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Hacker-Angriff auf Ebikoner Wasserversorgungssystem: «Es kam zum mehreren Tausend bösartigen Anfragen»

Ende November wurde das System der Wasserversorgung Ebikon gleich tausendfach gehackt. Der Angriff konnte erfolgreich abgewehrt werden. Kein Einzelfall, wie sich zeigt.

Sandra Monika Ziegler
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Hacker versuchten das digitale Leitungsnetz der Wasserversorgung Ebikon lahmzulegen. (Symbolbild: Getty)

Hacker versuchten das digitale Leitungsnetz der Wasserversorgung Ebikon lahmzulegen. (Symbolbild: Getty)

Die Wasserversorgung Ebikon versorgt rund 26'500 Personen aus den Gemeinden Adligenswil, Buchrain, Dierikon, Ebikon und Perlen mit Trinkwasser. Diesen September wurde das Leitungssystem digitalisiert. Mit den eingebauten Bodensensoren werden jetzt Lecks schneller lokalisiert und erkannt.

Die Reaktionszeit vermindert sich dadurch, und Leitungsbrüche können innert einer Woche repariert werden. Bei einem Leck können so Wasserverluste und die damit verbundenen Kosten weiter verringert werden, wie die Gemeinde im September mitteilte. Doch genau dieses digitalisierte Leitungsnetz wurde Ende November Ziel mehrerer Hackerangriffe. «Es kam zum mehreren Tausend bösartigen Anfragen. Die Analyse zeigte, dass sie aus London und Korea stammten», erklärt der Ebikoner Mediensprecher Roland Beyeler und fügt an: «Unser IT-System hat den Angriff sofort abgewehrt.» Es habe zu keiner Zeit die Gefahr einer Unterbrechung der Wasserversorgung bestanden, so Beyeler weiter.

Gründe für Angriff sind unklar

Zur Frage was denn die Motivation eines solchen Hackerangriffes sein könnte, sagt Beyeler: «In der Regel sind das kriminelle Machenschaften, die irgendwo in der Welt gestartet werden. Bei unserem Fall wurden sie in London und Korea lokalisiert.» Was genau mit dem Angriff angerichtet werden sollte, ist unklar. Beyeler kann nur vermuten: «Damit sollte vielleicht die Wasserversorgung lahmgelegt oder ein Alarm ausgelöst werden. Hacker versuchen oft ein System zu schädigen, um dann Lösegeld zu fordern.» Doch soweit kam es in Ebikon glücklicherweise nicht.

Oft sei den Hackern gar nicht bewusst, in welcher Umgebung sie aktiv sind, meint Beyeler. Im Fall der Wasserversorgung Ebikon wäre aber mit der Lahmlegung des Sensorsystems nichts Gravierendes geschehen. «Fällt das digitalisierte Netz aus, dann hätten wir die Wasserversorgung wieder – wie vor der Digitalisierung – manuell regeln können.»

Über digitale Systeme mit Bodensensoren verfügt auch die Wasserversorgung Zürich. Auch sie wurden Opfer einer Hackerattacke. Und auch hier war diese ohne Erfolg, weil sie abgewehrt werden konnte. Auch Energie Wasser Luzern (EWL) verfügt über dieses System. In Tests wurde geprüft, ob ein Hackerangriff abgewehrt werden könnte – und es funktionierte.

Wasserversorgung stösst auf Interesse

Die Wasserversorgung Ebikon stösst aber auch auf «gutartige» internationale Interessen. Eine Delegation aus Dänemark hat letzte Woche die Gemeinde besucht. Besonderes Interesse weckte beim Besuch die Technik beim Wasserreservoir Ottigenbühl, das technisch auf dem neuesten Stand ist. Roland Beyeler: «Der dort produzierte hohe Wasserdruck von zehn bar hat die Dänen besonders beeindruckt. Denn in Dänemark wird mit den zwanzig Meter hohen Wassertürmen ein maximaler Druck von nur etwa zwei bar erreicht.»