HÄMIKON: Seine Musik kennt praktisch jeder Sportfan

Im Fernsehen läuft Paul Etterlins Musik fast rund um die Uhr und er steht oft mit Stars im Studio. Doch er selbst bleibt stets im Hintergrund.

Roger Rüegger
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Vollblutmusiker: Paul Etterlin in seinem Heimstudio in Hämikon. (Bild Corinne Glanzmann)

Vollblutmusiker: Paul Etterlin in seinem Heimstudio in Hämikon. (Bild Corinne Glanzmann)

Paul Etterlin ist im wahrsten Sinn des Wortes mittendrin statt nur dabei. Tönt zwar nicht sehr originell, da den Werbeslogan des Deutschen Sportfernsehens DSF ja viele verwenden – Immobilienfirmen, Buchautoren und sogar die Universität Luzern. Doch für Etterlin ist es nicht bloss Phrase: Der Gitarrist aus dem Seetal ist beim DSF, das seit 2010 Sport1 heisst, involviert und daher dem Ursprung des Gedankens nahe – eben «mittendrin».

«Mittendrin» heisst auch der aktuelle Song des 54-jährigen Musikers aus Hämikon. Eingespielt hat er diesen im letzten Juli mit Mitgliedern der Band von Pink und Billy Idol. «‹Mittendrin› ist die neue Erkennungsmelodie des Senders. Ich singe dieses Mal ausnahmsweise auf Deutsch», erklärt Etterlin, dessen Gesang zuweilen an Bon Jovi erinnert.

Jingles der GP-Rennen

Sport1-Zuschauer oder Sport1.fm-Zuhörer kennen Etterlins Song vermutlich, auch wenn ihnen der Name des Interpreten kaum bekannt ist. «Sequenzen des Stücks werden häufig eingespielt. Manchmal nur 5 Sekunden, oft aber auch eine Minute oder mehr. Ziel des Jingles ist es, dass man beim Anspielen sofort an den Sender erinnert wird», sagt Etterlin nicht ohne Stolz.

Aktuell hört man die Melodie etwa bei NFL-Playoff-Spielen (American Football) auf dem Pay-TV-Kanal Sport1 US. Nämlich immer dann, wenn die Partie kurz unterbrochen wird, was bei diesem Sport oft der Fall ist. Aufmerksamen TV-Zuschauern dürfte beim Einspielen des Songs der jeweils unten rechts am Bildschirm eingeblendete Name des Interpreten nicht entgangen sein: eben Paul Etterlin. Das wird in der Nacht von Sonntag auf Montag beim Superbowl wieder der Fall sein. Auch der Track «Silver Machines» ist von Etterlin. Dieser Song wird jeweils im Zusammenhang mit den Moto-GP-Rennen eingespielt, und dürfte vielen Motorradfans bestens bekannt sein.

Auftrag liegt auf der Hand

Wie aber kommt der Musiker aus dem Seetal, der national einen nicht sehr hohen Bekanntheitsgrad geniesst, obwohl er mit 15 veröffentlichten Alben einer der fleissigsten und produktivsten Künstler des Landes ist, zu einem solchen TV-Engagement? Etterlin: «Der Sender gehört der Constantin-Medien AG, bei der ich als Musiker unter Vertrag bin.» So liege es auf der Hand, dass er als Inhouse-Musiker den Auftrag erhalten habe, den Song aufzunehmen. Der Luzerner Musiker konzentriert sich derzeit auf sein neues Album. Ausserdem produziert er für Sport1 weitere Erkennungsmelodien. «In den Semesterferien kann ich mich voll meinen Projekten widmen», sagt Etterlin, der in einem 60-Prozent-Pensum an der Pädagogischen Hochschule Luzern angehende Musiklehrer unterrichtet.

Rocken und Rollen

Sein Arbeitsplatz befindet sich im Keller seines schmucken Hauses in Hämikon. Dort hat er sich ein Studio eingerichtet. An einer Wand sind ein gutes halbes Dutzend Gitarren aufgereiht. Daneben stehen Verstärker, Mischpult, Computer und eine ganze Reihe weiterer Geräte, deren Technik und Funktion für den Laien nicht einfach so erkennbar sind. An den Wänden zeugen Poster aus den 80er-Jahren von seiner Aktivität als Rockmusiker. Etterlin lebt für und von der Musik. Davon habe er schon als Schüler in Hitzkirch, seiner Heimatgemeinde, geträumt. «In den 60er-Jahren waren viele Typen mit langen Haaren und Gitarren im Seminar. Die wohnten bei den Leuten im Dorf. Für mich war klar, dass ich auch ins Semi gehen werde. Ich wollte einer von denen sein», sagt Etterlin.

Ziel noch nicht erreicht

So geschah es. Er nahm klassischen Gitarrenunterricht, spielte in einer Schülerband, gründete später die Rockband Angelheart, jene auf erwähnten Postern, und machte sich einen Namen als Studiomusiker. Er hat den Song der Schweizer Delegation für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver geschrieben und er ist auf zahlreichen Alben von Musikern und Sängerinnen aller Stilrichtungen vertreten. So hat er mit Francine Jordi oder Beatrice Egli gespielt. Allerdings nur im Studio. «Eine Tour kommt für mich nur mit einigen wenigen Musikern in Frage», betont Etterlin. Etwa mit der Formation Bündnerfleisch, mit der Etterlin regelmässig auf der Bühne steht. Sein Ziel, von der Musik zu leben, hat Etterlin erreicht. «Wenn ich sehe, wie viele meiner ehemaligen Musikerkollegen heute nicht mehr spielen, bin ich mehr als zufrieden mit meiner Situation.» Dennoch sei er nicht an dem Punkt angelangt, von dem er schon als Bub geträumt habe. «Ich wollte zwar immer selber Songs spielen – aber ich wollte natürlich auch berühmt werden.» Seine Melodien zumindest haben sich längst in den Ohren vieler festgesetzt.

Paul Etterlins Song «Mittendrin» hören Sie auf: www.luzernerzeitung.ch/bonus