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«Häbigoal» kickt sich in ein neues Leben

Vor drei Jahren flüchtete der Afghane Habib von seiner Heimat in die Schweiz. Der junge Mann hat diszipliniert gelernt und diesen Sommer seine Lehre abgeschlossen. Doch Wille und Disziplin alleine hätten ihn wohl nicht so weit gebracht.
Martina Odermatt
Der Afghane Habib hat sich auch durch den FC Sempach in die Schweiz integriert. Bild: Dominik Wunderli (20. Juni 2018)

Der Afghane Habib hat sich auch durch den FC Sempach in die Schweiz integriert. Bild: Dominik Wunderli (20. Juni 2018)

Im roten Dress rennt er über den Fussballrasen, auf dem Rücken die Nummer 10, oberhalb dieser steht in weissen Lettern der Name «Häbigoal». Auf dem Platz dribbelt aber nicht etwa ein Herr Habermacher, wie man aufgrund des Namens denken könnte. «Häbigoal» ist Habib. Ein Afghane, der vor drei Jahren in die Schweiz kam und sich hier ein neues Leben aufgebaut hat – auch dank der Unterstützung des lokalen Fussballclubs. Seine Geschichte zeigt: Integration erfordert Wille und Engagement – von Flüchtlingen und Einheimischen.

Habib flüchtete vor drei Jahren in die Schweiz. In seinem Heimatland machen sich verschiedenste Gruppierungen das Land streitig. Den Durchblick hat man schon lange niemand mehr. Mit 17 Jahren entscheidet sich Habib für die Flucht – und landet später in einem Asylzentrum in Sempach. Der Jugendliche will nicht den ganzen Tag im Heim verbringen, Kontakt zu anderen Afghanen sucht er nur spärlich. Bei der Caritas fragt er nach, ob er mit dem FC Sempach Fussball spielen dürfe. Er darf.

Vom Flüchtling zum Lehrabgänger

Einige Tage später steht Habib mit den Fussballern des FC Sempach auf dem Rasen. «Wir erhalten oft Anfragen von Flüchtlingen und trainieren mit ihnen», sagt Trainer Renato dos Santos. Doch Habib sei anders gewesen als andere Flüchtlinge. Er habe sich schnell in die Gruppe eingefügt, habe sich immer wieder erkundigt, wie es den Fussballern gehe, und das obwohl seine Sprachkenntnisse zu Beginn noch kaum vorhanden waren. «Das war schon aussergewöhnlich.» Auch der unbändige Wille, die Sprache zu lernen, beeindruckt die Fussballer.

Die Art des Afghanen kommt an. Bald bringen FC-Mitglieder und Freunde Taschen mit Fussballschuhen und -trikots auf den Platz und kleiden den Jugendlichen ein. Die Freude und Überraschung bei Habib ist riesig. Doch bei den Kleidern sollte es nicht bleiben. Die Spieler merken, wie gross Habibs Wille ist, in der Schweiz Fuss zu fassen. «Ich will einfach nicht von der Sozialhilfe abhängig sein», sagt er. Also büffelt er Deutsch-Vokabeln. Die Mutter eines Spielers unterrichtet ihn fortan regelmässig. Jeden Sonntag lernt er zusätzlich zwei Stunden Deutsch. Durch seine Fussball-Kollegen erhält Habib die Möglichkeit, Schnupperlehren zu absolvieren, findet eine neue Wohnung.

Regierung will Dialog stärken

Guido Graf, Regierungspräsident und Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements, hatte vor einem Monat zum «Luzerner Dialog Sportpolitik» eingeladen. Dieser soll den Austausch zwischen Sportvereinen, Institutionen und Behörden fördern. Ziel ist es, die Luzerner Sportvereine zur Integration von Migranten zu motivieren. Zahlreiche Vereine verfügen bereits über ein Integrationskonzept und nehmen damit ihre Vorreiterrolle ein.

Unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten müsse es das Ziel sein, allen Menschen den Zugang zu Sport zu ermöglichen, sagte Graf. So wurde etwa der SC Kriens gelobt, der seit über zwei Jahren verschiedene Mannschaften mit jungen Asylsuchenden hat. Die Erfahrungen seien durchwegs positiv, sagte SCK-Präsident Werner Baumgartner. Man biete jungen Asylsuchenden so eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und ermögliche ihnen Kontakt mit anderen jungen Menschen. (mod)

In den vergangenen Tagen erhielt er sein Fähigkeitszeugnis. Seine Lehre als Detailhandelsassistent hat er bestanden. Seinen Kollegen ist der Flüchtling aus Afghanistan dankbar. Er sagt, ganz schweizerisch: «Ohne Vitamin B geht es nicht.»

Vollwertiges Teammitglied und Freund

Doch auch die Fussballer konnten von «Häbigoal» lernen. «Wir sind sicher sensibilisiert worden bezüglich der ganzen Flüchtlingsthematik», sagt Spieler Martin Helfenstein. Und sie hätten gemerkt, dass es für eine gelungene Integration die Bereitschaft von beiden Seiten brauche. Oft hätten sie sich gefragt, wieso Flüchtlinge nur ein oder zwei Mal im Training erschienen sind und dann nicht mehr. «Heute wissen wir, dass sie wohl einfach in ein anderes Heim transferiert wurden und sich den Weg ins Training nicht mehr leisten können.» Auch «Häbigoal» wurde – bevor er seine eigene Wohnung beziehen konnte – von Sempach in die Agglomeration Luzern versetzt. Den Weg zum Training nahm er trotz der Kosten auf sich. Mittlerweile ist er nicht mehr nur ein «Flüchtling», der ab und zu mittrainiert, sondern ein vollwertiges Teammitglied und ein Freund der Fussballer. Auch sein Bruder hat in der Zwischenzeit den Weg in die Schweiz gefunden und trainiert beim SC Kriens (siehe Box).

Künftig will Habib im Verkauf arbeiten. «Wie ich das früher zu Hause auch gemacht habe», sagt er und strahlt. Ein Gefühl des Zuhauseseins – in der neuen Heimat.

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