Analyse

Gut gemeint reicht nicht: Darum floppt der Luzerner Löwenplatz als Freiluft-Lounge

Ein paar Bäume und Sitzbänke machen aus einem Asphaltplatz, der von viel Verkehr umgeben ist, noch keine Aufenthaltszone. Die Stadt Luzern hätte das Geld besser woanders ausgegeben.

Roman Hodel
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Roman Hodel.

Roman Hodel.

Bäume statt Asphalt, Anwohner im Müssiggangmodus statt Touristen am Herumhetzen: Für verschiedene Parkplätze in der Innenstadt hat der Luzerner Stadtrat diesen Sommer eine temporäre Nutzung ausgerufen, sei es als Freiluft-Lounge oder aber als Minipark etwa mit Spielmöglichkeiten. Die Experimente laufen zwar noch, aber es zeigt sicht jetzt schon: Sie gelingen nicht überall.

Ein Flop ist die Freiluft-Lounge auf dem Löwenplatz (wir berichteten). Die paar Birken, Feldahorne und in Säcken eingepackte Pflanzen begrünen die Fläche zwar zweifellos. Doch es bräuchte mehr, um den unattraktiven, komplett von verkehrsreichen Strassen umgebenen Ort attraktiv zu machen. Ohne besondere Sitzgelegenheiten – das könnten Liegestühle und Sitzmulden sein – oder auch ein Gastroangebot gibt es keinen plausiblen Grund, warum man hier Zmittag essen oder ein Buch lesen sollte. Man sitzt letztlich neben parkierten Cars und die Bäume taugen aufgrund ihrer Grösse nur bedingt als Schattenspender. Entsprechend ungemütlich wird es im Sommer auf dem primär aus Asphalt bestehenden Platz.

Kommt dazu: In Gehdistanz locken die wegen der Coronakrise stark erweiterten Boulevardcafés von Heini und der Pizzeria Angolo schräg gegenüber, wo es erst noch Bäume und einen Brunnen hat. Und selbst wer ohne Konsumationszwang eine Pause einlegen möchte, hat’s in der nahen Grünanlage des Löwendenkmals definitiv schöner. Ein Ort notabene, wo es coronabedingt so entspannt zu- und hergeht wie seit Jahren nicht mehr.

Die Freiluft-Lounge auf dem Löwenplatz erinnert an einen anderen kuriosen und temporären Park, dessen Existenz mittlerweile neun Jahre andauert: jener anstelle der «Schmitte». Auch dieser lädt aufgrund seiner Lage am dicht befahrenen Pilatusplatz gar nicht zum Verweilen ein. Selbst von jenen, die auf den Bus warten, setzen sich nur die wenigsten hier hin. Immerhin: Dank Kiesboden ist es im Sommer nicht ganz so heiss wie auf dem Löwenplatz.

Man kann zur Ehrenrettung der Exekutive ohnehin einwerfen, dass die Gestaltung des Löwenplatzes nicht ihre Idee war. Sie stammt von der SP und vom Quartierverein Hochwacht. Aber sie kam beim Stadtrat so gut an, dass er sie rekordverdächtig schnell umgesetzt und für die Präsentation sogar eine Medienkonferenz einberufen hat.

Zum Glück hat die Gestaltung nur rund 20000 Franken gekostet. Trotzdem: Dieses Geld hätte man besser woanders eingesetzt. Warum nicht auf dem Schwanenplatz? Der Stadtrat hatte dies abgelehnt mit Verweis auf die Anlieferung der Altstadtgeschäfte. Das leuchtet aber nur zum Teil ein. In der Mitte des Platzes hätte sich wohl durchaus etwas machen lassen. Zumal der Schwanenplatz trotz naher Seepromenade ein beliebter Aufenthaltsort von Tagestouristen ist. Das beweisen die oft besetzen Sitzbänke vor der Credit Suisse. Oder noch besser: Man hätte das Geld für weitere Sitzgelegenheiten am Freigleis ausgegeben. Denn im Unterschied zum Löwenplatz treffen sich hier die Quartierbewohner tatsächlich zum (abendlichen) Picknick.

Ein gutes Beispiel für die Zwischennutzung von Parkplätzen ist derweil die Bahnhofstrasse. Die begrünten Sitzinseln vor dem Luzerner Theater wie auch die Tische mit Spielen vor der Migros Bank werden genutzt und entsprechen einem Bedürfnis. Was sicher auch daran liegen mag, dass die Strasse aufgrund ihrer Lage schon immer eine beliebte Flanierzone war. Trotzdem: Der Stadtrat hat im Juni unkompliziert und zügig kleine Oasen geschaffen. Dies nachdem der Rechtsstreit mit der Kantonalbank wegen der Parkingzufahrt beigelegt war. Natürlich steht die Exekutive hier auch unter einem gewissen Zugzwang. Schliesslich ist es bereits sieben Jahre her, seit das Stimmvolk die Bahnhofstrasse für autofrei erklärt hat.

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