Interpellation ein. Unter anderem wollte er wissen, weshalb man China-Granit verwendet hat, ob damit Kinder- oder Zwangsarbeit gefördert wurde, und was der Einwohnerrat beim Beschaffungsreglement vergessen habe, um solches Material zu verhindern.

In seiner Antwort schreibt der Gemeinderat nun, dass es keinen «Heimatschutzartikel» zur zwingenden Verwendung einheimischer Produkte gibt – wegen rechtlicher Bedenken. Diese Haltung sei vom Einwohnerrat beim Beschluss des Reglements am 16. März 2017 bestätigt worden. Laut Beschaffungsleitbild der Gemeinde, das dem Reglement angehängt ist, verfolge Kriens aber eine «einheitliche und nachhaltige Beschaffungspolitik und beschafft ökonomisch, ethisch, fair und professionell».

Stein wäre im Tessin mehrfach teurer gewesen

Im konkreten Fall mussten gemäss Gemeinderat rund 60 Laufmeter Natursteine als Randabschlüsse versetzt werden. Bei 50 Metern handelt es sich um Rand- und Pflastersteine, die im Tessin produziert wurden. Für die restlichen 10 Meter habe man den Schalenstein Typ 12 LU Spez verwendet. Dieser werde vom Kanton Luzern für Trottoirüberfahrten speziell aus ausländischer Produktion eingekauft – auch für viel grössere Strassenprojekte. Im Tessin wäre dieser Stein laut Gemeinderat nur als «mehrfach teurere Sonderanfertigung» erhältlich. Er schreibt weiter, man habe dem beauftragten Landschaftsarchitekturbüro zwar mitgeteilt, es seien einheimische Natursteine auszuschreiben. Das zuständige Gartenbauunternehmen habe sich aber aus den «genannten Gründen» anders entschieden. Es sei letztlich eine Sache zwischen dem Gartenbauunternehmen und dem Steinlieferanten – der Gemeinderat habe keinen Einfluss darauf.

Der Steinlieferant, eine Luzerner Firma, verfügt laut Gemeinderat über die Urkunde «WiN=WiN fair stone». Damit verpflichten sich die Partner – darunter etwa die Steinbrüche in China – unter anderem für Umwelt- und Ressourcenschutz und die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Der Gemeinderat zitiert aus einer Stellungnahme der Luzerner Firma: So sei es dem Einkäufer der Firma immer ein Anliegen, «gerechte» Steine zu importieren. Er habe auch schon über 20 Mal unangemeldet Steinbrüche in China besucht – und dabei «nie Kinder arbeiten sehen».

Es ist nicht das erste Mal, dass China-Granit in Kriens zu reden gibt. Bereits im Jahr 2010 hatte die Gemeinde diesen bei der Sanierung der Friedhofstrasse eingesetzt. Damals stellte sich der Steinlieferant – ebenfalls eine Luzerner Firma – auf den Standpunkt, dass in den letzten Jahren praktisch nur Granit aus China auf dem Markt erhältlich gewesen sei, der aber mit dem Fairstone-Zertifikat versehen sei.