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HALTIKON: Der Brand ist immer noch spürbar

Vor genau einem Jahr brannten zwei Hallen der Schilliger Holz AG nieder. Für die Betroffenen waren es hektische 365 Tage. Obwohl der Wiederaufbau läuft, ist der Betrieb noch immer eingeschränkt.
Niels Jost
Tobias Osterwalder, Projektleiter der Schilliger Holz AG, vor der Baustelle für die neue Holzhalle. (Bild: Nadia Schärli / Luzerner Zeitung (Küssnacht, 5.1.2018))

Tobias Osterwalder, Projektleiter der Schilliger Holz AG, vor der Baustelle für die neue Holzhalle. (Bild: Nadia Schärli / Luzerner Zeitung (Küssnacht, 5.1.2018))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Ein riesiger Betonplatz und Teile der abgebrannten Trägersäulen: Das ist alles, was von der einstigen Produktionshalle der Schilliger Holz AG heute noch zu sehen ist. Auf dem Areal, das mit 7180 Quadratmetern etwa so gross ist wie ein Fussballfeld, soll bis im Sommer für 4,5 Millionen Franken die neue Holzhalle entstehen. Der Baukran steht bereits. «Zuerst muss aber das steil abfallende Waldstück gesichert werden», sagt Projektleiter Tobias Osterwalder und zeigt auf den Hang, der direkt an den Platz angrenzt. Es dauert deshalb noch eine Weile, bis hier wieder Grossformat-Platten hergestellt werden können, sagt Osterwalder.

Doch der Reihe nach: Genau ein Jahr ist es her, als in der international tätigen Holzfirma in Haltikon, dem Weiler zwischen Küssnacht und Udligenswil, um 14.30 Uhr Alarm ausgelöst wird. Im Untergeschoss einer der Produktionshallen brennt es. Die Ursache ist ein Defekt in einer Filteranlage, wie später bekannt wird. Als die Feuerwehr eintrifft, steht die Holzhalle bereits in Vollbrand, die Flammen greifen schnell auf ein benachbartes Gebäude über. Schlimmeres können die 300 Einsatzkräfte aus drei Kantonen verhindern, die gut 40 Mitarbeiter, die zu diesem Zeitpunkt in den Hallen tätig sind, bleiben unversehrt. Ein Feuerwehrmann wird leicht verletzt.

Trotz Unterstützung blieben Aufträge liegen

Fünf Tage lang lodert das Feuer. Die Flammen nähren sich von einem grossen Holzlager im Untergeschoss. Das Löschwasser wird knapp. Zehn Tankfahrzeuge bringen laufend Wasser zum Holzwerk, zwei Löschhelikopter ­fliegen immer wieder zum Vierwaldstättersee und zurück. Der Schaden beläuft sich auf rund 25 Millionen Franken.

Für den Familienbetrieb ist es eine sehr intensive Zeit – gerade auch nach dem Brand. «Wir mussten plötzlich sehr viel organisieren, mit Kunden, Mitarbeitern und den Behörden sprechen», blickt nun Ernest Schilliger, Mitglied der vierköpfigen Geschäftsführung, zurück. Zwar konnte der Betrieb in den nicht betroffenen Bereichen wie dem Sägewerk, der Rundholzannahme, der Schnittholzproduktion oder dem Holzleim- und Hobelwerk schon nach zwei Tagen wieder aufgenommen werden. Doch allen Aufträgen konnte man dennoch nicht nachkommen, so Schilliger. «Viele Kunden zeigten sich zu Beginn sehr kulant, aber mit der Zeit konnten auch sie nicht mehr auf ihre Bestellungen verzichten.» Auch die angebotene Hilfe von anderen Holzfirmen konnte nicht in jedem Fall Abhilfe schaffen: «Wir wussten gar nicht, dass wir in gewissen Bereichen kaum Mitstreiter auf dem Markt haben. Das machte es umso schwieriger, gewisse Produkte für unsere Kunden anderswo zu beschaffen», sagt Schilliger und bilanziert: «Es war ein sehr hektisches Jahr.»

Arbeiter helfen noch in Frankreich aus

Als Notlösung dient bis heute das Schwesterwerk in Frankreich, nahe Colmar. Dort werden derzeit die grossen Holzplatten ­produziert, welche beispielsweise beim Häuserbau für Wände und Decken eingesetzt werden. Dafür musste man extra zusätzliches Personal einstellen. Zudem musste ein Teil der Arbeiter aus Haltikon ihren Arbeitsort ennet des Rheins verlegen. «Unsere Mitarbeiter zeigen sich sehr solidarisch, packen voll an. Das ist nicht selbstverständlich», lobt Schilliger und scherzt: «Dieses Jahr brauchen wir definitiv kein Teambildungsseminar!»

Bis die letzten Arbeiter ihr «Exil» verlassen können, dauert es voraussichtlich noch gut ein Jahr. Denn die nun bestellten Produktionsmaschinen für die neue Halle in Haltikon werden wohl erst im Frühling 2019 laufen. Für den Fall aller Fälle ist man dann gewappnet: Das Dach der neuen Holzhalle und des Lagers werden aus unbrennbarem Material konstruiert. Zudem plant die Firma, ein eigenes Löschwasser­becken zu bauen. Dieses stellt sie laut dem «Freien Schweizer» für Feuerwehreinsätze in Haltikon zur Verfügung. Der vom Bezirk Küssnacht geplante Ausbau des Wasserreservoirs Obtal würde damit hinfällig. Wichtiger ist nun für Ernest Schilliger und seine Mitarbeiter jedoch, dass das kürzlich eingereichte Baugesuch für die neue Halle schnell bewilligt wird – und bald wieder Normalbetrieb in Haltikon herrscht.

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