Interview

Witze über Schlaganfall: «Bei der Premiere blieb vielen Leuten erst einmal die Spucke weg»

Der Schweizer Komiker Guy Landolt (55) erlitt vor drei Jahren einen Schlaganfall. Seine Erlebnisse verarbeitet er nun in seinem neuen Comedy-Programm. Am Freitag ist es in Luzern zu sehen.

Robert Knobel
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Der Komiker Guy Landolt. (Bild: fotozug)

Der Komiker Guy Landolt. (Bild: fotozug)

Er feierte im «Quatsch Comedy Club» in Deutschland Erfolge, erlangte als «Murmelivater» im Musical Ewigi Liebi schweizweite Bekanntheit. Und er war mit seinem zweiten Soloprogramm «Fundiertes Halbwissen» auf dem besten Weg, sich in der Schweizer Comedy-Szene zu etablieren. Doch 2016 beendete ein Schlaganfall die Karriere von Guy Landolt abrupt. Er kämpfte sich zunächst ins Leben zurück – und will nun auch die Bühne zurück erobern. Mit seinem neuen Soloprogramm «Schlagfertig» tourt er seit diesem Jahr wieder durch die Schweiz. Am Freitagabend tritt er anlässlich der Messe Swiss Handicap in Luzern auf.

Guy Landolt, Sie präsentieren ein ganzes Comedy-Programm zum Thema Schlaganfall. Kann man darüber überhaupt lachen?

Natürlich konnte ich am Anfang nicht darüber lachen. Mein ganzer Humor war weg und kam erst allmählich wieder zurück. Zwei Jahre nach dem Schlaganfall begann ich, meine Erlebnisse – beispielsweise in der Reha – aufzuschreiben. Und weil ich ja Komiker bin, tat ich das auf humoristische Art. 

Wie reagiert das Publikum auf den «neuen» Guy Landolt?

Bei der Premiere blieb vielen Leuten erst einmal die Spucke weg. Sie wussten nicht, wie sie reagieren sollen. Deshalb ist es wichtig, dass ich ihnen gleich zu Beginn quasi die Erlaubnis gebe zu lachen. Die Leute sollen kein Mitleid haben, sondern einen schönen Abend geniessen. Wichtig ist mir auch: Ich mache keine Witze über Schlaganfall-Patienten, sondern über meine eigenen Erlebnisse. Viele Zuschauer, die Ähnliches erlebt haben, sind sehr dankbar, dass ich dieses Thema aufgreife. 

Komiker müssen schnell reden können und sehr schlagfertig sein. Wie gelingt Ihnen das heute?

Man merkt mir beim Reden an, dass ich einen Schlaganfall hatte: Ich spreche viel langsamer als früher. Doch es gelingt mir zunehmend besser – auf der Bühne sogar noch besser als im Alltag. Lustig ist auch: Wenn ich alte Videos von mir anschaue, merke ich, dass ich früher viel zu schnell geredet habe. In Wahrheit finden es die Leute nämlich angenehmer, wenn man auf der Bühne etwas langsamer spricht und ihnen ab und zu eine Pause zum Nachdenken gönnt.

Dann funktionieren gewisse Dinge heute sogar besser als früher?

Ein Schlaganfall hat zwar kaum etwas Positives. Doch das Redetempo ist zumindest ein positiver Effekt.

Hat sich die Art Ihres Humors durch den Schlaganfall verändert?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass sich der Humor verändert hat. Die Themen sind einfach anders.

Sie stehen am Anfang Ihres Comebacks. Welche längerfristigen Ziele haben Sie als Komiker?

Nach einer so langen Bühnenpause gilt man fast wieder als Newcomer und muss sich neu hoch arbeiten. Mein Ziel ist, mit dem aktuellen Programm drei Jahre lang aufzutreten. Was danach kommt, werden wir sehen.

Messe Swiss Handicap: 29./30. November in der Messe Luzern (Allmend). Guy Landolt tritt an der Swiss Handicap Night am Freitag ab 18 Uhr auf (Halle 1, Eintritt frei). Mehr Informationen: www.swiss-handicap.chwww.guylandolt.ch