GUUGGENMUSIG: Die Chatzen kleistern für ihr Jubiläum

Der Präsident heisst Chatzemeister, der Bastelchef ist die Materialchatz. Die Chatzemusig Lozärn prägt seit 60 Jahren die Luzerner Fasnacht.

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Christoph Koch von der Chatzemusig arbeitet an einer Maske. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Christoph Koch von der Chatzemusig arbeitet an einer Maske. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

An drei, vier schweren Betontüren der Zivilschutzanlage vorbei gehts in den Bauch des Luzerner Utenbergschulhauses. Hier hat die zweitälteste Luzerner Guuggenmusig seit Jahrzehnten ihr Bastellokal: die 1949 gegründete Chatzemusig. Ein halbes Dutzend Chatze in Arbeitskleidung – allesamt reifere Männer – hantiert an diesem Abend bei Kafi, Bier oder Mineral mit Pinsel, Leimpistole, Schere und viel Kleister. Die gut gelaunte Gruppe kleistert Grende, bis zum Schmutzigen Donnerstag am 19. Februar mehrmals pro Woche. Auf Regalen sind Masken in den verschiedensten Fertigungsstufen aufgereiht. «Unser Grend wird seit jeher aus Pappmaché hergestellt. Das hat Tradition», erklärt Materialchatz/Bastelchef Urs Krähenbühl (47). Er ist seit 20 Jahren dabei und Ehrenkater. Tradition. Der Begrifff wird noch mehrere Male fallen an diesem Abend, und jedes Mal schwingt auch ein bisschen Stolz mit.

28 Männer und nicht eine Frau
Christoph Koch (54) malt gerade an einer Maske für die Kinder, die an den rüüdigen Tagen zeitweise mit dabei sind. Der Posaunist zwinkert fröhlich und fragt in die Runde: «Ist das gut so?» «Nicht schlecht, aber etwas zu viel Weiss. Da brauchts noch mehr Konturen», tönts zurück. Seit Herbst wird bei der 28-köpfigen, nur aus Männern bestehenden Guuggenmusig für die diesjährige Jubiläumsfasnacht gebastelt: 60 Jahre Chatzemusig.

Die Chatze sind ein fixer Wert an der Luzerner Fasnacht, sie stehen für Kontinuität, sie erinnern an die Ursprünge der schränzenden Töne. Mitbegründer der Chatzemusig war der legendäre Luzerner Ur-Fasnächtler Max Baumann. Der erste Chatzemeister prägte vor allem auch die optischen Auftritte der Formation während Jahrzehnten. Im Archivkeller sind noch einige«Buume-Grende» zu bestaunen – nebst einer beeindruckenden Anzahl Masken aus vergangenen Tagen.

An der ersten Chatze-Fasnacht 1949 war man als «Gestiefelter Kater» unterwegs. Und 2009? Ehrensache, dass ein Sujet vor dem Urknall unter dem Deckel bleibt – auch wenn in diesem Fall unschwer zu erraten ist, dass die Chatzen an ihrem 60. einen Kreis schliessen wollen. Einen Alterskreis durchbrechen muss die Chatzemusig, um die Zukunft zu sichern: Das Durchschnittsalter ist relativ hoch, der Jüngste im Bunde ist 36. Der Ü-35-Chatzemusig – «Wir sind eine Fasnachtsgesellschaft» – haftet noch immer der Ruf einer etwas elitären Gruppe an, in der man(n) nur schwer Aufnahme findet. Urs Krähenbühl betont aber: «Wir sind sehr offen für Neumitglieder, speziell auch für Junge.» Aber natürlich setze man stärker als andere Formationen auf Tradition, spiele weiterhin die alten Klassiker wie den «Sempacher» und mache nicht um jeden Preis Rambazamba. Krähenbühl: «Unter den alten Klischees leiden wir schon noch ein bisschen, auch wenn es in Tat und Wahrheit wohl nie so schlimm war, wie es manchmal hiess.»

Klarinette mit 64
Das Erfrischende an Traditionen ist indes, das es nur wenige Stichworte braucht, bis am Tisch die Geschichten sprudeln. Anekdoten von Katern und Chätzli, aus Zeiten, «in denen man als Guuggenmusig noch in die Beizen gehen und dort aufspielen konnte», erinnert sich die älteste Katze, der 64-jährige Geri Lötscher. Er wird auch an dieser Fasnacht wieder die Klarinette blasen – an allen Tagen zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch. Selbst die vier Bypässe in seiner Brust können die Chatze-Tradition nicht zum Erlahmen bringen.

Jérôme Martinu