Harter Rückschlag für Kochakademie in Heiligkreuz

Ab 2020 sollte es für ambitionierte Köche eine Höhere Fachschule für Kulinarik geben. Daraus wird nichts, weil Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände im Clinch liegen. Trotzdem soll das ehemalige Ferienheim in Heiligkreuz umgebaut werden.

Kilian Küttel
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So soll die Kochakademie in Heiligkreuz dereinst aussehen. (Visualisierung PD)

So soll die Kochakademie in Heiligkreuz dereinst aussehen. (Visualisierung PD)

Für einmal ist der Hexer desillusioniert, niedergeschlagen, enttäuscht: «Ich kann einfach nicht verstehen, dass man sich nicht zusammenrauft. Es geht doch um die Jugend», sagt Stefan Wiesner, Kochkoryphäe und Wirt des Gasthofs Rössli in Escholzmatt.

Grund für Wiesners Enttäuschung sind die neusten Entwicklungen um die geplante Kochakademie in Heiligkreuz. Bekanntermassen soll im ehemaligen Ferienheim der Ingenbohler Schwestern eine Höhere Fachschule für ambitionierte Schweizer Köche entstehen.

Probleme mit Betriebsbewilligung

Als geistiger Vater des Projekts gilt Stefan Wiesner, der auch Hexer genannt wird. Nur: Wie sich jetzt zeigt, platzt des Hexers Traum. Und zwar wegen Meinungsverschiedenheiten unter den Branchenverbänden. Stein des Anstosses ist die Betriebsbewilligung für die Höhere Fachschule. Damit der Bund diese erteilt, braucht es eine sogenannte «Organisation der Arbeitswelt». Hierbei handelt es sich um einen Nachweis, dass die Branchenverbände hinter einem Ausbildungslehrgang stehen.

Treibende Kraft für die Konzipierung der Akademie war die Hotel & Gastro Union sowie der dazugehörige Schweizer Kochverband. Beide Parteien stehen hinter dem Projekt.

Arbeitgeber zweifeln Nachfrage an

Anders sieht es auf der Arbeitgeberseite aus. Sowohl Gastrosuisse als auch Hotelleriesuisse sperren. Deren Argument: Ein zusätzlicher Abschluss für Köche sei nicht notwendig. Es sei fraglich, ob die Nachfrage nach einer Kulinarik-Fachhochschule in der Branche gross genug ist. Ohne das Einverständnis der Arbeitgeberverbände kann die Höhere Fachschule nicht realisiert werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese also vom Tisch. Hotelleriesuisse schreibt auf Anfrage, man wolle zuerst eine «sauber Berufsfeld- und Arbeitsmarktanalyse» in Auftrag geben.

Der Widerstand kommt bei der Hotel & Gastro Union nicht gut an. Geschäftsführer Urs Masshardt schreibt in einem Brief an die Branchenvertreter, der unserer Zeitung vorliegt: «Unserer Meinung nach besteht klar ein grosses Bedürfnis nach einem zusätzlichen Abschluss. Die Branche ruft nach mehr Fachkräften. Der Markt für ausgewiesene Fachkräfte ist extrem ausgetrocknet.»

Ausbildung wird angepasst

Auf Anfrage teilt Masshardt mit, man wolle nun das Beste aus der Situation machen: «Der Schweizer Kochverband hat den Rahmenlehrplan für die handwerkliche Weiterbildung bereits ausgearbeitet. Nun gilt es zu klären, wie sich dieses Wissen nutzen lässt.» Konkret ist ein Bericht in Ausarbeitung, der untersucht, in welcher Form die Inhalte verwendet werden können. «Möglich ist etwa eine neue Berufsprüfung Kulinarik oder eine Integration des Stoffs in die bestehende Berufsprüfung Chefkoch», so Masshardt.

Dies würde unter dem Strich aber die Bedeutung der Ausbildung schwächen Eine Berufsprüfung ist mit einem Arbeitsaufwand für einen Vorbereitungskurs von 600 bis 1200 Stunden verbunden, die Ausbildung an einer Höheren Fachschule dauert dagegen zwei bis drei Jahre und umfasst bis 3600 Stunden.

Bauprojekt ist nicht gefährdet

Laut Masshardt ist das Bauprojekt in Heiligkreuz nicht gefährdet, da die Ausbildung auch in einer abgeänderten Form im ehemaligen Ferienheim angeboten werden könne.

Dieses gehört dem Zürcher Immobilienentwickler Beat Odinga, der die Liegenschaft im Dezember 2016 für 3,5 Millionen Franken gekauft hatte. Dessen Sprecher Peter Kurath sagt zu den neusten Entwicklungen: «Wir wurden formal noch nicht informiert, dass die Höhere Fachschule nicht realisiert werden kann. Nichtsdestotrotz sind wir weiterhin im Fahrplan.» Angedacht ist, dass die ersten Köche im Jahr 2020 mit ihrer Ausbildung beginnen.

Die Akademie soll im Endausbau 25 Millionen Franken kosten. «Beat Odinga ist bereit, sich über den Bau hinaus als Investor zu beteiligen, sofern sich andere Investoren ebenfalls engagieren», so Kurath. Bevor die Suche nach Investoren allerdings losgehen kann, muss das Hasler Stimmvolk einer Umzonung zustimmen.