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GYMNASIEN: Auslandjahr hilft erwachsen werden

Austauschjahre sind bei Mittelschülern beliebt. Dabei gelten aber bei den Gymnasien ganz unterschiedliche Richtlinien.
Auf in die weite Welt: Doch die Bedingungen, dass ein Luzerner Kantischüler ein Austauschjahr machen kann, unterscheiden sich von Schule zu Schule. (Bild: Getty)

Auf in die weite Welt: Doch die Bedingungen, dass ein Luzerner Kantischüler ein Austauschjahr machen kann, unterscheiden sich von Schule zu Schule. (Bild: Getty)

Susanne Balli

Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. «Mittelschülerinnen und Mittelschüler, die sich für ein Auslandjahr entscheiden, müssen eine grosse Portion Mut aufbringen.» Dies sagt Marco Stössel, Prorektor der Kantonsschule Musegg, Luzern. Wie an den sieben weiteren Gymnasien im Kanton Luzern besteht an der Kantonsschule Musegg die Möglichkeit, die Ausbildung für ein Jahr zu Gunsten eines Auslandaufenthaltes zu unterbrechen. Dabei hat jede Kantonsschule ihre eigenen Richtlinien und führt ihre eigene Statistik über die Anzahl Schüler, die ein Austauschjahr machen. Eine kantonale Übersicht gibt es nicht.

Mundpropaganda

An der Kantonsschule Alpenquai, Luzern, unterbrechen jedes Schuljahr rund 20 bis 25 Schüler die reguläre Mittelschulzeit zu Gunsten eines Auslandjahres. Laut Prorektor Markus T. Schmid passiert dies in der Regel nach der vierten Klasse des Langzeitgymnasiums. Ein Jahrgang umfasst rund 300 Schüler. Auf den Jahrgang gerechnet, absolvieren also gegen 7 Prozent nach der vierten Klasse ein Auslandjahr. Den relativ hohen Anteil begründet Schmid mit der Erfahrung von Schülern, die bereits ein Auslandjahr absolviert haben. «Durch sie kommen auch andere auf den Geschmack.»

An der Kanti Musegg, die als Kurzzeitgymnasium geführt wird, wird der Auslandaufenthalt in der Regel nach der zweiten Klasse eingeplant (dies entspricht derselben Stufe wie die vierte Klasse beim Langzeitgymnasium). «Pro Jahrgang entscheiden sich bei uns durchschnittlich 5 bis 8 von zirka 130 Schülerinnen und Schülern für ein Auslandjahr», sagt Prorektor Marco Stössel. Laut Stössel dürfen alle, die wollen, ein solches Zwischenjahr einlegen, unabhängig vom Leistungsniveau. «Ein Auslandjahr tut speziell jenen gut, die vielleicht nicht so leistungsstark sind», sagt er. Denn neben der Verbesserung von Sprachkenntnissen helfe es, erwachsen zu werden, Entscheidungen selber zu fällen, Eigenständigkeit ins Leben zu bringen und sich abzunabeln.

Rückkehr in eine neue Klasse

Wer sich an der Kanti Musegg für ein Jahr im Ausland entscheidet, muss nach seiner Rückkehr dort einsteigen, wo er aufgehört hat, also nicht mehr in seiner ursprünglichen Klasse. «Eine Klasse zu überspringen, ist bei uns nicht möglich, denn das Ziel ist es, dass die Schüler die Matura schaffen.» Die Lehrpläne und Fächer seien im Ausland zu unterschiedlich. «Wir prüfen derzeit aber, ob es möglich ist, nach einem Zwischenjahr innerhalb der Schweiz, zum Beispiel im Welschland, danach eine Klasse zu überspringen und wieder in die ursprüngliche Klasse zu gehen. Denn das Anforderungsniveau ist schweizweit ähnlich», so Stössel.

Auch Schüler der Kanti Alpenquai knüpfen nach der Rückkehr dort an, wo sie aufgehört haben. «Dass jemand eine Klasse überspringen kann, ist die grosse Ausnahme. Da muss die schulische Leistung schon aussergewöhnlich stark sein», sagt Prorektor Markus T. Schmid.

Ähnlich sieht es auch bei der Kantonsschule Sursee aus, die das Lang- und das Kurzzeitgymnasium sowie die Fachmittelschule anbietet. Sehr gute Schüler der 3. Klasse, die beim Verlassen der KS Sursee über einen Notendurchschnitt von 5,0 oder mehr verfügen, können bei ihrer Rückkehr die vierte Klasse überspringen. Allerdings müssen sie den verpassten Stoff selbstständig aufarbeiten und allenfalls nach der Rückkehr Prüfungen in einzelnen, vor dem Austauschjahr festgelegten Fächern ablegen. Wie Rolf Wirth, Prorektor Mittelstufe der KS Sursee, sagt, ist das Überspringen der vierten Klasse eher die Ausnahme.

Bei einem Notendurchschnitt unter 4,5 rät die KS Sursee von einem Austauschjahr ab. «Für leistungsschwächere Schüler ist es nach einem Auslandjahr eine grosse Herausforderung, wieder den Anschluss zu finden», so Wirth. Pro Jahr unterbrechen an der Kanti Sursee zwischen 10 und 20 Schüler die Mittelschule zu Gunsten eines Auslandjahres. Wobei das Interesse von Jahr zu Jahr schwanke. Besonders beliebt ist laut Wirth derzeit das Ziel USA. «Weniger beliebt sind hingegen französischsprachige Ziele», sagt er. Dass die USA auf der Beliebtheitsskala derzeit hoch oben stehen, bestätigt auch der Prorektor der Kanti Musegg, Marco Stössel. «Es gibt selten auch Schülerinnen und Schüler, die beispielsweise nach Japan gehen.»

Für die Organisation des Auslandaufenthaltes sind die Schüler und deren Eltern respektive ein frei gewählter Anbieter von Austauschjahren zuständig. Und solche Anbieter gibt es en masse. Nicht alle sind gleichermassen empfehlenswert, sagt Guido Frey, Geschäftsführer von Intermundo, dem Schweizerischen Dachverband zur Förderung von Jugendaustausch. «Organisationen, die Intermundo angegliedert sind, müssen rund 50 Kriterien in Bereichen wie Begleitung, Sicherheit und Kostentransparenz erfüllen und nicht gewinnorientiert arbeiten, um von uns zertifiziert zu werden», so Frey.

Weitreichende Veränderungen

Wer aber eignet sich für ein Auslandjahr? «Jemand, der noch nie eine Woche von zu Hause weg war, wird möglicherweise mit einem ganzen Jahr im Ausland Mühe haben», so Frey. Häufig sei der erste Antrieb für ein Auslandjahr das Erlernen oder Verbessern einer Fremdsprache. «Während des Austauschs stehen dann vor allem persönliche Kompetenzen im Vordergrund. Die Austauschschüler lernen, Entscheide zu treffen, werden kreativer, entschlussfreudiger», sagt Frey. Intermundo erarbeitet derzeit eine Übersicht über die Wirkung von Auslandaufenthalten. «Dabei zeigt sich, dass schwächere Schüler überdimensional von einem Austausch profitieren.»

Stattliche Kosten

Für ein Auslandjahr empfiehlt Intermundo eine sorgfältige Vorbereitung. Nicht unerheblich sind die Kosten, welche auf die Eltern zukommen, wenn ihr Sprössling ein Jahr ins Ausland will. «Je nach Destination und Wahl der Schule muss mit mindestens 8000 bis 10 000 Franken gerechnet werden», so Frey. Ein stattlicher Betrag und sicherlich für zahlreiche Eltern nicht finanzierbar. Frey: «Es gibt immer wieder Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren, sei es über Stipendien auf kantonaler Ebene oder über extra dafür eingerichtete Stiftungen und Fonds. Interessierte können sich bei den jeweiligen Organisationen danach erkundigen.»

Hinweis

www.intermundo.ch

Berichte von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Musegg über ihre Erfahrungen im Auslandsjahr finden Sie unter

www.luzernerzeitung.ch/bonus

Link: ksmusegg.ch/kzg__stud_auslandaufenthalt.html

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