Luzerner Theater beim Südpol? Grüne fordern, alternative Standorte zu prüfen

Weil ein Neubau am bisherigen Standort aus denkmalpflegerischen Gründen schwierig wird, bringen die Grünen fürs Luzerner Theater alternative Standorte ins Spiel. Die anderen Parteien winken aber ab.

Robert Knobel
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Das 180-jährige Stadttheater-­Gebäude ist baufällig und muss dringend saniert werden. Hinzu kommt, dass es den Anforderungen eines modernen Theaterbetriebs nicht mehr genügt.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 22. September 2020)

Die Stadt Luzern und das Luzerner Theater planen deshalb, das Gebäude zu renovieren und deutlich zu erweitern. Dazu soll mindestens ein Teil der historischen Bausubstanz abgerissen werden.

Doch genau diese Pläne sind den eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz (ENHK) sowie Denkmalpflege (EKD) ein Dorn im Auge. Kürzlich haben die beiden Gremien erneut folgendes klargemacht: Die Wirkung des heutigen Theatergebäudes fürs Ortsbild müsse ungeschmälert erhalten bleiben. Dasselbe gelte für die benachbarte Jesuiten­kirche (wir berichteten).

Am alten Standort müssten Abstriche gemacht werden

Ob die Raumbedürfnisse des Theaters und die Forderungen des Denkmalschutzes miteinander vereinbar sind, ist fraglich. Die Grünen fordern deshalb, dass für die Erneuerung des Theaters alternative Standorte geprüft werden. «Am bisherigen Standort kann kaum ein modernes Mehrsparten-Theater erstellt werden, ohne dass massive Abstriche gemacht werden müssen», schreiben die Grünen aus Stadt und Kanton in einer Mitteilung. Deshalb, so die Forderung, solle man einen Neubau an einem Ort in Betracht ziehen, wo es genügend Platz gibt – beispielsweise auf dem Kasernenplatz oder beim Südpol:

Bild: Corinne Glanzmann (Kriens, 12. Oktober 2018)

Soll das Theater aus der Stadtmitte verschwinden? Diese Diskussion wurde schon bei der Salle Modulable geführt – und mündete in ein klares Bekenntnis zum bisherigen Standort. Entsprechend irritiert sind die anderen Parteien über den Vorschlag der Grünen. So sagt SP-Fraktionschef Simon Roth:

«Jetzt nochmals auf Feld eins zu gehen, führt voraussichtlich zu einer Verzögerung ohne Mehrwert. Seit über 200 Jahren wird an diesem Ort Theater gespielt und ich frage mich, ob es wirklich im Sinne des Denkmalschutzes wäre, wenn zwar die Hülle bestehen bleibt, aber der Inhalt weichen muss.»

Roth hat mit der Haltung der eidgenössischen Kommissionen «grosse Mühe». Er ist überzeugt, dass am bisherigen Standort eine architektonisch überzeugende Lösung möglich ist. Ähnlich argumentiert die CVP.

FDP-Grossstadtrat Marc Lustenberger sieht die vorgeschlagenen Alternativ-Standorte kritisch:

«In einem langen Verfahren wurde der heutige Standort als bester evaluiert.»

Trotz der rechtlichen Schwierigkeiten habe sich daran nichts geändert. Der Südpol etwa sei verkehrstechnisch ungünstig gelegen und würde wohl ein anderes Publikum ansprechen. «Ein Neubau des Theaters an der Reuss mit einem architektonisch hochstehenden Gebäude bringt eine Aufwertung der Innenstadt, Synergien mit dem KKL und einen grossen Mehrwert für die Stadt», sagt er. Grundsätzlich sei die FDP aber weiterhin der Meinung, dass Inhalt und Raumprogramm noch einmal richtig diskutiert werden müssten.

Schreibt Stadtrat bald den Architekturwettbewerb aus?

Für die GLP wäre ein neuer Standort ebenfalls bloss die «Ultima Ratio» – wenn sich nämlich zeigen würde, dass das künftige Raumprogramm des Luzerner Theaters am bisherigen Ort unmöglich umsetzbar wäre.

Der Luzerner Stadtrat wird noch in diesem Herbst entscheiden, wie er mit den Forderungen der Denkmalkommissionen umgehen will. Gemäss Recherchen zeichnet sich ab, dass der Stadtrat einen konfrontativen Kurs wählen und demnächst einen Architekturwettbewerb für einen Neu-/Erweiterungsbau am bisherigen Standort ausschreiben wird. Der Wettbewerb wird grösstenteils durch die Arthur-Waser-Stiftung finanziert, die zu diesem Zweck eine Million Franken zur Verfügung stellt.