Handball
Krienser Formkurve flacht vor den Play-offs ab

Kriens-Luzern verliert zu Hause gegen St. Otmar St. Gallen mit 25:29 und gibt Rätsel auf.

Stephan Santschi
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Die Szene in der 37. Minute war sinnbildlich für den unglücklichen Krienser Auftritt. Andrija Pendic, der Spielmacher von St. Otmar, drosch den Penalty an die Latte, der Ball prallte an Goalie Paul Bar und rollte von da über die Torlinie. Die St. Galler führten zu diesem Zeitpunkt mit 21:15 und gerieten nicht mehr in Gefahr, die beiden Punkte aus der Hand zu geben. Am Ende kamen die fünftklassierten Gäste zu einem ungefährdeten 29:25-Auswärtssieg, der drittrangierte HC Kriens-Luzern war seiner Favoritenrolle nie gerecht geworden.

«Sehr wenig war das heute»,

kritisierte Trainer Goran Perkovac, doch er hielt auch fest: «Wir haben viele angeschlagene Spieler, wir konnten in den letzten zwei Wochen nicht richtig trainieren. Im Spiel kann man nicht einfach den Schalter umlegen. Auf eine gute Leistung hoffen, reicht nicht.»

Tatsächlich ist die personelle Situation der Krienser nicht optimal. Der rechte Aufbauer Jernej Papez hat seine Karriere wegen Hüftproblemen abrupt beenden müssen, der linke Flügel Ramon Schlumpf laboriert an einer Bänderverletzung im Fuss, Goalie Paul Bar, Kreisläufer Filip Gavranovic und der rechte Flügel Ammar Idrizi waren zuletzt ebenfalls nicht voll belastbar. Die aktuellen Probleme der Zentralschweizer, die in den letzten vier Partien nur Schlusslicht Endingen bezwangen, ausschliesslich mit den gesundheitlichen Missständen zu erklären, wäre indes zu kurz gegriffen. Auch St. Otmar fehlten zwei Stammspieler verletzungsbedingt (Tobias Wetzel, Frédéric Wüstner). Zudem wurde Filip Maros geschont, der angeschlagene Nationalgoalie Aurel Bringolf kam nur für einen Siebenmeter aufs Feld und Abwehrchef Max Höning musste nach 33 Minuten mit einer Unterarmverletzung ausgewechselt werden.

Mangel an Spielwitz, Wurfkraft und Flexibilität

Während die Krienser Abwehr ausnahmsweise neben den Schuhen stand – «Pendic spielte uns schwindlig», konstatierte Perkovac – gibt die Offensive grundsätzlich Anlass zur Sorge. Vor allem dann, wenn man nicht über das Tempospiel, sondern im Positionsangriff die Tore generieren soll. Den Luzernern mangelt es an Esprit, Spielfluss und Wucht aus dem Rückraum. Gar Rätsel gibt der linke Aufbauer Hleb Harbuz auf. Zwar ist er noch immer Topskorer des Teams, die Sicherheit vom Penaltypunkt ist beeindruckend. Seine herzhaften Abschlüsse aus der Distanz existieren aber vor allem in der Erinnerung an die letzte Saison. «Gegen St. Otmar hat er nicht einmal auf das Tor geworfen, das ist fast nicht zu glauben», so Perkovac.

Gegen St. Otmar nahm er Harbuz bereits nach zehn Minuten aus dem Spiel, bis auf die Penalties kehrte der Weissrusse nicht mehr zurück. Auch Stellvertreter Tim Rellstab blieb nach dem Seitenwechsel auf der Bank, obwohl er in Halbzeit eins gute Aktionen hatte. «Tim ist noch jung, ich möchte ihn nicht verheizen», erklärt Perkovac. Mit den Spielmachern Janus Lapajne und Moritz Oertli, sowie Tomas Piroch im rechten Aufbau fehlte es Kriens-Luzern gegen die stabile 6:0-Abwehr der Ostschweizer aber an Grösse und Wurfkraft. Und das 7-6-Überzahlspiel zog Perkovac noch gar nie als Option in Betracht.

«Ich bin kein Fan davon. Für die Play-offs werden wir das nun aber einüben.»

Zum Abschluss warten drei Topgegner

Stand jetzt, stimmt die Formkurve mit Blick auf die Playoff-Viertelfinals nicht, in dieser Verfassung ist Kriens-Luzern kein Titelkandidat. Drei Spieltage stehen in der Qualifikation der QHL noch aus, die Konkurrenz könnte mit Pfadi Winterthur, Kadetten Schaffhausen und Suhr Aarau dabei nicht grösser sein. Perkovac gibt sich kämpferisch, glaubt weiter an sein Team:

«Wir haben nun zwei Wochen Zeit, um die Verletzungen auszukurieren und unsere Automatismen wieder zu finden.»

Kriens-Luzern - St. Otmar SG 25:29 (13:17)

Krauerhalle. – SR Hennig/Meier. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 3-mal 2 Minuten plus rote Karte für Kaiser (56./Notbremse im Gegenstoss) gegen St. Otmar St. Gallen.

Kriens-Luzern: Bar (9 Paraden)/Eicher; Wanner, Piroch (5 Tore), Lapajne (1), Harbuz (6/6), Blättler (3), Gavranovic (1), Lavric; Rellstab (2), Oertli (2), Delchiappo, Idrizi (5).

St. Otmar St. Gallen: Kindler (11 Paraden)/Bringolf; Fricker (2 Tore), Höning (2), Pendic (7/4), Jurilj (2), Kaiser (3), Geisser (3), Haas (2); Jurca (8/2), Gwerder.

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Papez (Rücktritt) und Schlumpf (verletzt). St. Otmar St. Gallen ohne Wetzel, Wüstner, Bamert (verletzt), Maros geschont. Bar pariert Penalty von Pendic (42./18:23).