In Kriens startet die Handbike-Tour «Giro Suisse»: In 13 Tagen werden 700 Kilometer zurückgelegt

Das Jubiläum – 40 Jahre Schweizer Paraplegiker-Vereinigung – wird gebührend gefeiert. Dass die Handbike-Tour «Giro Suisse» in Kriens seinen Anfang nimmt, hat einen besonderen Grund.

Ruedi Burkart
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Wie feiern Sportlerinnen und Sportler einen runden Geburtstag? Sie machen das, was sie am liebsten tun: Sport treiben. So organisierte Rollstuhlsport Schweiz zum 40-Jahr-Jubiläum der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) erstmals eine Tour für Handbikerinnen und Handbiker durch alle Sprachregionen des Landes.

Das Programm hat es in sich: 700 Kilometer werden an 13 aufeinanderfolgenden Tagen gemeistert, dazu kommen noch etliche Höhenmeter. Am Dienstagvormittag erfolgte bei herrlichem Wetter der Start zur ersten Etappe in Kriens. Und zwar deshalb in Kriens, weil Guido A. Zäch an diesem Ort im Jahr 1980 die SPV aus der Taufe hob. «Wir freuen uns darüber, dass wir den Start zum ersten Giro Suisse durchführen dürfen», meinte Paul Odermatt, Sportchef beim Rollstuhlclub Zentralschweiz.

In Kriens startete der Rollstuhl-Marathon «Girosuisse» quer durch die Schweiz.
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Paralympics-Medaillengewinnerin Pia Schmid aus Neuenkirch ist auch am Start.
Alphornbläser blasen die Musik zum Start für die Teilnehmer.
Insgesamt haben sich 71 Personen für eine oder mehrere Etappen angemeldet.
Es wird weder eine Tages- noch eine Gesamtrangliste geführt, jeder fährt so schnell, wie er möchte.
Pia Schmid aus Neuenkirch.
Um 10.45 Uhr starteten die insgesamt 14 Fahrerinnen und Fahrer sowie deren Guides auf die knapp 60 Kilometer lange Strecke ins Zürcher Oberland nach Uster.
40 Jahre Schweizer Paraplegiker-Vereinigung werden gebührend gefeiert.
700 Kilometer werden an 13 aufeinanderfolgenden Tagen gemeistert.

In Kriens startete der Rollstuhl-Marathon «Girosuisse» quer durch die Schweiz.

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 25. August 2020)

14 Teilnehmer auf der ersten Etappe

Zugegen waren neben Gründer und SPV-Ehrenpräsident Zäch zahlreiche weitere prominente Gäste. Cyrill Wiget, der Krienser Stadtpräsident, richtete vor dem Start ein paar Worte an die Sportler: «Wir freuen uns sehr, dass hier in Kriens der Startschuss zum Giro Suisse fällt.» Wiget zollte den Rollstuhlsportlerinnen und -sportlern Respekt dafür, dass sie auch bezüglich Bewegung im Alltag ein Vorbild für die ganze Bevölkerung seien. Dann war genug geredet, und das Alphorntrio Pilatus Luzern schickte um 10.45 Uhr die insgesamt 14 Fahrerinnen und Fahrer sowie deren Guides auf die knapp 60 Kilometer lange Strecke ins Zürcher Oberland nach Uster.

Alphornbläser blasen die Musik zum Start für die Teilnehmer.

Alphornbläser blasen die Musik zum Start für die Teilnehmer.

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 25. August 2020)

Mit dabei ist auch Tetraplegikerin Pia Schmid. Die 50-jährige Rollstuhl- und Handbikefahrerin aus Neuenkirch wird als einzige Frau alle 13 Tagesetappen bestreiten. «Ich freue mich riesig auf dieses Abenteuer», sagte die ehemalige Paralympics-Medaillengewinnerin vor dem Start. Speziell vorbereitet auf die Herausforderung habe sie sich nicht, so Schmid weiter, sie sei auch zwölf Jahre nach ihrem Rücktritt vom Leistungssport mehrmals pro Woche sportlich aktiv. Angesprochen auf ihre Ziele in den kommenden Tagen meinte sie mit einem Lächeln: «Geniessen, jeden Kilometer.»

Schmid fährt seit einiger Zeit mit Elektrounterstützung, mit einer Art E-Bike-Vorbau, welchen sie an ihren Rollstuhl montieren kann. So könne sie auch Steigungen meistern wie beispielsweise jene auf den 643 Meter hohen Pfannenstiel. Zudem werde sie auf den meisten Tagesabschnitten von Freunden auf Velos begleitet. «Das macht die Sache für mich noch ein bisschen spezieller. Es werden sicher unvergessliche Tage.»

Paralympics-Medaillengewinnerin Pia Schmid aus Neuenkirch ist auch am Start.

Paralympics-Medaillengewinnerin Pia Schmid aus Neuenkirch ist auch am Start.

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 25. August 2020)

Von Kriens via Tessin nach Nottwil

Die Idee hinter der erstmaligen Durchführung des Giro Suisse ist ebenso simpel wie bestechend: Es wird weder eine Tages- noch eine Gesamtrangliste geführt, jeder fährt so schnell, wie er möchte. Wer mag, bestreitet eine Etappe, wer mehr leisten will und kann, mehrere. Das gemeinsame Erlebnis soll im Vordergrund stehen, falscher Ehrgeiz ist fehl am Platz. «Wir beginnen eine Etappe als Gruppe. Und wir beenden die Etappe als Gruppe», sagt Pia Schmid.

Übernachtet wird am Dienstag in Uster, am Mittwochvormittag macht sich der Tross – insgesamt haben sich 71 Personen für eine oder mehrere Etappen angemeldet – auf den 59 Kilometer langen Weg nach Neuhausen am Rheinfall. Weitere Stationen sind in den nächsten Tagen unter anderem Tenero, Sion, Neuenburg oder Basel. Zu Ende gehen wird das Handbikespektakel am übernächsten Sonntag. Dem Anlass entsprechend findet die Schlussankunft in Nottwil statt, wo die Schweizer Paraplegiker-Stiftung seit 1991 ihren Sitz hat.

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