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Gülle-Problematik: Vorlage des Bundes schürt in Luzern Unsicherheit

Landwirte sollen weniger Dünger pro Hektare auf ihren Feldern aufbringen dürfen, fordert der Bund. Wie stark wäre Luzern als tierintensiver Kanton davon betroffen? Die Frage bringt gar Experten zum Rätseln.
Niels Jost
Ein Luzerner Bauer bringt mit Hilfe eines Schleppschlauchverteilers Gülle aus. (Bild: Pius Amrein, 20. September 2016)

Ein Luzerner Bauer bringt mit Hilfe eines Schleppschlauchverteilers Gülle aus. (Bild: Pius Amrein, 20. September 2016)

Es ist eine von vielen geplanten Massnahmen, die im neuesten 161 Seiten starken Bericht des Bundes vermerkt ist, in der Agrarpolitik ab 2022 (AP 22+). Gemeint ist die Reduktion der sogenannten Düngergrossvieheinheiten, kurz DGVE. Anhand dieser wird die maximal pro Hektare zulässige Menge an Hofdünger berechnet, welche ein Landwirt auf seinen Feldern ausbringen darf (siehe Kasten am Ende dieses Textes).

Der Bund will diese Menge nun von 3 auf 2,5 Einheiten reduzieren, um einer ökologischeren Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Für den Kanton Luzern könnte dies eine einschneidende Änderung sein, ist er doch einer der tierintensivsten Stände der Schweiz. In Luzern werden rund zehn Prozent des Rindvieh- und Geflügelbestandes sowie gegen 30 Prozent des Schweinebestandes des ganzen Landes gehalten. Dürfen die Landwirte künftig also weniger Gülle produzieren, sprich: Müssen sie ihren Bestand an Nutztieren reduzieren, um die geforderte DGVE einhalten zu können? Oder müssen sie künftig noch mehr Gülle wegführen?

Bauernverband ist nicht besorgt

Was die Reduktion auf 2,5 DGVE konkret bedeutet, das kann derzeit keiner der angefragten Branchenkenner genau sagen. Entwarnung gibt etwa Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands: «Die Reduktion hat wahrscheinlich keine einschneidenden Folgen für die Luzerner Bauern, da im Vollzug nicht mit der DGVE-Limite gearbeitet wird, sondern mit der Nährstoffbilanz. Wir werden dies aber noch genau abklären.» Mittels dieser Nährstoffbilanz müssen Bauern aufzeigen, dass sie keinen überschüssigen Phosphor oder Stickstoff ausbringen, wodurch die Felder überdüngert würden.

Wer zu viel Gülle oder Mist produziert, was gerade bei tierintensiven Betrieben der Fall ist, der kann den überschüssigen Dünger wegführen. Etwa zu einem anderen Bauern, der weniger Tiere hält und auf zusätzlichen Dünger für seine Felder angewiesen ist. Aufgrund dieser Möglichkeiten erwartet Stefan Heller keine Verschärfung durch die Pläne des Bundes. «Die Nährstoffbilanz wird schon heute eingehalten.»

«Die Bauern müssten noch mehr Gülle wegführen. Die dafür anfallenden Zusatzkosten würden zu Lasten der Landwirte gehen.»

Adrian Schütz, stv. Geschäftsführer von Suisseporcs

Mit mehr Besorgnis nimmt man die geplante DGVE-Reduktion bei Suisseporcs, dem Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband mit Sitz in Sempach, zur Kenntnis. Diese verunsichere die Bauern. Dass sie ihren Nutztierbestand reduzieren würden, glaubt Adrian Schütz, stellvertretender Geschäftsführer, aber nicht. Sondern: «Die Bauern müssten noch mehr Gülle wegführen. Die dafür anfallenden Zusatzkosten würden zu Lasten der Landwirte gehen.» Sinnvoller wäre laut Schütz, den Import von Mineraldünger einzuschränken.

Nicht Tierhalter, sondern Mais und Wiese betroffen

Eine abschliessende Antwort ist auch bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald nicht zu erhalten. «Wir können die Auswirkungen der geplanten DGVE-Reduktion derzeit nicht abschätzen», sagt Franz Stadelmann, Fachbereichsleiter Natürliche Ressourcen. Wie Stefan Heller vom Bauernverband betont auch er, dass bei der Kontrolle die Anforderung an die Nährstoffbilanz im Zentrum steht, wobei es nur sehr wenige Betriebe gäbe, die diese Anforderungen nicht einhalten und denen somit Direktzahlungen gekürzt werden.

Stadelmann glaubt, dass die Reduktion nicht primär für Nutztierhalter Folgen hätte, sondern vielmehr für Betriebe, die auf eine intensive Bewirtschaftung ihrer Felder setzen. Als Beispiele nennt er Silomais oder Kunstwiesen, die es durchaus auch im Kanton Luzern gibt. Denn hierbei sind die Bauern auf genügend Dünger angewiesen, um einen möglichst hohen Ertrag erzielen zu können. Durch die DGVE-Reduktion könnten sie ihre Felder aber nicht mehr gleich intensiv bewirtschaften, befürchtet Stadelmann. «Ergo: Das Ertragsniveau ginge zurück.» Eine Kompensation mit Kunstdünger bei gleichzeitiger Wegfuhr von Hofdünger würde hingegen als ökologisch bedenklich erachtet.

2,5 Einheiten: eine willkürliche Zahl?

Ein grosses Fragezeichen setzen alle Angefragten hinter die Zahlen des Bundes: Wieso sollen die DGVE ausgerechnet von 3 auf 2,5 reduziert werden? Auf Anfrage beim Bundesamt für Landwirtschaft heisst es, dass in vielen Gebieten die Nährstoffbelastung der Böden und Gewässer immer noch zu hoch ist, entsprechend ist auch mit zu hohen Ammoniakbelastungen zu rechnen.

«Von Umweltseite wurde eine noch stärkere Reduktion gefordert.»

Victor Kessler, Bundesamt für Landwirtschaft

«Die Forderungen nach einer standortgerechten und umweltverträglichen Produktion werden von verschiedener Seite immer deutlicher gestellt», sagt Victor Kessler, Leiter Fachbereich Direktzahlungsprogramme. Unter anderem ziele die Trinkwasserinitiative auf diesen Punkt und verlange eine an den Standort angepasste Tierhaltung. Kessler: «Von Umweltseite wurde eine noch stärkere Reduktion auf 2 DGVE gefordert. Zur Erreichung der Umweltziele der Landwirtschaft ist eine Reduktion des Nährstoffaustrags notwendig. Die 2,5 DGVE bedeuten einen Kompromiss zwischen den Anforderungen des Gewässerschutzes, der Luftreinhaltung und der wirtschaftlichen Tragbarkeit.»

Die AP 22+ des Bundes befindet sich noch bis Anfang März 2019 in der Vernehmlassung. Sowohl der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband, Suisseporcs als auch der Kanton Luzern werden sich zur Vorlage äussern.

DGVE – das steckt hinter der Abkürzung

Eine Düngergrossvieheinheit (DGVE) ist die jährlich ausgeschiedene Nährelementmenge von 105 Kilogramm Stickstoff und 15 Kilogramm Phosphor. Dies entspricht ungefähr dem durchschnittlichen jährlichen Anfall von Gülle und Mist einer 600 Kilogramm schweren Milchkuh. Da beispielsweise ein Zuchtschwein weniger Mist verursacht, rechnet man für dieses mit 0,45 DGVE. Bei dieser Anforderung wird somit geprüft, dass pro Hektare Nutzfläche maximal so viel Mist und Gülle ausgebracht wird, dass die erwähnte Anzahl Stickstoff und Phosphor nicht überschritten werden.

Mit der DGVE-Reduktion trägt der Bund einem geschlossenen Nährstoffkreislauf Rechnung, wie dieses Beispiel zeigt: Im Talgebiet ist ungefähr eine Hektare Wiese nötig, um zwei Kühe zu füttern. Die Nährstoffe des Grases sollen dabei möglichst eins zu eins wieder dem Boden zurückgegeben werden – durch die ausgeschiedene Gülle oder den Mist.

Der Bund möchte nun die maximal pro Hektare zulässige Menge Hofdünger von 3 auf 2,5 DGVE senken. Damit will er seine Umweltziele erreichen und insbesondere auch der Trinkwasserinitiative vorgreifen, welche ähnliche Ziele verfolgt. Die Initiative wurde im Parlament noch nicht behandelt.

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