Historisches Wehr soll ersetzt werden: Berufsfischer kritisiert Kanton scharf

Mit einem Hightech-Projekt will der Kanton den Hochwasserschutz in der Region Oberkirch/Sursee verbessern. Heftige Kritik erwächst dem Vorhaben von der Berufsfischer-Familie Hofer, die seit vielen Jahrzehnten am Sempachersee mit und von der Natur lebt.

Thomas Heer
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Josef Hofer auf dem Wehr, das durch eine moderne Anlage ersetzt werden soll. (Bild: Pius Amrein, Oberkirch, 28. August 2018)

Josef Hofer auf dem Wehr, das durch eine moderne Anlage ersetzt werden soll. (Bild: Pius Amrein, Oberkirch, 28. August 2018)

Wer sich in diesen Tagen mit Berufs­fischer Josef Hofer unterhält, begegnet einem vitalen Mann, der sich Zeit seines Lebens für den Schutz des Sempachersees und der Sure eingesetzt hat. Der 85-Jährige blickt einerseits auf ein erfülltes Leben als Fischer zurück. Auch in schwierigsten Zeiten, als der Sempachersee aufgrund seines miserablen Zustandes landesweit für Schlagzeilen sorgte, schaffte er als Berufsfischer die wirtschaftliche Basis für seine Familie. Hofer war anderseits aber nicht nur ein erfolgreicher Berufsmann, sondern stets auch ein ausgezeichneter Beobachter der ­Natur. Er ist quasi ein menschgewordener Seismograf, der Veränderungen in Fauna und Flora aufmerksam registriert.

Angesichts dieser Tatsache kann es nicht erstaunen, dass Josef Hofer das vom Kanton geplante Hochwasserprojekt in seiner Gemeinde Oberkirch mit Argusaugen verfolgt. Der Pensionär steht auf dem Wehr, das den Wasserlauf der Sure nach ihrem Austritt aus dem Sempachersee regelt. Er kann nicht nachvollziehen, dass hier dereinst ein hochmoderner, elektronisch gesteuerter Neubau entstehen soll. Inklusive Mehrwertsteuer wird diese Anlage eine Million Franken kosten, wie Sylvia Durrer, Projektleiterin Naturgefahren vom kantonalen Bau-, Umwelt und Wirtschaftsdepartement, mitteilt. Voraussichtlicher Baubeginn: frühestens im Sommer 2020.

Sanierung für Bruchteil der Neubaukosten

Josef Hofer hält dieses Projekt für völlig überrissen. «Mehr als 200 Jahre hat das mechanische, von Hand betriebene Wehr gute Dienst geleistet. Ich sehe nicht ein, weshalb der Kanton für derart viel Geld eine neue Anlage errichten will. Die bestehende Konstruktion könnte mit einem Bruchteil des geplanten Investitionsvolumens renoviert werden.»

Beim Hochwasserschutz ist Zeit immer ein wichtiger Faktor. So sagt Sylvia Durrer: «Durch die automatische Abstimmung mit dem Hochwasserrückhaltebecken Münige kann die Dauer der Seedrosselung gerade auch im Interesse der Seeanstossenden auf ein Minimum reduziert werden.» Münige und das Wehr sollen dereinst also dank Hightech automatisch aufeinander abgestimmt werden. Erreicht der Wasserstand im Müniger-Becken künftig also einen gewissen Level, wird das Wehr beim Surenausgang ohne menschliches Dazutun automatisch gesenkt.

Das Stichwort Münige bringt Hofer mindestens so stark in Wallung wie das geplante Wehr. Denn im Gebiet Münige in der Gemeinde Oberkirch ist das von Durrer angetönte Rückstaubecken geplant, welches den Steuerzahler nochmals einen siebenstelligen Franken­betrag kosten wird. Zwischen Münige und dem Surewehr besteht eine Wechselwirkung, in erster Linie jedoch eine indirekte. Denn das Surewasser fliesst nach dem Austritt aus dem Sempachersee innerhalb von rund einer halben Stunde mit dem Hofbach zusammen.

Und dieses Gewässer, das von der Hügelzone vom westseitigen Oberkircher Gemeindeterrain hinunter fliesst, hat seine Tücken und kann je nach meteorologischen Gegebenheiten über die Ufer treten. In diesem Phänomen liegt auch der Kern des ganzen Hochwasserprojektes. Also was tun, wenn aus dem friedlich vor sich hinplätschernden Hofbach bei Gewitter ein über die Ufer tretendes Gewässer wird?

Fluss könnte Golfplatz überfluten

Für Josef Hofer steht fest: «Das Problem muss entlang des Hofbachlaufes gelöst werden. Es ist doch unwahrscheinlich, dass das kleine Bachbett des Hofbaches ausreicht, um die Wasserflut aufzunehmen. Der Hofbach wird das dort vorhandene unverbaute Land und auch den Golfplatz überfluten. So wird auf natürliche, günstige Art eine riesige Menge Wasser zurückgehalten und die Geschwindigkeit des Wassers gedrosselt. Die millionenteuren Hochwasserschutzbauten sind deshalb weit überrissen.» Dies aber ist, wie angetönt, verbunden mit dem Risiko, dass der Golfpark Oberkirch überschwemmt wird. Hofer entgegnet: «Das ist kein Problem. Dieser Bach bringt anders als Gewässer im Gebirge kaum Geschiebe mit sich. Entsprechend gering ist das Verwüstungspotenzial.»

Das sehen die Verantwortlichen beim Kanton anders und forcieren daher das Wehrprojekt, verbunden mit dem Rückstaubecken in Münigen. Für Josef Hofers Sohn Thomas, der wie sein Bruder Andreas als Berufsfischer arbeitet, sind die Pläne des Kantons nicht akzeptabel. Er sagt: «Da wird von der Allgemeinheit bezahlter Hochwasserschutz betrieben, der schliesslich dazu führen wird, dass näher an die Gewässer heran gebaut wird. Das freut die Landbesitzer. Wie mein Vater vertrete ich aber die ­Ansicht, dass das Hochwasser dort bekämpft werden muss, wo es entsteht.»