HARMOS: «Plakat-Strategie der Gegner ist verwerflich»

Der Kanton Luzern hat HarmoS abgeschmettert. Bildungsdirektor Anton Schwingruber zeigt sich traurig und selbstkritisch.

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Versteht die Welt nicht mehr: Bildungs- und Kulturvorsteher Anton Schwingruber bei der Pressekonferenz nach Bekanntwerden der Ergebnisse. (Bild Keystone)

Versteht die Welt nicht mehr: Bildungs- und Kulturvorsteher Anton Schwingruber bei der Pressekonferenz nach Bekanntwerden der Ergebnisse. (Bild Keystone)

Anton Schwingruber, sind sie überrascht über das deutliche Nein des Stimmvolkes zu HarmoS?
Anton Schwingruber: Ich bin traurig und enttäuscht, aber von den Landgemeinden musste ich fast ein Nein erwarten. Die Kosten, welche ein Schultransport für die vierjährigen Schüler mit sich gebracht hätte, haben die Bevölkerung sehr beunruhigt.

Aber auch die meisten Agglomerationsgemeinden haben HarmoS abgelehnt – auch solche, die bereits einen zweijährigen, freiwilligen Kindergarten kennen.
Schwingruber: Ja, das ist überraschend. Der springende Punkt war wohl, dass der zweijährige Kindergarten neu obligatorisch geworden wäre. Das hat vielen Angst gemacht.

Sie sprechen es an: Der Wahlkampf wurde vor allem von Gegnerseite sehr emotional geführt. Hätte man nicht offensiver darauf reagieren müssen?
Schwingruber: Die Gegner haben mit Plakaten geworben, auf denen weinende Kinder zu sehen waren. Ich finde das verwerflich. Mit diesen Bildern wird suggeriert, dass die Schule etwas Angst- einflössendes ist. Kinder sind für die Plakate instrumentalisiert worden.

Das Pro-Komitee hätte eine Kampagne fahren können – mit lachenden Kindern.
Schwingruber: Auf das Niveau wollen wir uns nicht herunterlassen. Zudem ist zu bezweifeln, ob selbst eine teure Plakatkampagne das Ruder noch hätte herumreissen können. Ich finde es bedauerlich, wenn man mit Geld und Emotionen einen Abstimmungskampf gewinnt.

Die Stimmbürger haben sich also vom Gegenkomitee kaufen und sich Sand in die Augen streuen lassen?
Schwingruber: Ich will die Stimmbürger nicht verunglimpfen. Das Thema ist tatsächlich emotional, vielleicht mehr, als wir glaubten. Aber die Gegner haben die Emotionalität genutzt, um auch Unwahrheiten zu verbreiten. So stimmt es nicht, dass der Kindergarten, die Sonderschule und das Langzeitgymnasium mit HarmoS abgeschafft werden.

Interview von Luzia Mattmann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Luzerner Zeitung.