Hat die Gemeinde Horw ein Baurecht an zwielichtige Firma vergeben?

Eine Schwesterfirma der Zuger Auconia, die von der Gemeinde Horw im Baurecht Land erworben hat, steckt in finanziellen Schwierigkeiten – Betreibungen von mehreren 100'000 Franken sind eingeleitet. Und das ist nicht das einzige Problem.

Roman Hodel
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Anstelle des Kindergarten-Pavillons plant die Firma Auconia hier 18 Eigentumswohnungen. (Bild: Roman Hodel, Horw 8. März 2019)

Anstelle des Kindergarten-Pavillons plant die Firma Auconia hier 18 Eigentumswohnungen. (Bild: Roman Hodel, Horw 8. März 2019)

«Das Beste kommt zum Schluss - Stirnrütipark E»: Ein Reklametafel mit diesem Slogan wirbt auf dem Areal des ehemaligen Kindergartens Stirnrüti in Horw für 18 neue Eigentumswohnungen. Diese sind an aussichtsreicher Lage im letzten von insgesamt fünf Wohnhäusern geplant – die ersten vier Gebäude der Überbauung sind bezogen, wurden jedoch von einer anderen Firma erstellt. Allerdings: Obwohl die Gemeinde Horw das Land der Firma Auconia GmbH vor einem Jahr im Baurecht abgetreten hat, sind bislang keine Bagger aufgefahren. Denn gegen das Projekt sind immer noch Einsprachen hängig.

Es ist vermutlich noch die kleinste Sorge, die die Auconia derzeit hat. Unserer Zeitung liegt eine aktuelle Betreibungsauskunft vor. Demnach schuldet ihre Schwesterfirma Auconia Ingenieurbüro GmbH mit Sitz im Kanton Zug diversen Firmen in der Baubranche, aber auch Privatpersonen, Geld. Aufgelistet sind Beträge in der Höhe von insgesamt mehreren 100'000 Franken. Ein Geschädigter sagt zu unserer Zeitung, er habe zunächst einen guten Eindruck gehabt von der Firma, «zumal sie die gleiche Bank im Rücken hat, wie ich». Doch bald hätten die Probleme begonnen. «Seither verkehren wir noch über unsere Anwälte», sagt der Geschädigte und weiter:

«Wenn wir vor Gericht zögen, hätten wir gute Chancen – nur dürfte es die Firma dann wohl nicht mehr geben.»

Auch zwei weitere Betroffene, mit denen unsere Zeitung gesprochen hat, bestätigen, dass sie Betreibungen eingeleitet hätten. Auconia hat in vielen Fällen Rechtsvorschlag erhoben und bestreitet die Forderungen. Es stehen sowieso nicht nur zahlreiche Betreibungen im Raum – gemäss Informanten sind bei mehreren Projekten die Grundstücke teils massiv mit Bauhandwerkerpfandrechten belegt. Dies, weil die beteiligten Baufirmen bislang kein oder kaum Geld für ihre Leistungen gesehen haben. Darunter befindet sich etwa ein Mehrfamilienhaus, das die Auconia in Triengen erstellt hat. Es sollte 2018 bezugsbereit sein. Doch die Bauarbeiten ruhen seit Monaten. Nachbarn sagen, sie hätten dieses Jahr noch keinen Handwerker auf dem Areal gesehen.

Bei der Gemeinde Horw weiss man von den Betreibungen: «Wir wurden auf den Betreibungsregisterauszug aufmerksam gemacht und beobachten das Geschehen kritisch», sagt Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP). Das Immobilien- und Sicherheitsdepartement habe bei Auconia nachgefragt. Es gäbe Schwierigkeiten bei einer grossen Überbauung, die zu einer unglücklichen Situation geführt hätten, habe es geheissen. Das Problem solle sich aber innerhalb von zwei Monaten lösen. Und: Das Bauprojekt auf der Stirnrüti sei deswegen nicht in Gefahr. «Gegenüber der Gemeinde wurde der Baurechtzins stets pünktlich bezahlt», sagt Zemp und fügt an:

«Als Auconia damals ihr Angebot eingereicht hatte, holte die Gemeinde Referenzen ein. Diese waren positiv.»

Wahr ist aber auch, dass sich nur wenig Firmen für das Gemeindeland interessiert hatten, weil es lediglich im Baurecht zu haben war.

Eigentümer der Auconia GmbH und der Auconia Ingenieurbüro GmbH sind gemäss Handelsregistereintrag Rolf und Silvia Aulinger. Er weist die Schuld auf Anfrage von sich und schreibt zu den Betreibungen: «Wegen Verfehlungen eines externen Dienstleisters bei zwei grösseren Projekten hat die Auconia Ingenieurbüro GmbH Baustopps verfügt.» Man habe daher Dutzende Rechnungen «wegen formaler und inhaltlicher Fehler» zurückweisen müssen. Auconia sei aber mit den Handwerkern am Verhandeln und werde berechtigte Forderungen begleichen. Zu den Bauhandwerkerpfandrechten schreibt er: «Wir werden Sicherheiten stellen, damit diese gelöscht werden können.» Für die Auconia-Kunden bestehe ohnehin «keine finanzielle Gefahr». Das gilt offenbar auch für die Firma selber. Rolf Aulinger:

«Totgesagte leben länger – wir mussten Verluste akzeptieren, jedoch haben wir nach wie vor den Rückhalt unserer Banken, mit denen wir seit Jahren exzellent geschäften.»

Was das Mehrfamilienhaus in Triengen betrifft, so stehe das Projekt unmittelbar vor der Übernahme durch einen Investor. Und auch in Horw geht es gemäss Aulinger vorwärts: «Die Einsprachen sind verhandelt und Kompromisse gefunden.» Er rechnet mit Baubeginn im Sommer. Von den 18 Wohnungen sind aktuell drei verkauft – zwei davon an die Gemeinde Horw, für den Kindergarten. Überdies verfüge man über einen «bemerkenswerten Projektvorrat an besten Lagen».

Nicht das erste Mal in den Schlagzeilen

Aulinger sorgt notabene nicht zum ersten Mal für Schlagzeilen. Wer den Namen in der Schweizer Mediendatenbank eintippt, stösst auf einen Bericht im «Tages-Anzeiger» von 2007. Gemäss diesem mussten mehrere Mitglieder seiner Familie in Deutschland vor Gericht antraben. Grund: Sie hatten über ein weitverzweigtes Firmenkonstrukt mit Sitzen in Steuerparadiesen wie Panama und Zug Tausenden von Kunden Einträge in nutzlose Adressverzeichnisse verkauft. Der Name der einen Firma lautete schon damals Auconia. Interessant ausserdem: In einer der aktuellen Firmen arbeitet ein Ex-Notar, der in den Nullerjahren wegen Veruntreuung für viereinhalb Jahre ins Gefängnis musste.

Die Familie ist bis heute Meister in Sachen Firmengründungen geblieben. Allein in der Schweiz stösst man auf Dutzende Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen – und zum Teil später wieder gelöscht wurden. Die neuste Gründung liegt erst drei Monate zurück: Am 3. Dezember 2018 liess man im Kanton Luzern die One Bauholding AG mit Sitz in Inwil eintragen. Laut Aulinger wird diese im «steuerlich attraktiven Kanton Luzern» nach und nach die Gesellschaftsanteile ihrer diversen Firmen übernehmen, «im Rahmen einer transparenten Strukturierung».