Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GÜÜGGALI-ZUNFT: Stadt Luzern wird wieder origineller

Sind Stadtoriginale am Verschwinden? Von wegen! Die Zahl ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Verändert hat sich aber die Auffassung von Originalität.
Hugo Bischof
Das Luzerner Original Hans Ochsenbein (rechts) erhält von Hans Pfister, Präsident der Güüggali-Zunft, und Gründungsmitglied Alice Laubacher die goldene Nadel. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 13. Dezember 2017))

Das Luzerner Original Hans Ochsenbein (rechts) erhält von Hans Pfister, Präsident der Güüggali-Zunft, und Gründungsmitglied Alice Laubacher die goldene Nadel. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 13. Dezember 2017))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

«Luzerner Stadtoriginale vom Aussterben bedroht.» So titelte unsere Zeitung im Jahr 2012. Nur noch 23 besonders originelle Persönlichkeiten verzeichnete damals die Güüggali-Zunft, die sich seit 39 Jahren liebevoll um Menschen kümmert, die auf ihre Art speziell sind.

Wird Originalität in Luzern nicht mehr geschätzt? Wagen immer weniger Menschen, sich auszuleben? Das fragte man sich damals. Nun scheint der Trend gestoppt; die brandneue Website der Güüggali-Zunft listet nämlich wieder 31 Originale auf.

Breitschnauziger VBL-Chauffeur

Die Originale trafen sich gestern in der «Pro Ticino»-Bocciabahn im Eichwäldi zum traditionellen Weihnachtsessen der Güüggali-Zunft. Dabei ging es wie gewohnt heiter und besinnlich zu. Es gab ein feines Essen, und alle erhielten einen reich gefüllten Geschenksack zum Mitnehmen. Was aber macht es aus, dass es wieder mehr Luzerner Originale gibt? «Wir halten Ohren und Augen noch weiter offen auf der Suche nach speziellen Personen», sagt Güüggali-Zunftmeister Marco «Lego» Wicki, selber ein Original. Vorschläge aus der Bevölkerung, aber auch Berichte in den Medien können Hinweise liefern. So wurde der in unserer Zeitung porträtierte breitschnauzige, sympathisch-unkonventionelle Ex-VBL-Buschauffeur Markus Petrig prompt in den Kreis der Originale aufgenommen.

«Es müssen nicht nur Persönlichkeiten im Militärmantel und mit Tannen-Chries auf dem Kopf oder einem Radio auf der Schulter sein», sagt Wicki. Er spielt damit auf den legendären Emil Manser († 2004) und Marcel Schöngarth («Radio Müsli», († 2012) an. Manser setzte mit seinen in ungelenken Buchstaben auf Plakate gemalten Sprüchen manch provokantes, kluges Ausrufezeichen in unserer oft verklemmten Gesellschaft. Manser und Schöngarth waren weit­herum bekannte Aussenseiter, die vielen Passanten ein bewunderndes Schmunzeln entlockten. «Heute sind Originale aber auch vermehrt Leute, die mit beiden Füssen fest verankert sind, einen Beruf, ein geregeltes Einkommen und eine Familie haben», sagt Wicki, «und die in ihrem Quartier auf spezielle Art positiv auffallen.» Einer von ihnen ist Urs-Anton Krügel, Quartierpolizist in der Altstadt, der kürzlich zum Ori­ginal erkoren wurde. «Seine freundliche, witzige Art, mit den Leuten umzugehen, hat uns überzeugt», sagt Wicki und erzählt eine Anekdote: «Spontan nahm er an der letzten Fasnacht die Fahne der Vereinigten Guuggenmusigen in die Hand und führte damit den Kinder-Monstercorso an.» Krügel (Spitzname «Bierpolizist») braut auch sein eigenes Bier und schreibt Krimis.

Immer mehr Originale aus Kriens

In letzter Zeit dazugekommen sind vermehrt Originale aus der Agglomeration, vor allem aus Kriens, etwa Marroniverkäufer Rico Widmer («Maroni-Rico», «Häbedä»). Neu dabei ist auch der Örgeler Eduard Betschart («Edäli»). «Er passt gut in unsere Runde», sagt Wicki. Im letzten Jahr sind drei Originale gestorben: Hans Bucher, Siegrid Weis, und Ehrenzünftler Edi Frei.

Die Art, der Charakter, die Erscheinung: Das sind einige der Kriterien, nach denen potenzielle Originale bewertet werden. «Kandidaten werden vom Zunftrat eingeladen und beobachtet», sagt Wicki. «Auch die Originale selber haben ein Mitspracherecht. Es ist schliesslich wichtig, dass die Neue, der Neue in ihre Runde passt.» Es gibt auch Kandidaten, die nicht aufgenommen werden wollen. Wicki: «Gezwungen wird natürlich niemand.» Einer, um den sich die Zunft bemühte, war der 2013 verstorbene «Stadtindianer» Angy Burri; doch er wollte diese Auszeichnung nicht.

Eduard Linders Kirchenglöggli

Die Güüggali-Zunft Luzern wurde am 31. Januar 1978 gegründet. Sie organisiert für die Originale Anlässe wie eine Bootsfahrt, einen Luga-Besuch und eben die jährliche Weihnachtsfeier. Finanziert werden diese teils durch Mitgliederbeiträge, vor allem aber durch Spenden. Das Zunft-Archiv befindet sich in der Pizzeria Reusszopf in Reussbühl. Hier werden Gegenstände aufbewahrt, die an verstorbene Originale erinnern. «Neustes Stück ist Eduard Linders Kirchenglöggli, das früher bei der Wandlung verwendet wurde», erzählt Wicki. «Als es nach der Einführung der Klangschale keine Verwendung mehr hatte, bewahrte Linder es auf und klingelte damit während der Messe in der Pauluskirche ganz hinten leise.»

Die Goldene Ehrennadel der Güüggali-Zunft erhielt gestern der langjährige Fähnrich Hans Ochsenbein. Gemäss Marco Wicki ist er «immer da, wenn man ihn braucht». Hans Pfister, Präsident der Güüggali-Zunft, wird im Jubiläumsjahr 2018 zum 40-jährigen Bestehen der Zunft – wie es der Brauch will – gleichzeitig deren Zunftmeister sein. Auch eine neue Zunftfahne wurde gestern geweiht. «Jeder Mensch ist ein Original», sagte dazu Pater Josef Regli. «Gott macht keine Klone, keine Kopien.»

Hinweis

Mehr Informationen und voll­ständige Liste der Stadtoriginale: www.gzlu.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.