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Nach Raub auf der Kapellbrücke: Handtaschenräuber muss die Schweiz verlassen

Ein junger Spanier hat 2016 auf der Kapellbrücke eine Seniorin überfallen. Gelernt hat er aus der Strafe offensichtlich nichts. Mehrfach ist er aus dem Massnahmenzentrum geflohen – jetzt zieht das Amt für Migration die Notbremse.
Lena Berger
Der Mann entriss einer alten Dame auf der Kapellbrücke die Handtasche und brachte sie so zu Fall. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 29. Januar 2014)

Der Mann entriss einer alten Dame auf der Kapellbrücke die Handtasche und brachte sie so zu Fall. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 29. Januar 2014)

Der junge Mann ist unbelehrbar. Zu diesem Schluss sind die Luzerner Behörden inzwischen gekommen. Es ist nicht so, dass sie es nicht versucht hätten. Doch der Spanier hat sämtliche Chancen vertan – nun auch die letzte.

Die Tat, für die er zuletzt einfuhr, richtete sich gegen eine betagte Dame. Als diese im April 2016 frühmorgens die Kapellbrücke überqueren wollte, versuchte der 23-Jährige ihr mit Gewalt die Handtasche zu entreissen. Weil die 80-Jährige ihren Besitz festhielt, kam sie zu Fall. Ein 74-jähriger Passant an Krücken wollte ihr zu Hilfe eilen, stolperte jedoch beim Versuch und fiel ebenfalls hin. So gelang dem Täter die Flucht Richtung Kapellplatz.

Merkmale einer Persönlichkeitsstörung

Beute hatte er damals keine gemacht, die Tasche liess er noch auf der Brücke liegen. Die Polizei kam ihm dennoch auf die Schliche. Im Februar 2017 wurde er für seine skrupellose Tat verurteilt. Mal wieder, muss man sagen.

Der Mann reiste mit 17 Jahren als Familiennachzug in die Schweiz ein. Er war arbeitslos, lebte von der Sozialhilfe und geriet auf die schiefe Bahn. Seine kriminelle Karriere ist bemerkenswert. Seine Delikte reichen von Drogenbesitz, über Hausfriedensbruch, Diebstahl und Hehlerei, bis hin zu Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz, Schwarzfahren, Sachbeschädigung und Exhibitionismus. 38 Mal wurde er verurteilt, zwölfmal davon zu einer Freiheitsstrafe.

Aufgrund dieser Vielzahl von Straftaten gab das Kriminalgericht damals ein forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag, das klären sollte, was mit dem damals 23-Jährigen nicht stimmt. Dieses zeigte, dass der Mann neben seiner Drogensucht einige Merkmale einer sogenannten dissozialen Persönlichkeitsstörung aufweist. Dies zeigt sich durch eine ausgeprägte Verantwortungslosigkeit, einer deutlichen Neigung, Regeln zu Missachten sowie einer Unfähigkeit aus Fehlern und Strafen zu lernen.

Therapie und Lehre brachten kein Umdenken

Dennoch gewährte ihm das Kriminalgericht 2017 eine allerletzte Chance. Es ordnete neben einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten eine Massnahme für junge Erwachsene an. Eine Therapie und eine Lehre als Metallbaupraktiker sollten es ihm ermöglichen, ein deliktfreies Leben zu führen und in der Schweiz zu bleiben.

Allerdings zeigte dies wenig Erfolg. Mehrfach flüchtete der junge Mann aus dem Massnahmezentrum. Einmal blieb er ganze 14 Tage weg – und machte sich prompt wieder wegen Diebstahls und Drogenkonsum strafbar. Insgesamt musste er fünfmal vom offenen in den geschlossenen Vollzug versetzt werden, weil er sich nicht an die Regeln hielt.

Das Amt für Migration beschloss daher, die Aufenthaltsbewilligung zu widerrufen und den Mann wegzuweisen. Das Luzerner Justiz- und Sicherheitsdepartement und das Kantonsgericht stützten den Entscheid. Alle drei Voraussetzungen für eine Wegweisung seien gegeben, heisst es im Gerichtsentscheid. Durch die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr liege erstens ein gesetzlicher Widerrufsgrund vor. Gemäss Gutachten liege zweitens das Rückfallrisiko bei 50 Prozent und auch sein Verhalten während des Vollzugs weise darauf hin, dass die Gefahr für weitere Straftaten unverändert hoch sei. Der Widerruf sei drittens auch verhältnismässig. Zwar lebe die Mutter des heute 26-Jährigen in der Schweiz, der Mann sei aber erwachsen und in der Lage in Spanien ein eigenes Leben zu führen.

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