Gutscheinsystem
Stadt Luzern will familienergänzende Kinderbetreuung finanziell stärker unterstützen

Der Stadtrat will das Gutscheinsystem für die vorschulische Kinderbetreuung mit 1,44 Millionen Franken mehr als bisher subventionieren. Davon soll unter anderem auch die Gleichstellung profitieren.

Hugo Bischof
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Ein Kind spielt mit einer Eisenbahn.

Ein Kind spielt mit einer Eisenbahn.

Symbolbild: Maria Schmid

Die Stadt Luzern verfügt seit 2009 über ein System mit Betreuungsgutscheinen zur Unterstützung der familienergänzenden Kinderbetreuung. Dieses bewährte System soll in den kommenden Jahren schrittweise weiterentwickelt werden. Dies gab der Luzerner Stadtrat am Montagvormittag an einer Medienkonferenz bekannt.

In einem ersten Schritt soll die Kinderbetreuung insbesondere für Eltern der mittleren und unteren Einkommen gestärkt werden. Dafür beantragt der Stadtrat beim Grossen Stadtrat einen Sonderkredit in der Höhe von jährlich 1,44 Millionen Franken. Damit würde die familienergänzende Kinderbetreuung in der Stadt Luzern künftig mit jährlich rund 5,78 Millionen Franken subventioniert. Das ist rund ein Drittel mehr als bisher.

Betreuungsgutscheine in der Stadt Luzern

Jahr Anzahl subventionierte Kinder Ausgaben in Millionen Franken
2016 590 3,91
2017 612 3,99
2018 531 4,04
2019 533 4,02
2020 504 3,91

Stadt Luzern hat Nachholbedarf

2020 besuchten über 500 Kinder der Stadt Luzern dank Betreuungsgutscheinen vergünstigt eine Kinderbetreuungsstätte (Kita). «Seit einigen Jahren ist jedoch die Nachfrage nach Betreuungsplätzen gleichbleibend», so der Stadtrat. Der Vergleich mit anderen Städten zeigt auf, dass die Stadt Luzern bei der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Nachholbedarf habe.

Kita-Kosten sind gestiegen

Eine von der Stadt bei Interface Politikstudien Forschung Beratung GmbH in Auftrag gegebene Studie zeigt folgende Ergebnisse:

Ergebnisse der Studie:

  • 32 Prozent der Vorschulkinder in der Stadt Luzern (18 Monate bis Eintritt ins Kindergartenalter) werden familienergänzend betreut. Diese Quote stagniert seit 2014.
  • Die Selbstkosten der Eltern stiegen an, weil die Höhe der Betreuungsgutscheine gleich blieb, während gleichzeitig die Kosten der Kitas gestiegen sind.
  • Der Kreis der Anspruchsberechtigten nahm ab 2018 ab. Einer der Gründe dafür ist, dass die Einzahlungen in die 3. Säule in die Berechnung des Einkommens mit einbezogen werden.
  • Familien mit mehr als einem Kind sind finanziell besonders stark belastet. Der Übergang von der vorschulischen zur schulischen Betreuung ist für die Eltern nicht befriedigend.

Der Luzerner Stadtrat schlägt deshalb vor, das Gutscheinsystem in folgenden Punkten zu verbessern:

Verbesserungsvorschläge:

  • Die Vollkosten, welche die Stadt zur Berechnung der Betreuungsgutscheine verwendet, sollen von heute 100 auf 130 Franken (Tarif Kita pro Tag) erhöht werden.
  • Die Einzahlungen in die 3. Säule werden künftig nicht mehr berücksichtigt.
  • Familien mit mehreren Kindern in einer Betreuungseinrichtung sollen um 50 Prozent des Selbstbehaltes ab dem zweiten Kind entlastet werden.
  • Die Subventionen für alle Kinder sollen bis zu einem massgebenden Einkommen von 125'000 Franken gewährt werden (heute liegt die maximale Höhe bei 100'000 Franken).

Die errechnete Einsparung ist beträchtlich. Eine Familie mit zwei Kindern und einem steuerbaren Einkommen von 60'000 Franken zahlt für die Betreuung ihrer beiden Kinder in einer Kita zurzeit pro Tag 154 Franken. Mit der neuen Regelung wären es ab 2022 nur noch 74,40 Franken. Das ist rund die Hälfte weniger.

Grafik: Stadt Luzern

«Die Höhe des Betreuungsgutscheins nimmt wie bisher mit steigendem Einkommen exponentiell ab», sagt Ruedi Meyer, Dienstchef Kinder Jugend Familie der Stadt Luzern. Mit der neuen Regelung hätte eine Familie mit einem steuerbaren Einkommen von 80'000 Franken für ein Kind künftig Anspruch auf einen Betreuungsgutschein von 55,60 Franken. Bei einem Einkommen von 90'000 Franken wären es 43,30 Franken. Für höhere Einkommen ist ein Betreuungsgutschein von maximal 10 Franken vorgesehen. Zurzeit werden über die Hälfte der Betreuungsplätze nicht subventioniert, sondern vollumfänglich durch die Eltern finanziert.

«Die Erwerbstätigkeit beider Elternteile fördert die Gleichstellung, wirkt dem Fachkräftemangel entgegen und hat nicht zuletzt auch einen positiven Effekt auf die Steuererträge», betont Stadtrat Martin Merki.

«Zudem leistet eine Kinderbetreuung in guter Qualität einen wichtigen Beitrag zur frühen Förderung. Davon profitieren insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Gleichzeitig kann die Abhängigkeit einkommensschwacher Haushalte von der Sozialhilfe gemindert werden.»

Dass die Betreuungsquote in der Stadt Luzern seit 2014 stagniere, habe vermutlich auch mit traditionellen Werthaltungen sowie familiären und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu tun, betont Merki: «Dazu kommen die tiefere Erwerbsquote der Frauen sowie das fehlende kantonale Engagement.» Luzern war gemäss Merki die erste Stadt in der Schweiz, die 2009 Betreuungsgutscheinen einführte: «Andere Städte haben das Modell seither übernommen.»

Gemäss Monika Hürlimann, Bereichsleiterin Frühkindliche Bildung und Betreuung der Stadt Luzern, ist die Anzahl Kindertagesstätten (Kitas) in der Stadt Luzern seit Einführung der Betreuungsgutscheine von 22 auf 37 gestiegen. Diese bieten heute über 1000 Betreuungsplätze an. Dass im vergangenen Jahr die Anzahl subventionierter Kinder abgenommen hat, könnte mit der Covid-Pandemie zusammenhängen. Hürlimann:

«Eltern waren in dieser Zeit eher zurückhaltend, ihre Kinder in Kitas zu schicken.»

Laut Stadtrat Merki liegt die durchschnittliche Belegung der Kitas in der Stadt Luzern heute bei rund 72 Prozent: «Wir können das erwartete Wachstum also auffangen.»

In einem weiteren Schritt soll ab 2024 die Qualität des Betreuungsangebots zusätzlich verbessert werden. Dafür rechnet der Stadtrat mit zusätzlichen Kosten von 1 bis 1,9 Millionen Franken.