Gute Nachrichten für die klamme Stadt Kriens: Pilatus-Arena-Investoren leisten eine höhere Abgabe

Nach neuen Verhandlungen wird die Mehrwertabgabe auf 5,7 Millionen Franken erhöht. Mit dem Geld soll die Infrastruktur im Gebiet Mattenhof ausgebaut werden.

Stefan Dähler
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Der nächste politische Prüfstein für die Pilatus-Arena in Kriens Mattenhof steht an: In seiner Juni-Sitzung entscheidet der Einwohnerrat in zweiter Lesung über die für das Projekt nötige Teilzonenplanänderung sowie den Bebauungsplan. Vorgesehen sind eine Sporthalle mit Platz für 4000 Besucher sowie zwei Hochhäuser mit 50 und 110 Metern Höhe, worin sich Gewerbeflächen und 259 Miet- und 156 Eigentumswohnungen befinden werden.

So soll die Überbauung mit der Sporthalle und den beiden Hochhäusern aussehen.

So soll die Überbauung mit der Sporthalle und den beiden Hochhäusern aussehen.

Visualisierung: PD

In der ersten Lesung im November zeigte sich: Der Krienser Einwohnerrat steht dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. Doch ganz zufrieden war er nicht, diverse Änderungsanträge wurden überwiesen. Auf die zweite Lesung hin konnten die Hauptforderungen des Parlaments nun erfüllt werden, wie der Krienser Stadtrat mitteilt:

  • Die Mehrwertabgabe wird von 2 auf 5,7 Millionen erhöht. Davon wird sie 1,2 Millionen der Investition Ausbau Bahnhof Kriens Mattenhof abschreiben. Damit erhält die Stadt Kriens nun wie gesetzlich vorgesehen 20 Prozent des errechneten Mehrwerts durch die Aufzonung. Ursprünglich plante der Stadtrat einen tieferen Betrag, weil die Sporthalle der Öffentlichkeit zugutekomme, wurde aber vom Parlament zurückgepfiffen.
  • Ein erster Schritt für eine neue Freizeitanlage auf dem Areal Grabenhof ist getan: Die Stadt Kriens hat mit der Grundeigentümerin, der Stadt Luzern, eine Absichtserklärung für den Grabenhof und auch das Areal Hinterschlund abgeschlossen. Ziel ist eine gemeinsame Planung. Das genaue Verfahren müsse noch festgelegt werden. Erster Schritt dürfte eine Machbarkeitsstudie oder Testplanung sein.
  • Die Zahl der Veloparkplätze wird von 1170 auf 1549 erhöht. Weiter sei das Mobilitätskonzept für die Verkehrslenkung während Anlässen «verfeinert» worden.
  • Die Investoren wolle die Schaffung eines Gemeinschaftsraums, der als Quartiertreffpunkt dienen könnte, im Rahmen der Detailplanung «vertieft prüfen».

Die Mehrwertabgabe kommt für die finanziell darbende Stadt Kriens zum richtigen Zeitpunkt. Sie ist hoch verschuldet, muss aber dennoch zahlreiche Investitionen tätigen, etwa in Schulräume. Der Betrag soll in einen Fonds fliessen, mit dem Infrastrukturbauten im Gebiet Mattenhof finanziert werden – unter anderem die erwähnte Freizeitanlage. Diese diene auch als Kompensation für die sehr dicht bebaute Pilatus-Arena.

Investoren: «Das unternehmerische Risiko steigt»

In der ersten Lesung war wie erwähnt noch eine Abgabe von 2 Millionen geplant. Hat die Stadt damals zu wenig hart verhandelt? «Es gab bisher noch keine Beispiele für eine Mehrwertabgabe bei Projekten mit Mantelnutzung», sagt der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP). Der Betrag sei auch aufgrund von externen Studien zustande gekommen. Nach der Intervention des Einwohnerrats habe man aber mit den Investoren konstruktiv verhandelt und eine gute Lösung erzielt, so Senn.

Seitens der Investoren hiess es nach der ersten Lesung, dass durch eine höhere Mehrwertabgabe die Finanzierung der Halle in Frage gestellt sei. Warum hat man dieser nun doch zugestimmt? «Es ist ein Entgegenkommen seitens der Pilatus Arena AG und das Ergebnis aus den Verhandlungen mit der Stadt Kriens. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass bei der Errechnung des Mehrwerts die Hallenkosten abgezogen werden müssten», schreibt dazu Daniel Deicher, Mediensprecher der Pilatus Arena AG. Nun habe man das Konzept anpassen müssen. «Das wird sicher Auswirkungen auf die Preiskalkulation aber auch auf die Ausstattung der Halle haben. Zudem steigt das unternehmerische Risiko.»

Betrieb soll ohne Subventionen auskommen

Initiiert wurde die Pilatus-Arena vom HC Kriens-Luzern sowie von der Eberli Sarnen AG. Als weitere Investoren sind die Halter AG Zürich und die Helvetia Versicherungen an Bord. Gerechnet wird mit Gesamtkosten von rund 200 Millionen Franken, davon entfallen 39 Millionen auf die Halle. Der Kanton beteiligt sich an Letzterer voraussichtlich mit bis zu 6 Millionen Franken, der Bund mit 3 Millionen. Ziel ist, nach der Erstellung die Halle zu einem symbolischen Preis von 1 Franken an eine private Betreiberfirma zu übergeben. Der Betrieb soll ohne Beiträge der öffentlichen Hand auskommen. Genutzt werden soll die Halle für den Spitzensport, den Unisport, Vereine, Konzerte oder auch Tagungen. Der Baustart soll 2021 erfolgen.

Eine Lösung rückt nun auch mit der Stadt Luzern näher. Zuletzt schienen die Fronten verhärtet. Dies, nachdem der Krienser Einwohnerrat den Luzerner Plänen für ein temporäres Carparking im Hinterschlund einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nun zeichnet sich doch eine gemeinsame Lösung ab: Die Stadt Luzern ist offenbar bereit, die Areale Hinterschlund und Grabenhof im Sinne der Stadt Kriens zu entwickeln. Dafür prüft Luzern nun auf dem Areal Rösslimatt gegenüber dem Südpol ein auf zehn Jahre befristetes Carparking (mehr dazu hier). Auch dieses befindet sich auf Krienser Boden.

Beide Städte sollen Planung mitfinanzieren

Wie stark sich die jeweiligen Städte an den Planungskosten für die Entwicklung der Areale Grabenhof/Hinterschlund beteiligen, sei noch nicht ausgehandelt, sagt Matthias Senn. «Aber die Idee ist, dass beide mitfinanzieren.» Das Ziel ist, eine erste Studie noch dieses Jahr zu starten. Welche Art von Überbauung dort entstehen soll, sei noch offen. «Heute befinden sich zwei Drittel des Gebiets in einer Arbeitszone, ein Drittel in einer Wohnzone», sagt Senn. Je nach Ergebnis der Studie sei auch eine Anpassung des Zonenplans denkbar.

Die Absichtserklärung enthält im Grabenhof/Hinterschlund neben der Freizeitanlage den Bogenweg als Velo- und Fusswegverbindung. Zudem sollen ökologische Ausgleichsflächen entlang des Schlimbachs und öffentlich zugängliche Frei- und Aufenthaltsräume entstehen. Bis tatsächlich gebaut wird, dürfte es aber noch ein paar Jahre dauern – zumal auch noch ein Bebauungsplan erstellt werden müsste.

Einsprache wegen Parkplätzen

Zur Pilatus-Arena ist noch eine Einsprache einer benachbarten Firma hängig. Gefordert wird unter anderem, dass in der Überbauung mehr als 200 Parkplätze entstehen, da sonst bei Anlässen Besucher ihr Auto im Quartier abstellen würden. Der Stadtrat beantragt, diesen Teil der Einsprache abzuweisen, da das Gebiet mit dem ÖV sehr gut erschlossen sei und bei Anlässen Ausweichparkplätze bestünden. Es werde zudem ein Parkleitsystem geben, bei Anlässen mit über 1000 Besuchern sei der Einsatz von Verkehrskadetten geplant.

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