HASLE: Neben der Kirche tanzt der Tod

Die Grundmauern der Pfarrkirche von Hasle reichen wohl bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück. Ein Geheimtipp ist aber das kleine «Beihüsli» daneben, wo Figuren wie Bauer, Wirt, Kaiser und Papst dem Tod entrinnen wollen.

Susanne Balli
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Ausschnitt aus dem Totentanz im «Beihüsli» Hasle: Der Tod tanzt mit dem Wirt, dem Schreiber und dem Müller. (Bild: Eveline Beerkircher (17. Mai 2017))

Ausschnitt aus dem Totentanz im «Beihüsli» Hasle: Der Tod tanzt mit dem Wirt, dem Schreiber und dem Müller. (Bild: Eveline Beerkircher (17. Mai 2017))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Was Sehenswürdigkeiten betrifft, dominiert in der Gemeinde Hasle der Wallfahrtsort Heiligkreuz. Der Pilgerort mit seiner über 650-jährigen Geschichte hat eine grosse Ausstrahlung. Daneben fristet die Pfarrkirche St. Stephanus im Dorf ein bescheidenes Dasein. Dabei lohnt sich ein Besuch dieser Kirche für Interessierte alleweil, besonders wegen des kleinen Beinhauses neben der Kirche. Doch dazu später mehr.

Die Grundmauern der heutigen Kirche reichen wohl bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück. Bereits um 1200 hatte Hasle eine Stiftung mit einer Kapelle; im Hochmittelalter gehörte Hasle jedoch zur Urpfarrei St. Peter und Paul in Willisau. 1465 wurde Hasle eine eigene Pfarrei, und 1504 wurde die Kirche nach einer Feuersbrunst neu erbaut. Seit dieser Zeit erfuhr das Gotteshaus über die Jahrhunderte diverse Umbauten. 1904 wurde es um mehrere Meter verlängert, und der Turm wurde auf seine heutige Höhe aufgestockt. «Die grün gefärbten Dachziegel sind das Wahrzeichen unserer Kirche», sagt Kirchmeier Bernhard Röösli (52). Sie ist ein typischer Vertreter der Zentralschweizer Landkirchen mit spätbarockem Saal. Die drei Altäre stammen aus dem Jahr 1787 und stehen unter Denkmalschutz.

Pfarrer vertraute beim Autofahren auf Gott

Prägend für die Kirche waren laut Röösli besonders die Pfarrer, die bei den älteren Dorfbewohnern noch mit zahlreichen Anekdoten in Erinnerung sind. «So hielt sich zum Beispiel Pfarrer Theodor Studer, der von 1942 bis 1987 in Hasle war, für einen ausgezeichneten Autofahrer», erzählt Röösli. «Er hat jeweils beide Hände vom Steuer genommen, um entgegenkommenden Bekannten zuzuwinken.» Darauf angesprochen, habe Pfarrer Studer gesagt, dass es dazu nur das nötige Gottvertrauen brauche.

Das 1574 erbaute «Beihüsli» neben der Kirche offenbart erst bei näherem Betrachten seine Besonderheiten. Das mit Holzschindeln gedeckte Dach ähnelt einer Alphütte. Der spärlichen Literatur, die man über das Beinhaus findet, ist zu entnehmen, dass zwischen die hölzernen Tragbalken und die Dachkonstruktion früher Totenschädel gestellt wurden. So soll ein Totengräber namens Rüedi, der 1907 gestorben ist, jeweils besonders gut erhaltene Schädel mit möglichst lückenlosen Zahnreihen dort hinaufgelegt haben.

Weil die Friedhöfe früher sehr klein waren, wurden die Gräber nach wenigen Jahren für nachfolgende Verstorbene geräumt und noch vorhandene Gebeine in den Friedhofskapellen oder Beinhäusern aufgeschichtet. Damit wurde den Lebenden die Vergänglichkeit vor Augen geführt.

Heute werden im «Beihüsli» in Hasle zwar keine Knochen mehr geschichtet. Der Tod ist dennoch allgegenwärtig durch die eindrückliche Darstellung eines sehr gut erhaltenen Totentanzes, bei dem der personifizierte Tod mit Menschen unterschiedlicher Stände tanzt. Der Tod hält sie fest und schaut ihnen mit grinsendem Gesicht über die Schulter. So tanzt er an der linken Wand mit Jüngling, Bauer, Älpler und auf der rechten Wandseite mit Wirt, Schreiber und Müller. Auf den Ehrenplätzen links und rechts des Altars holt der Tod den Papst und den Kaiser. Über lange Zeit war der Totentanz, der dem Luzerner Jakob Fleischlin zugeschrieben wird, verborgen, weil er übermalt worden war. Anfang der 1890er-Jahre löste sich die Tünche, und es erschienen immer grössere Bildfragmente. Mit dem Umbau der Kirche von Hasle 1904 wurde der Totentanz blossgelegt und erneuert.

Das Beinhaus steht unter Denkmalschutz. Es wird heute noch zur Aufbahrung der Toten benutzt. «Bei der Renovation in den 70er-Jahren gab es aufgrund der Totenaufbahrung ziemliche Diskussionen mit der Denkmalpflege», sagt Röösli. Dank dem Einbau eines Kühlsystems dürfen die Toten aber weiterhin im «Beihüsli» aufgebahrt werden.

Hinweis

Quellen: Heinz Horat (1984): Hasle im Entlebuch. Schweizerische Kunstführer. / Aus der Kirchengeschichte von Hasle: Festgabe für Herrn Pfarrer Theodor Studer, Hasle, zur Erfüllung seines 70. Lebensjahres, 1979.