Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HALLOWEEN: Wenn Geister in Luzern wandeln

Heute Nacht ist Halloween. Bekannt ist dieser Brauch aus den USA. Doch auch der Kanton Luzern hat eine uralte Geistertradition.
Andreas Bättig
Kurt Lussi, Experte über Geistersagen, im Historischen Museum.Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 27. Oktober 2016)

Kurt Lussi, Experte über Geistersagen, im Historischen Museum.Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 27. Oktober 2016)

«Süsses oder Saures?» In der Nacht auf den ersten November ziehen in den USA wieder Millionen Kinder von Haustür zu Haustür, um diesen Satz zu sagen. Entweder sie erhalten Süssigkeiten, oder es wird ein Streich gespielt. Es ist nämlich Halloween. Auch in Luzern erfreut sich Halloween immer grösserer Beliebtheit: Mehrzweckhallen werden zu Party-Gruselhöhlen.

Doch der Brauch wird auch kritisiert. Sätze wie «Das gehört nicht zur Schweizer Tradition!» oder «Müssen wir alles von den Amerikanern übernehmen?» werden in den Kommentarspalten zu Halloween-Berichten gerne verfasst. Gehört aber Halloween tatsächlich nicht zu unserer Tradition? Nicht ganz. «Seine Wurzeln hat Halloween nicht im heutigen Amerika, sondern in den keltischen und germanischen Vorstellungen vom Umherirren der ruhelosen Toten am Übergang vom alten zum neuen Jahr», sagt Kurt Lussi, Konservator für Volkskunde im Historisches Museum Luzern. Am 31. Oktober ging nämlich das keltische Jahr zu Ende. «Es war die Zeit, in der die Toten von den Lebenden Abschied nehmen und die Reise ins Jenseits antreten mussten», so Lussi. Anders als heute stand jedoch beim keltischen Totengedenktag nicht der Schrecken im Vordergrund, sondern die Sorge um das Heil der Ahnen. «Halloween war also ein Fest für die Toten und nicht gegen sie. Es sollte ihnen den Übergang vom Diesseits ins Jenseits erleichtern.»

Vom Toten-Gedenken zum Partygag

Mit der Einführung des Christentums ist das keltische Totenfest durch Allerheiligen ersetzt worden. «In der Innerschweiz ist es Sitte, an Allerheiligen Kerzen auf die Gräber zu bringen und im Haus Öllampen aufzustellen», sagt Lussi. Auch im angelsächsischen Raum konnte sich der Lichterbrauch halten. Allerheiligen heisst dort «All Hallows’ Day». «All Hallows Eve» heisst der Abend davor. Daraus entstand das sprachlich abgekürzte «Halloween». «Mit der Besiedelung Amerikas durch Iren und Briten kam das keltische Totenfest im 19. Jahrhundert in die USA», sagt Lussi. Und von dort kehre Halloween nun wieder nach Europa zurück. «Halloween ist jedoch zu einem Party-Gag geworden. Kaum einer weiss über dessen Ursprung Bescheid», so Lussi. Und: «Viele wissen ja auch nicht mehr, dass wir hier im Kanton Luzern eine eigenständige, sehr alte Geisterkultur haben.»

So fand man beispielsweise in einem Bauernhaus in Altbüron an der Wand ein altes Pentagramm, also einen fünfzackigen Stern, der dazu diente, negative Energien, auch Geister, abzuwehren. Auf dem Ämmerberg in Ruswil weiss Lussi eine Geschichte um eine mysteriöse Metalltafel zu erzählen, die in einem Bauernhaus hing. Auf der Tafel ist noch heute der Name Melchior Schenker zu lesen. Möglicherweise der Name eines ehemaligen Bewohners des Bauernhauses. Nach familiären Streitigkeiten habe der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Haus erhängt. Nur wenige Jahrzehnte später berichteten Kinder, dass sie immer wieder von einem Geist heimgesucht würden. Der Grund: Um den Geist von Melchior Schenker zum Ruhen zu bringen, wurde im Haus diese Metalltafel aufgehängt. Die Tafel war aber in der Zwischenzeit entfernt worden. «Erst als die Metalltafel wieder an der Wand war, verschwand auch der Spuk», so Lussi. Die Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende.

Vor vielen Jahren wollte ein Geschäftsmann dieses Bauernhaus kaufen. Weil er nichts mit der Metalltafel an der Wand anfangen konnte, nahm auch er sie von der Wand und schenkte sie dem Museumskonservator. Das hätte er lieber bleiben lassen. «Danach passierten unerklärliche Dinge», sagt Lussi. Die Zufahrtsstrasse sei abgerutscht, der Brunnen vor dem Haus versiegt. Zudem sei der Teil des Hauses, wo die Tafel hing, eingestürzt. «Das Bauernhaus musste abgerissen werden. Heute ist nur noch die Tafel übrig», erzählt Lussi.

Kreuze als Schutz vor dem Seelenzug

Im Luzerner Hinterland immer wieder anzutreffen seien auch viele doppelbalkige Kreuze. Zum Beispiel in Sigigen bei Ruswil. Die Kreuze sind gemäss Lussi dort aufgestellt worden, wo sich die Strasse mit einem Geisterzug kreuzt. «Früher glaubte man, dass sich die verstorbenen Seelen zu bestimmten Zeiten sammeln, um dann gemeinsam ins Jenseits zu brausen.» Wer diesen Seelenzug kreuze, dem drohe Ungemach. Das doppelbalkige Kreuz diene dazu, die negative Kraft des Zuges zu brechen, um so sicher der Strasse entlang fahren zu können.

Wie bei vielen übernatürlichen Phänomenen gibt es für den Glauben an den Geisterzug aber eine natürliche Erklärung. «Das stürmische Brausen steht für den starken Westwind, der nicht selten Regen oder Schnee bringt. Wenn er weht, erzeugt das Dachgebälk der alten Bauernhöfe oft ein Pfeifen, das für das Heulen der Geister gehalten wurde», erklärt Lussi. Der Wind wurde zur Manifestation höherer Mächte.

Viele übersinnliche Phänomene haben laut Lussi einen erklärbaren Ursprung. Magnetfelder, die wahrgenommen werden, zum Beispiel. Also ist alles nur Aberglaube? «Aberglaube gibt es für mich nicht», sagt Lussi. «Denn dieses Wort beinhaltet eine negative Wertung. Als Aberglaube werden nämlich Praktiken und Auffassungen definiert, die nicht unserem rationalen Weltbild entsprechen.» Glaubt denn der Forscher Lussi an Geister, an Seelen, die an Halloween und an anderen Tagen auf der Erde wandeln? «Ja. Nach all den Geschichten, die mir Menschen glaubhaft erzählt haben und all den Erfahrungen, die ich selber gemacht habe, gibt es für mich keinen Zweifel, dass es andere Bewusstseinsdimensionen gibt, in denen Mächte hausen, die sich den Lebenden zu bestimmten Zeiten bemerkbar machen.»

Andreas Bättig

Luzerner Sagen

Tod mitgeteilt

Ein Knecht von einem der grösseren Heimwesen des Luzerner Rottals war dafür bekannt, dass er viel trank und manchen freien Abend in der Wirtschaft verbrachte. Als er einmal ziemlich angetrunken nach Hause kam, fand er den Weg zu seiner Kammer nicht mehr. Also stieg er auf den Heuboden der Scheune, um dort die Nacht zu verbringen. Dort fiel er durch eine Öffnung auf den steinernen Stallboden und blieb tot liegen. Zur gleichen Zeit sprang die verschlossene Schlafzimmertüre seines Meisters auf. Als man den Knecht am anderen Morgen in seinem Blut fand, war man überzeugt, dass er in der Nacht seinen Tod mitgeteilt hatte.
Quelle: Kurt Lussi: Merkwürdiges aus Buholz. Eine Spurensuche. Willisau 1989.

Geisterwege

Beim Buechäppeli an der Strasse von Menznau nach Menzberg soll es einen Ort geben, wo es unmöglich ist, den Weg zu kreuzen. Einst kam ein Schumacher plötzlich nicht mehr weiter, obschon es helllichter Tag war. Da hörte er eine Stimme hinter sich rufen: «Lauf numme witt d’witt, dr Wäg do dure g’hört dr nitt.» Der verstorbene A. Studer vom Steinhuserberg wollte dort zweimal mit einem Pferd durchreiten, es gelang aber nicht. Auch erzählten verschiedene Personen, sie hätten in der Nähe des Buechäppeli einen «Schimmel» weiden sehen, der aber jedes Mal verschwand, wenn man sich näherte. Andere wollten dort eine Frau ohne Kopf gesehen haben
Quelle: Kurt Lussi: Himmel und Hölle. Willisau 1992.

Kettenrasseln

An der Strasse von Geiss nach Menznau befand sich früher in der Ecke einer Gartenmauer eine vergitterte Nische mit einer Mariendarstellung. Vor über hundert Jahren, so wird berichtet, sei diese Nische erstellt worden. Beim Bau der Nische habe man auch einige Münzen aus dieser Zeit eingemauert.
In der Nacht, wird weiter erzählt, kam zu bestimmten Zeiten ein rasselnder Geist vom Schlattwäldli her zu dieser Nische. Auch wurde ein Mann ohne Kopf gesehen. Dieser verschwand jeweils durch eine Öffnung in ebendieser Gartenmauer. Diese Vorfälle, heisst es, seien heute verschwunden.
Quelle: Kurt Lussi: Merkwürdiges aus Buholz. Eine Spurensuche. Willisau 1989.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.