GUNZWIL: Seine Fotos sollen die Karibik zum Klingen bringen

Blasinstrumentenreparateur Robin Kirchhofer (29) bringt in der Dominikanischen Republik alte Trompeten wieder in Schwung. Sein Engagement für den Verein «Musik übers Meer» ist morgen auch in der Stadt Luzern sichtbar.

Evelyne Fischer
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Heute als Fotograf tätig: Blasinstrumentenreparateur Robin Kirchhofer. (Bild: Pius Amrein (Gunzwil, 24. Juli 2017))

Heute als Fotograf tätig: Blasinstrumentenreparateur Robin Kirchhofer. (Bild: Pius Amrein (Gunzwil, 24. Juli 2017))

Eine dunkle Kammer, ein Tisch. Keine Stühle. Keine Werkzeuge. Robin Kirchhofer staunte nicht schlecht, als er Ende 2015 für den Verein «Musik übers Meer» zum ersten Mal in die Dominikanische Republik reiste. Hier also sollte er während zweier Wochen jungen Musikern das Flicken von Cornett und Co. beibringen? Selbst für den gelernten Blasinstrumentenreparateur kein Kinderspiel.

Heute stellt das Kulturministerium dem 29-Jährigen einen grossen Raum zur Verfügung. Im Februar reist Kirchhofer, der gerade nach Gunzwil gezogen ist, bereits zum dritten Mal in die 13 Flugstunden entfernte Karibik. Ehrenamtlich. Die Kosten von rund 2200 Franken für Reise, Unterkunft und Essen übernimmt der Verein (siehe Kasten). Kleider müssen ins Handgepäck – der grosse Koffer ist für Werkzeug reserviert. «Vor Ort zu helfen, macht für mich mehr Sinn, als Geld zu überweisen», sagt Robin Kirchhofer.

Musik bringt Jugendliche von der Strasse weg

Der gemeinnützige Verein «Musik übers Meer» wurde 2011 von Cornelia Diethelm gegründet. Die Organistin und Journalistin sammelt seit 2007 ausgemusterte Instrumente, um damit Musikschulen und Jugendorchester für benachteiligte Kinder aufzubauen. Die Bilanz der letzten zehn Jahre: Gegen 600 verschickte Orchesterinstrumente, 15 aufgebaute Musikschulen und über 20 initiierte Jugendorchester in der Dominikanischen Republik.

Pro Einsatz möbelt Kirchhofer gegen 50 Instrumente auf. Zusammen mit zwölf einheimischen Kursteilnehmern, allesamt Mitglieder von Jugendorchestern. «Mit unserem Einsatz können wir Jugendliche für einen Musikverein begeistern und sie so von der Strasse holen», sagt Kirchhofer. Instrumente seien Wegbereiter in ein anderes soziales Umfeld. Das Problem: Mit Yahama gäbe es zwar einen Musikinstrumentenhersteller auf der Insel. «Doch ein neues Saxofon oder eine Trompete kann sich dort niemand leisten.» Umso wichtiger seien Ins­trumentenspenden und Reparatur-Workshops. Musiker wüssten nicht, wie sie Querflöte und Co. instand halten müssen. «War das Instrument kaputt, endete bisher auch das Spiel im Verein.» Dem pflichtet Geschäftsleiterin Diethelm bei: «Für die Nachhaltigkeit der Musikinitiative ist es enorm wichtig, dass die Instrumente vor Ort geflickt werden können. Bis es genügend gut ausgebildete Reparateure hat, wird es noch einige Jahre dauern.»

Dominikaner lösen Probleme auf «kreative» Art

Mit einfachsten Mitteln wird Blech ausgebeult oder die Mechanik der Blasinstrumente wieder eingestellt. «Was Problemlösungen anbelangt, sind Dominikaner sehr kreativ. Beim Klappenpolster einer Klarinette kommt statt Leder schon mal ein Weinkorken zum Zug», sagt Kirchhofer. Er weiss inzwischen, wie Dominikaner ticken. Bei seiner Premiere wurde er noch von Laden zu Laden gezerrt. Mittlerweile kennt er Einheimische, dann werde man «in Ruhe gelassen». Etwas gewöhnen musste er sich an den neuen Rhythmus. «Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind so eine Sache», sagt Kirchhofer und lacht. Doch «mit klaren Regeln» funktioniere es. Bei seinem nächs­ten Besuch will er die Kursteilnehmer in unterschiedlichen Niveaus fördern. «Mein Ziel ist es, einigen die Reparatur von Profiinstrumenten beizubringen.»

In der Schweiz arbeitet Kirchhofer mittlerweile nicht mehr auf seinem angestammten Beruf. Er ist heute als Fotograf tätig – was ihn nicht daran hindert, sich auch in dieser Funktion für «Musik übers Meer» zu engagieren: Am 4. August, von 9 bis 19 Uhr, ist er auf dem Mühlenplatz in der ­Luzerner Altstadt anzutreffen: Gegen eine Spende für den Verein schiesst Kirchhofer Porträtfotos. Mit seiner Aktion «Ihr Bild macht Musik» soll «Musik übers Meer» auch in den sozialen Medien Wellen schlagen.

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch