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HASLE: Der ganze Stolz des Fähnrichs

Die Brass Band Musikgesellschaft feiert am Wochenende ihr 100-Jahr-Jubiläum. Im Verein lebt auch eine jahrzehntelange Familientradition mit.
Ernesto Piazza
Hasler Familiensache: Fähnrich Andy Vogel (links) mit Sohn Sämy. (Bild: Boris Bürgisser (27. Juni 2017))

Hasler Familiensache: Fähnrich Andy Vogel (links) mit Sohn Sämy. (Bild: Boris Bürgisser (27. Juni 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Bei Andy Vogel dreht sich (fast) alles um die Musik: «Sie ist für mich eine grosse Passion.» Entsprechend stolz darf der 57-Jährige auf sein Palmarès sein. 35 Jahre spielte er aktiv bei der Brass Band Hasle mit. Ob an Musiktagen oder Musikfesten: Stets war Vogel präsent. Zudem stand er auch an der Spitze des Vereins und ist heute Ehrenpräsident.

Am Wochenende feiert die Brass Band der 2. Stärkeklasse ihr 100-Jahr-Jubiläum. Das ist für den verheirateten, dreifachen Familienvater ein weiterer Höhepunkt in seinem von «vielen schönen Momenten» geprägten Vereinsleben. Bei so viel Passion ist keineswegs erstaunlich, dass der musikalische Apfel nicht weit vom Stamm gefallen ist. Bereits sein Vater frönte jahrzehntelang diesem Hobby. So kam Sohn Andy schon früh mit seiner grossen Leidenschaft in Berührung. «Mein Dädi hatte einen sogenannten ‹Bügel›», erinnert sich Vogel. Das alte Musikinstrument, welches einem Kornett ähnlich ist, hing in der Wohnung meistens an der Wand. Oft diente es auch als Kleiderständer. Darauf habe er in jungen Jahren viel gespielt.

«Vereinsfahne symbolisiert den Zusammenhalt»

Das Kornett war das erste Instrument des eidgenössischen Musikveteranen. Weiter spielte er Eufonium und auf dem Es-Bass. Und als Vogel nach 35 Jahren als Aktiver eigentlich Schluss machen wollte, erfuhr seine musikalische Karriere eine eher unerwartete Fortsetzung –er wurde Fähnrich. Diese Funktion übt er nun bereits sieben Jahre aus, und in dieser begleitet er mit dem mittlerweile dritten Vereinsbanner – wobei seine Frau Doris zugleich auch die Fahnengotte ist – weltliche wie kirchliche Anlässe. «Wenn ich am Weissen Sonntag jeweils die Kinder begleiten darf, läuft es mir noch immer kalt den Rücken runter», sagt Vogel. Dieses Gefühl erleben zu dürfen, macht ihn stolz. Die Vereinsfahne ist für ihn ein verbindendes Element, das auch den gemeinschaftlichen Zusammenhalt symbolisiere.

In den bisherigen 42 Jahren als Musikant hat er viel Herzblut und ungezählte freiwillige Stunden investiert. «Diese Zeit war für mich die Lebensschule schlechthin», erklärt Andy Vogel. Der 57-Jährige erinnert sich auch noch gut an seine Anfänge und damit an sein erstes Musikfest in Biel zurück. Damals erreichte die Musikgesellschaft den 3. Rang in der 3. Stärkeklasse. «Nach dem Einzug in Hasle trank ich als 15-Jähriger im Restaurant Engel – dem Stammlokal des Vereins – mein erstes Bier», erinnert er sich. Am andern Tag in der Schule habe er die Nachwehen der langen Feier noch gespürt. «Der Lehrerin sagte ich, ich hätte wohl Blinddarm, und ging nach Hause.» Fünf Musikanten, die zugleich Lehrer waren, hätten jedoch den wahren Grund seines Unwohlseins anderswo gesehen.

Der Pflege der Kameradschaft mass er in all den Jahren eine hohe Priorität bei. Während seiner präsidialen Zeit sei er immer der letzte Musikant gewesen, der das Restaurant verlassen habe, so der 57-jährige Verkaufsberater. «Wenn um 23.30 Uhr Aufbruchsstimmung herrschte, habe ich noch eine Runde aufgeworfen, worauf andere Mitglieder jeweils bis um 0.30 Uhr nachzogen.»

Den Marsch «Deutschmeister» von Wilhelm August Jurek bezeichnet Andy Vogel als eines seiner Lieblingsstücke. «Wien bleibt Wien» – übrigens sein erster gelernter Marsch – hat bei ihm ebenfalls bleibende Erinnerungen hinterlassen.

Wenn die Tochter den Vater begleitet

Nachwuchsprobleme kennt die 45-köpfige, aus Einheimischen bestehende Brass Band keine. Im Gegenteil: Vor allem dank der guten Musikschule sei die Truppe blutjung, sagt Vogel. Dafür investiere der Verein viel. Beispielsweise geht man in die Schulen, spielt vor, versucht die Jungen so bereits für ein Instrument zu motivieren.

In den 100 Jahren hat die Brass Band Hasle vier Uniformen eingeweiht. 2012 erfuhr sie erstmals in ihrer Geschichte eine komplette Neuinstrumentierung. Für das von Ueli Wigger dirigierte Corps war das letztjährige Konzert mit den Luzerner Brass-Musik-Talents das bisher absolute Highlight. Kürzlich nahmen die Hasler auch am Kantonalen Musiktag in Schüpfheim teil. Dort wurde Andy Vogel mit seinem Banner ebenfalls von Tochter Janine als Ehrendame begleitet.

Vogel hofft auf eine «würdige Feier in einfachem Rahmen». Am Freitag steigt die Brass-Night mit der Tiroler Spitzen-Blasmusik Viera Blech. Am Samstag geht es mit der Open-Air-Party weiter. Und bereits ist dafür gesorgt, dass in der Familie Vogel auch die musikalische Tradition anhält. Denn Sohn Samuel führt mittlerweile den Verein als Präsident – auch durch das Jubiläumsjahr.

Hinweis: Infos zur Band und zum Fest (Tickets sind übers Internet und an der Abendkasse erhältlich) gibt es unter:www.bbmghasle.ch.

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