Grüne opponieren gegen Therma-Areal-Überbauung in Sursee

Offene Fragen zu Verkehr und Park: Grüne haben Einwände gegen die Hochhauspläne beim Surseer Bahnhof.

Dominik Weingartner
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Ein Zankapfel: der geplante Park hinter den beiden Gebäuden der Therma-Areal-Überbauung.

Ein Zankapfel: der geplante Park hinter den beiden Gebäuden der Therma-Areal-Überbauung.

Visualisierung: PD

Es sah nach einer komfortablen Ausgangslage für den Surseer Stadtrat aus: Der Bebauungsplan Therma-Areal mit dem 63-Meter-Hochhaus löste bei den Surseer Parteien kaum Widerstand aus. Doch seither ist wieder viel Wasser die Sure runtergeflossen. Vergangene Woche führte die Stadt eine Orientierungsversammlung durch, bei der die Öffentlichkeit über das Projekt informiert wurde. Und jetzt regt sich doch Widerstand.

Die Grünen wollen dem Bebauungsplan in seiner jetzigen Form nicht zustimmen, wie die Partei am Dienstag mitteilte. Zwar sei man nicht grundsätzlich gegen die Überbauung und das Hochhaus. Auch sei Verdichtung in Sursee erwünscht, heisst es in der Mitteilung. Doch: Es sei darum «umso wichtiger, den knappen Platz nachhaltig zu bebauen und in Einklang mit Fragen der Verkehrsführung und der Bahnhofsplatzgestaltung zu bringen.» Die Grünen wollen bei der ausserordentlichen Gemeindeversammlung, die am kommenden Montag stattfinden soll, auf Nicht-Eintreten plädieren.

Grüne: «Sursee hat ein Verkehrsproblem»

Auf Anfrage präzisiert Fabrizio Misticoni, grüner Kantonsrat aus Sursee: «Wir haben ein grundsätzliches Problem mit dem Verkehr in Sursee.» Die neue Überbauung werde zwangsläufig mehr Verkehr anziehen, gerade auch, weil dort zusätzlich zu den Wohnungen auch Gewerbeflächen geplant sind. «Wir wollen zuerst ein nachhaltiges Verkehrskonzept, bevor gebaut wird», so Misticoni. Denn: Wenn einmal gebaut sei, könne man das nicht mehr rückgängig machen.

Dem Vorwurf der Konzeptlosigkeit widerspricht der Surseer Bauvorsteher Bruno Bucher (FDP): «Im Rahmen von Sursee Plus gibt es ein Konzept für den motorisierten Individualverkehr auf regionaler Ebene.» Darin einbezogen sind neben Sursee die Gemeinden Oberkirch, Mauensee, Knutwil, Geuensee und Schenkon. «Das Konzept wurde vor drei Jahren vorgestellt», so Bucher. Auch für den Veloverkehr läge ein Konzept im gleichen Rahmen vor. Nur: «Bei der Umsetzung harzt es ein bisschen», räumt Bucher ein. Es sei nicht so einfach, alles umzusetzen. «Für ein ausgebautes Velonetz müssten Grundeigentümer vielleicht ein paar Quadratmeter Land abgeben. Das ist ein sehr schwieriger Prozess», sagt er.

Bleibt der private Park tatsächlich öffentlich?

Ein weiterer Kritikpunkt der Grünen betrifft den Park, der hinter den beiden Gebäuden entstehen soll. Die Eigentümerin des Therma-Areals, das Basler Vorsorgeunternehmen Pax, bezeichnete den Park in ihrer Medienmitteilung vom 19. Februar als «offen zugänglich». Dem widerspricht Fabrizio Misticoni: «In den Sonderbauvorschriften ist klar festgehalten, dass es sich in erster Linie um einen privaten Park handelt, dessen Zugänglichkeit mit baulichen Mitteln eingeschränkt werden kann.» Es sei stossend, dass der Stadtrat dennoch mit einem neuen Park für Sursee argumentiere. Dazu sagt Bruno Bucher: «Wir haben eine klare Zusicherung der Pax, dass der Park öffentlich bleibt.» Die Pax behalte sich aber vor, «Massnahmen zu ergreifen, etwa wenn es zu Nachtruhestörungen kommen sollte». Bucher weist zudem darauf hin, das Pax auch den Unterhalt des Parks finanziere.

Trotz der grünen Opposition bleibt der Bauvorsteher optimistisch, dass das Projekt an der Gemeindeversammlung eine Mehrheit findet. Ob die Versammlung überhaupt stattfindet, ist allerdings immer noch nicht ganz klar. Wegen des Corona-Virus könnte es doch noch zu einer Absage kommen – so wie dies bereits in Geuensee geschehen ist.