HÄMIKON: Die Bannerzunft Hämikon-Müswangen gibt Gas beim Wagenbau

Die Bannerzunft Hämikon-Müswangen gibt auch nach einem halben Jahrhundert weiter Vollgas. Viel Leidenschaft stecken die Fasnächtler in den Wagenbau. Obwohl sie immer wieder fremdgehen, zelebrieren sie gewitzt ihren eigenen Umzug.
Christian Amhof von der Bannerzunft Hämikon-Müswangen und Charly Spielhofer (Präsident der Zunft) vor dem diesjährigen Umzugswagen. (Bild: Pius Amrein / Luzerner Zeitung (Luzern, 5.2.2018))

Christian Amhof von der Bannerzunft Hämikon-Müswangen und Charly Spielhofer (Präsident der Zunft) vor dem diesjährigen Umzugswagen. (Bild: Pius Amrein / Luzerner Zeitung (Luzern, 5.2.2018))

Wenn Zunftrat-Präsident Charly Spielhofer in Fahrt kommt, ist er kaum mehr zu bremsen. Ob am Telefon, in der Linde zu Müswangen oder später bei der Präsentation des diesjährigen Zunftwagens: Charly ist im Element. «Das macht Freude», schwärmt er, rollt locker und aufgeräumt durch die fünfte Jahreszeit.
Bereits im sechsten Jahr präsidiert der 63-Jährige die Bannerzunft Hämikon-Müswangen. Zusammen mit seinen sechs Zunftratskollegen ist er verantwortlich dafür, dass auf dem Lindenberg, an der Grenze zum Freiamt, der Fasnachtsvirus auch grassiert.

Am Anfang waren die Jasskarten

Der Gedanke, eine Zunft zu gründen, geht ins Jahr 1960 zurück. Doch damals war die Zeit noch nicht reif. Die eigentliche Gründungsversammlung fand daher erst rund sechs Jahre später, am 19. November 1968 in der Linde Hämikon statt. Dabei waren 40 Zünftige, sieben Zunfträte und der erste Präsident Vinzenz Lang. Der erste Zunftvater hiess Josef Amhof. Aktuell zählt die Bannerzunft Hämikon-Müswangen 188 Mitglieder. Wie aktiv sie unterwegs ist, zeigen auch die Bande zu fast einem Dutzend Gast- und Freundschaftszünften. Zu denen bestehen teilweise jahrelange, persönliche Beziehungen.

Der Name hat den Ursprung, wie unschwer festzustellen ist, bei den Jasskarten. Wobei diese Banner «d Hämiker Musig» symbolisieren. Sie sorgte vor etlichen Jahren mit vier Geigen für Unterhaltung. Beim Jassen sind die «vier Banner» in der Ostschweiz im Volksmund auch als «Hämiker Musig» oder als vier Geiger bekannt. Im Gründungsjahr wurden unter dem Motto «Milch und Ponywirtschaft» bereits zehn Fasnachtswagen gebaut. Diese Aktivität entwickelte sich für die Bannerzunft in der Folge zu einer richtigen Erfolgsgeschichte.

«Aktuell ist jedes zweite Jahr für uns ein sogenanntes Umzugsjahr», sagt Charly Spielhofer. Dazu hat die Zunft fünf aktive Wagenbaugruppen. Einige Wochen vor Fasnachtsbeginn werden die Themen an einer Sitzung diskutiert und bestimmt. So ein halbes Dutzend Sujets werden jeweils an den Fasnachtsumzügen im Michelsamt – Beromünster, Neudorf und Hildisrieden wechseln sich hier ab – und in Hochdorf dem Publikum präsentiert. «Wobei dieser für uns ein absolutes ‹Muss› ist», sagt Charly Spielhofer. Es kämen auch immer wieder Besucher, «um speziell unsere Wagen zu sehen.»

Die Zünftler, die regelmässig fremdgehen

Ausser dem Kinderumzug vom Güdismontag in Hämikon kennt die Bannerzunft keinen eigenen Umzug. Deshalb geht sie nicht nur «fremd», sie zelebriert am Güdisdienstag sogar ihren eigenen Corso. Von Müswangen, über Hämikon, nach Hitzkirch, führt der Weg in einer Zusatzschlaufe Altwis–Ermensee wieder zurück nach Hitzkirch. Gelfingen, Baldegg, Kleinwangen und Hohenrain sind weitere Destinationen. Dort wird jeweils das Mittagessen eingenommen, bevor es nach Hochdorf an den «grossen» Umzug geht. «Wir verstehen uns als Zunft vom unteren Seetal», begründet Christian Amhof, seines Zeichens bei der Ausgabe 2018 mit seiner Gemahlin Monika noch als Weibelpaar II unterwegs, die Routenwahl. Diese Fahrt sei stets ein absolutes Highlight, verbunden mit viel Herzklopfen, betont Spielhofer. Damit der Umzug neben dem «normalen» Verkehr seinen Platz findet, wird er jeweils an der Spitze und am Schluss durch zwei Fahrzeuge eskortiert. Zudem ist eine verkehrsleitende Gruppe mit von der Partie. «Und wir müssen für diese Fahrt selbstverständlich eine Bewilligung lösen», weiss Spielhofer. Es sei ihnen sehr wichtig, dass die Fasnachtskultur im unteren Seetal gelebt und gemeinsam mit den vier Guuggenmusigen gepflegt werde. Die Bannerzunft hofft, mir ihrem Engagement auch die jungen Fasnächtler zu begeistern und sie «für unsere Zunft gewinnen zu können», erklärt Amhof.

Im Zwischenjahr 2018 wird die Bannerzunft «nur» mit dem Zunftwagen, mit dem vom Zunftpaar Felix und Rosmarie Näf gewählten Motto «Stars und Sternchen», unterwegs sein. Doch auch dieses Gefährt ist nicht ohne. Inklusive einem Anhänger wird es rund 18 Meter lang sein. Zehn bis 15 Personen haben seit anfangs Januar 300 bis 400 Stunden daran gearbeitet. «Das wird wieder eine Bombensache», ist Spielhofer überzeugt. 50 bis 60 Personen auf, vor oder neben dem Wagen begleiten das Zunftpaar. «Auf den Strassen von Hildisrieden und Hochdorf werden die Besucher einen Hauch von Hollywood in all seinen Facetten erleben», blickt der Zunftratpräsident freudig voraus.

Die Alters- und Schulfasnacht in Hämikon respektive in Müswangen, der Jubiläumsball 40 Jahre Guuggenmusig Mü Ha-Rangers, Schrecklech Sonntig in Hitzkirch oder die Uslumpete sind weitere Fixpunkte der Fasnächtler vom Lindenberg. Der Zunftball und das 50-Jahr-Jubiläum seien absolute Höhepunkt gewesen, so Spielhofer. Daran werde kostümiert oft noch maskiert teilgenommen, weiss Amhof. Die dabei stattfindende Maskenprämierung hat auch bis in die «Fasnachtsneuzeit» überdauert. Ganz im Gegensatz als der Zunftball noch zeitgleich in den «Linden» von Hämikon und Müswangen stattfand und die Post richtig abging. Ein Shuttlebus fuhr die Besucher hin- und her. Diese Zeiten sind vorbei. Nachtrauern will ihr Spielhofer nicht. Im Gegenteil: Er geniesst inmitten der Bannerzunft die rüüdigen Tage – den Fuss stets auf dem Gaspedal.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.